Nothilfe Venezuela

Die Menschen leiden in Venezuela. Sie müssen nicht nur unter einem autokratischen Regime leben, sondern spüren das Elend am eigenen Leib: Unterernährung und Hunger, fehlende medizinische Versorgung, Wasserknappheit und Stromsperren. Und selbst wenn es zu einem Regierungswechsel kommen sollte, wird diese Situation noch einige Zeit andauern

Ein Land am Abgrund

Die Staatskrise in Venezuela spitzt sich immer weiter zu: Rund 1,5 Millionen Prozent Inflation im Jahr 2018, das heißt, alle 2 bis 3 Wochen verdoppelten sich die Preise, seit 2013 ist die Wirtschaftsleitung um ca. die Hälfte geschrumpft, aus dem einstigen Einwanderungsland sind in den letzten Jahren drei Millionen Menschen geflohen, die Ölförderung liegt nur noch 1,1 Millionen Barrel, einem Drittel im Vergleich zu 2013, und die Auslandsverschuldung ist kaum noch zu bedienen. Kurzum: Die Wirtschaft ist ruiniert und der Staat ist bankrott. Offizielle Statistiken gibt die venezolanische Regierung seit Jahren nicht mehr bekannt.

Kein Verkehr, kein Bargeld

Die Situation zm Jahreswechsel ist desolat: In der Hauptstadt Caracas verkehren kaum noch Autos und Busse. Nur wenige Menschen können sich den öffentlichen Transport leisten, es sind kaum noch Ersatzteile für Fahrzeuge zu bekommen. In manchen Städten im Inneren des Landes gibt es gar keinen öffentlichen Transport mehr. Dort fahren Lastwagen quer durch die Stadt, die die Leute mitnehmen und dafür kassieren. In langen Warteschlangen harren ältere Menschen vor den Banken aus: Rentner, die sich ihre monatliche Pension abholen, 4.500 Bolívares, das entspricht dem Mindestlohn. Und falls der Bank nicht das Bargeld ausgeht, stellen die Rentner sich gleich wieder beim nächsten Geschäft an, um das ganze Geld auszugeben. Denn wer weiß schon, was man morgen damit noch kaufen kann. Wenn es morgen überhaupt was zu kaufen gibt.

Rückkehr der Krankheiten

Medikamente sind kaum noch zu bekommen, da keine Dollars für den Import da sind. Und die, die noch zu haben sind, können sich die wenigsten leisten. Die Leute gehen auch nicht mehr zum Arzt. Was sollen sie auch mit einem Rezept anfangen? Das Gesundheitssystem ist am Kollabieren. Krankheiten, wie Malaria, Masern und Diphterie, die eigentlich ausgerottet waren, breiten sich wieder aus. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist stark gestiegen. Krankenschwestern und Ärzte haben das Land verlassen, um sich in den Nachbarländern eine Existenz aufzubauen.

Das Einfache wurde kompliziert

Pater Gregorio Terán SJ, von allen „Goyo“ genannt, ist stellvertretender Leiter von „Fe y Alegría“ (Glaube und Freude), dem großen Schulwerk der Jesuiten in Venezuela. „Wo der Asphalt endet, da beginnt Fe y Alegría,“ ist das Motto des Schulwerkes, das 100.000 Schüler und Schülerinnen aus den ärmeren Schichten Venezuelas unterrichtet und ausbildet, von Kindergarten und Grundschule bis hin zu technischen Berufen. Goyo zeichnet ein besorgniserregendes Bild von der aktuellen Situation, betont aber auch die heroischen Anstrengungen, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Die meisten Lehrer verdienen gerade einmal den Mindestlohn. Selbst die Lehrer, die schon 20 Jahre im Dienst sind, kommen gerade auf 10 Euro im Monat. Viele suchen sich eine zweite Arbeit, um über die Runden zu kommen. Ihre Ersparnisse haben sich in Luft aufgelöst. Goyo betont, dass sich das Einfache und Alltägliche in etwas Kompliziertes verwandelt hat. Früher musste man anrufen, um Gas zum Kochen zu bekommen. Heute wartet man stundenlang auf den Lieferwagen. Oder man sperrt die Straße, damit er nicht einfach weiterfährt. Viele Schüler und auch Lehrer kommen nicht mehr, weil der Weg zur Schule zu Fuß zu weit ist. Besonders auf dem Land. Entweder fahren keine Busse mehr oder sie sind zu teuer. Oder die Eltern sind ins Ausland gegangen und haben die Kinder bei Nachbarn oder Verwandten zurückgelassen, die sich kaum um sie kümmern.

„Fe y Alegía“ kämpft um die Lehrer

Viele Klassen haben keine Lehrer. Gerade die gut ausgebildeten gehen ins Ausland und Nachfolger sind schwer zu bekommen. „Allein zwischen September und Dezember haben wir 1.200 Angestellte bei Fe y Alegría verloren. Unter all dem leidet natürlich die Qualität der Schule“, sagt Goyo. „Ein weiteres Problem ist die Unterernährung der Schüler. Wir überwachen das Gewicht der Kinder. Viele haben Untergewicht. Sie essen nicht genug. Sie können sich im Unterricht nicht konzentrieren.“ An 57 Schulen hat Fe y Alegría inzwischen eine kostenlose warme Mahlzeit für die Schüler eingeführt, finanziert durch Spenden. Auf die Frage hin, wie wir helfen können, antwortet Pater Goyo. „Im Moment ist das Wichtigste, die Lehrer zu halten. Denn ohne Lehrer keine Schule. Wir müssen ihr Gehalt etwas aufbessern, damit sie sich einigermaßen versorgen können. Ihnen Fahrgeld geben, damit sie zur Schule kommen können. Ihnen helfen, wenn sie krank werden. Viele der verbliebenen Lehrer sind schon 20 Jahre und mehr bei Fe y Alegría. Sie könnten auch gehen, aber sie bleiben. Sie sind seit jeher mit großem Engagement und Herzblut dabei, den Armen Bildung zu bringen. Nun sind sie selbst verarmt.“

Zeichen der Hoffnung

Drei Millionen haben das Land seit Ausbruch der Krise verlassen, zumeist in die Nachbarländer, nach Kolumbien, Brasilien und Ecuador, teils zu Fuß, mit nichts als ein paar Habseligkeiten und dem nackten Leben im Gepäck. Die im Land bleiben müssen oder nicht fortgehen wollen, leiden unter der katastrophalen Situation. Trotz der prekären Lage gibt es Zeichen der Hoffnung: die ungebrochene Solidarität. Menschen, die selbst täglich ums eigene Überleben kämpfen, stehen den noch Schwächeren und Bedürftigeren zur Seite. Das macht Mut und lädt uns ein, es ihnen gleich zu tun.

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