Als Freiwillige in den Trümmern von Beirut

Sie haben Szenen wie aus einem Albtraum erlebt und dennoch große Genugtuung in ihrer Arbeit empfunden: Nach der Explosion von Beirut am 4. August waren Mitarbeiter des Jesuiten-Flüchtlingsdiensts (JRS) unter den Ersthelfern in den betroffenen Stadtteilen. Eine von ihnen, Sahar, schildert ihre Erlebnisse. Um die Hilfsmaßnahmen aufrecht zu erhalten, sind die Jesuiten im Libanon weiter auf unsere Solidarität angewiesen.

Sahar ist 26 Jahre alt und arbeitet seit einem Jahr als Sozialarbeiterin für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst im Nicolas-Kluiters-Zentrum in Jbeil im Norden von Libanons Hauptstadt Beirut. Am Abend des 4. August, Zeitpunkt der Explosion im Hafen von Beirut, war sie zu Hause. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass ihre Familie und ihre Freunde in Sicherheit waren, fing Sahar sofort damit an, den unmittelbar Betroffenen zu helfen. Ihr Gedanke: „Dies ist unser Land. Wenn wir uns nicht gegenseitig unterstützen, wer ist dann noch da, um uns zu unterstützen?“

Sahars Reaktion auf die Explosion ist beispielhaft für die Werte der JRS: Solidarität, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft. Zunächst beteiligte sie sich als Freiwillige an den Soforthilfemaßnahmen des libanesischen Roten Kreuzes und wurde Augenzeugin eines „Blutbads“, wie sie beschreibt: „Die Situation war katastrophal, die Menschen standen unter Schock, und die Zerstörung war allgegenwärtig, überall irrten verletzte Menschen durch die Straßen. Ich begegnete Familien, die in ihren völlig zerstörten Häusern saßen, weil sie nirgendwo anders hingehen konnten.“

Bewegt von all dem Leid gründete Sahar mit Familie und Freunden den Verein „Ich bin Beirut“.  Die Reaktionen der Menschen, denen sie und ihre Freunde zur Seite standen, waren überwältigend: „Am Tag nach der Explosion haben wir begonnen, betroffene Familien zu besuchen und Lebensmittel zu verteilen. Alle waren sehr dankbar. Der Bedarf an den vorgekochten Mahlzeiten war sehr groß. Viele Menschen versprachen, uns in ihre Gebete miteinzuschließen. Das hat uns tief berührt, und wir werden uns immer daran erinnern", schildert Sahar ihre Erlebnisse.

„Wer leidet, muss über seinen Schmerz sprechen können“

Ihre Arbeit setzte sie bald mit dem JRS-Team im von der Explosion stark beschädigten Beiruter Vorort Bourj Hammoud fort. Nach der Explosion führte der JRS eine Evaluierung unter den Einwohnern durch, um den Bedarf an Unterstützung zu ermitteln – auch Sahar war im Team: „Ich bin Sozialarbeiterin und ein Teil meiner Arbeit besteht auch sonst darin, Hausbesuche zu machen. Bei den Evaluierungsbesuchen waren die Menschen sehr großzügig und haben inmitten des eigenen Leids darauf bestanden, uns zu bewirten. Die Arbeit war sehr anstrengend, aber hat sich gelohnt. Allein dass wir diesen Menschen zugehört haben, hat ihnen sehr geholfen. Wer leidet, muss über sein Schmerz sprechen können, sich an Fachleute wenden und die innere Traurigkeit nicht unterdrücken. Denn diese Nöte werden uns langfristig treffen, wenn wir nicht darüber reden.“

Um die Hilfsmaßnahmen aufrecht zu erhalten, sind die Jesuiten im Libanon auf unsere Solidarität angewiesen: Jeder Euro zählt!

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