Tadihoc macht Schule!

Von Nürnberg aus koordiniert Cam-Hong Mai ein Kinder- und Jugendzentrum im südvietnamesischen Bien Hoa, das jetzt von Jesuiten geführt wird und einen Ableger bekommen hat. Am Freitag, 10. Mai, lädt sie mit ihren Freunden zu einem kulinarischen Infoabend in die Nürnberger KHG

Recht auf Bildung

Wo einst der Lärm von Maschinen dröhnte, erklingt seit 1998 helles Kinderlachen: Auf einem alten Fabrikgelände in Bien Hoa im Süden Vietnams entstand ein Kinderzentrum – seit zwei Jahren bekannt als „Tadihoc“. Das Projekt ist kein Kinderheim, sondern ein Sozialzentrum zur Förderung der Bildung von jungen Menschen – vom Kindergarten bis zur Universität. Tadihoc – auf Deutsch „Lass uns zur Schule gehen!“ – unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, ihr Recht auf Bildung durchzusetzen – in vielen armen Vierteln Bien Hoas ist das alles andere als selbstverständlich.

Eine Fabrik wird umfunktioniert

Tadihoc wird mittlerweile von vietnamesischen Jesuiten betreut – gegründet aber wurde es von der Tochter der früheren Fabrik-Besitzer, Cam-Hong Mai, und bis 2018 von Nürnberg aus verwaltet: 1987 hatte Frau Mai mit ihrer Familie die Heimat verlassen, um ein besseres, freieres Leben führen zu können: Cam-Hong in Deutschland, ihre Eltern in den USA. „Mein Vater produzierte in der Fabrik Gebrauchsgüter aus Metall“, berichtet sie. Für den Unternehmer wurde das Leben im kommunistischen Vietnam jedoch irgendwann zu restriktiv. Als er ging, blieb ein großes Fabrikgebäude.

Verlierer des Wirtschaftsbooms

Als Cam-Hong sechs Jahre später das das erste Mal nach Vietnam zurückkam, hatte sich die Situation ihrer früheren Nachbarn dramatisch verschlechtert: „Noch mehr Armut, noch mehr Kinder auf der Straße“, erinnert sie sich. Vietnam kann ein rasantes Wirtschaftswachstum und einen enormen Modernisierungsschub verzeichnen, doch ebenso wuchs in den Industriezentren der Unterschied zwischen arm und reich. Auch in Bien Hoa, einer Satellitenstadt der Metropole Saigon, wird deutlich: Die Verlierer des Wirtschaftsbooms sind Familien, die früher Kleinhandwerker waren, Hersteller von Ziegeln, Schreiner, Schlosser, Marktverkäufer und Kleinbauern. In den Industriebetrieben finden sie keine Arbeit, weil sie nicht genügend Qualifikationen mitbringen und oft auch Analphabeten sind. Vor allem die Kinder leben in sozial prekären Verhältnissen: Die Eltern haben kein regelmäßiges Einkommen, es gibt keine staatliche Hilfeleistung, doch für den Unterricht wird Schulgeld erhoben. „Viele Kinder können daher nichts lernen, sondern sind gezwungen, auf den Straßen Glückslose zu verkaufen“, schildert Frau Mai die Lage.

Zahl der Bedürftigen wächst

Über verlässliche Kontakte in der alten Heimat organisierte sie erstmals von Deutschland aus Unterstützung. 1998 gründete sie mit Marion Vogel-Sellerer und anderen deutschen Freunden den „Gemeinnützigen Verein zur Unterstützung vietnamesischer Kinder und ihrer Familien durch Patenschaften und Familienhilfen“, um das Kinderzentrum und die angeschlossenen Projekte zu institutionalisieren. „Ihnen und meinen Unterstützern vom Verein Asia Charity bin ich zu großem Dank verpflichtet“, betont Cam-Hong Mai, „denn ohne ihre Hilfe wäre das Ganze nicht zustande gekommen.“

Schulpatenschaften decken das Schulgeld und sonstige Ausgaben. Nachdem die Zahl der Bedürftigen und somit auch die Ausgaben immer weiter anstiegen, übergab Frau Mai die Leitung vor Ort an vietnamesische Jesuiten. Für die Jesuitenmission Deutschland koordiniert die Hilfsmaßnahmen gemeinsam mit Frau Mai der deutsch-vietnamesische Jesuitenpater Trieu Nguyen SJ.

Ein zweiter Standort im Hinterland

In Tadihoc finden die Kinder auch nach dem Unterricht am Nachmittag eine Zuflucht: Es gibt Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und Freizeitangebote wie Sport. Auch an den Wochenenden werden sie mit Essen versorgt. Im Projekt arbeiten derzeit außer einer Lehrerin ausschließlich Ehrenamtliche mit. In der Zukunft sollen aber auch Fachkräfte die Kinder durch ihren Alltag begleiten. Außer dem Sozialzentrum betreibt Tadihoc ein Outreach-Programm zur finanziellen Unterstützung von alten Menschen, Leprakranken, Blinden sowie körperlich und geistig behinderten Kindern, die nicht ins Zentrum kommen können. Derzeit unterstützt das Zentrum etwa 80 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Tadihoc ist jetzt auch Modell für Projekte in anderen Landesteilen, gerade entsteht ein weiteres Kinder-Zentrum im bergigen, dünn besiedelten Hinterland von Bao Loc, wo vor allem ethnische Minderheiten leben.

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Nice to meet you! Thema am Freitag, 10. Mai 2019:

Tadihoc: Schule statt Straße – ein kulinarischer Infoabend

Cam-Hong Mai, Pater Nguyen und ihre vietnamesische Freunde aus Nürnberg verwöhnen die Gäste des bunten Info-Abends mit allerlei Köstlichkeiten aus Südostasien.

Ort und Zeit:

  • Abendmesse um 17.45 Uhr mit thematischer Predigt  in der Offenen Kirche St. Klara, Königstr. 64, 90402 Nürnberg
  • Im Anschluss um 18.45 Uhr Infoabend und vietnamesisches Abendessen im Großen Saal der Kath. Hochschulgemeinde KHG (1. Stock), Königstr. 64, 90402 Nürnberg

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