„Die Folgen sind verheerend“

Jobs für wenige in der Masken-Produktion: Näherin in einer Fabrik in Harare. F: KB Mpofu / ILO (PD)

Die COVID-19-Fälle schnellen in der Höhe, das Gesundheitssystem kollabiert. Immer mehr Menschen leiden Hunger, Proteste gegen die allgegenwärtige Korruption werden hart unterdrückt. Der Jesuit Nigel Johnson SJ aus der Landeshauptstadt Harare zeichnet düstere Perspektiven für Zimbabwe im 40. Jahr seiner Unabhängigkeit:

Die jüngsten Zahlen besagen, dass es auf dem gesamten afrikanischen Kontinent inzwischen etwa eine Million bestätigte Fälle gibt, die Hälfte davon in Südafrika. Diese Zahlen spiegeln jedoch wahrscheinlich nicht die Realität wider – hauptsächlich wegen der sehr begrenzten Testkapazitäten in den meisten afrikanischen Ländern, vor allem Simbabwe und Mosambik. Bis Mittwoch, 12. August, wurden in Simbabwe 4.893 Fälle offiziell bestätigt, in Sambia rund 8.000 und in Mosambik etwa 2.500.

Die Fallzahlen steigen täglich

In Mosambik wurden die meisten Fälle innerhalb der lokalen Bevölkerung übertragen. Wahrscheinlich, weil die Regierung keinen konsequenten Lockdown angeordnet hatte, und weil die die Menschen Empfehlungen zum Social Distancing und Tragen von Masken nicht so ernst genommen hatten.

Bis vor wenigen Wochen waren die meisten Fälle in Simbabwe auf Auslandsrückkehrer, insbesondere aus Südafrika, zurückzuführen. Mittlerweile übertragen sich die meisten Infektionen lokal, und die Zahlen steigen täglich. Die meisten offiziell bestätigten Fälle wurden aus den Städten Harare, Bulawayo und Gweru vermeldet. Dort wurden vermutlich auch die meisten Tests durchgeführt…

Maßnahmen gegen Corona – oder die politische Opposition?

Gegenwärtig herrschen in Simbabwe ziemlich strenge Regeln:

  • Der Verkehr zwischen Städten und von Städten in die ländlichen Gebiete ist stark eingeschränkt
  • Nicht unbedingt notwendige Bewegungen innerhalb der Städte sind untersagt
  • Maximal 50 Personen dürfen sich versammeln
  • An öffentlichen Orten sind das Tragen von Masken und Social Distancing obligat
  • Geschäfte, Büros und Kirchen dürfen nur von 8 Uhr morgens bis 15 Uhr öffnen
  • Die meisten Ladeninhaber bestehen auf Masken, kontrollieren die Körpertemperatur ihrer Kunden, Besucher müssen vor dem Eintreten die Hände desinfizieren
  • Zwischen 18 Uhr bis 6 Uhr herrscht eine strikte Ausgangssperre

Viele Menschen interpretieren viele der staatlichen Maßnahmen jedoch nicht so sehr als eine Reaktion auf COVID-19, sondern vielmehr auf die politische Situation, insbesondere auf die jüngste Protestbewegung auf den Straßen. Die Proteste richteten sich etwa nicht gegen die COVID-19-Beschränkungen, sondern gegen Korruption in der Regierung, vermischt mit Forderungen der Opposition nach einem Regierungswechsel.

Hunger und Elend in den Vororten

Die größten Auswirkungen der Pandemie und der Restriktionen bekamen die Bewohner der ärmeren Stadtbezirke zu spüren: Social Distancing ist in den überfüllten Vorstädten mit hoher Bevölkerungsdichte wie Mbare oder Dzivarasekwa physisch unmöglich. Die Freiluftmärkte finden weiterhin ohne Social Distancing statt.

Die meisten Arbeitsplätze sind im sogenannten informellen Sektor angesiedelt: Straßenverkäufer etwa sind jetzt nicht mehr in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Folgen, wie Nahrungs­mittel­knapp­heit und Kinderprostitution, sind verheerend. Schulen sind auf absehbare Zeit geschlossen, und es ist völlig unklar, wann sie wiedereröffnet werden können.

Ärzte und Pfleger im Streik

Das öffentliche Gesundheitssystem ist mit der steigenden Zahl der COVID-Fälle, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern, klar überfordert. Die Kliniken sind unzureichend ausgestattet und unterfinanziert, Ärzte und Krankenschwestern protestieren derzeit gegen den Mangel an Schutzausrüstung und schlechte Gehälter. Vielen von ihnen sind im Streik.

Einige private Krankenhäuser sind für den Umgang mit COVID-Patienten ausgerüstet und auch personell gut ausgestattet, aber die Kosten für eine Aufnahme übersteigen bei weitem die Möglichkeiten des Durchschnittsbürgers.

Die Kurve wird weiter steigen

Das katholische Krankenhaus St. Annes wurde kürzlich als COVID-19-Behandlungszentrum wiedereröffnet. Hier sollen sowohl versicherte wie unversicherte Patienten aufgenommen werden, was bei einem zu großen Andrang aber sehr schwierig werden kann. Denn es wird erwartet, dass die Kurve der COVID-Fälle in den kommenden zwei oder drei Monaten stetig ansteigen wird, wie gegenwärtig in Südafrika, aber mit weit weniger Ressourcen zur Bewältigung der Situation.

Ich erwarte nicht, dass sich die Situation hier vor Ende des Jahres stabilisieren wird.

Fr Nigel Johnson SJ
Development & Communications Director
Jesuit Province of Zimbabwe-Mozambique

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