Gerechtigkeit für die tamilischen Teepflücker

Arm, benachteiligt, an den Rand gedrängt: Mit Bildungsangeboten und politischer Anwaltschaft kämpfen Alexis Premkumar SJ und sein Team vom „Centre for Social Concern“ für die Rechte der tamilischen Teepflücker in Sri Lanka.

Bitterer Tee

Mit einem gigantischen Produktionsvolumen von über 300.000 Tonnen im Jahr rangiert Sri Lanka auf Platz vier der weltweiten Teeproduktion und ist unter Kennern berühmt für seine feine Mischungen. Was Teefreunde in aller Welt begeistert, schmeckt aber im Herkunftsland bitter: das Leben der Familien, die auf den Teefeldern arbeiten. Die meisten von ihnen sind Nachfahren von Tamilen aus Südindien, die im 19. Jahrhundert von den Briten ins Land gebracht wurden, um Tee zu pflücken und verarbeiten. Heute wie damals stehen vor allem die Frauen auf den Plantagen am untersten Rand der Gesellschaft.

Ein stiller Krieg

Der indische Jesuit Alexis Prem Kumar spricht von einem „stillen Wirtschaftskrieg“, den die besitzenden Klassen Sri Lankas gegen die tamilischen Teepflücker führen. Gemeinsam mit seinem kleinen Team vom „Centre for Social Concern“ in der Provinzhaupstadt Hatton kämpft Alexis für die Rechte der marginalisierten Communities.

Die lange Leidensgeschichte der Tamilen

Im Jahr 1911 hatten 13 Prozent der Bürger Sri Lankas indisch-tamilische Wurzeln, 100 Jahre später waren es nur 4,5 %. Als die Insel 1948 ihre Unabhängigkeit feierte, entzog die Regierung den Tamilen indischer Herkunft die Staatsbürgerschaft. Sie wurden staatenlos und verloren damit jeden politischen Einfluss. 1964 schlossen Indien und Sri Lankas den Sirima–Shastri Pact, infolge dessen es zu einer Auswanderungswelle nach Indien kam. Die Anzahl der indischstämmigen Tamilen im Land schrumpfte von fast einer Million auf 400.000.

Neue Grundbesitzer – altes Elend

Ein Landreform übertrug 1972 riesige Flächen an Tee- und Gummibaum-Plantagen in den Bezirken Gale, Matara und Ratnapura, die einst von den Briten bewirtschaftet wurden, an singhalesische Kleinbauern. Die Mehrheit der Tamilen, die in diesen Gegenden arbeiteten, wurden aus ihren Dörfern vertrieben, verloren Arbeit und Obdach, ohne jede Entschädigung. In den 1990er-Jahren wurden viele Plantagen von Großunternehmen übernommen. Die Regierung gab auch die Verantwortung für die Arbeiter ab und bat die neuen Eigentümer, sich um das Wohlergehen der Gemeinschaft –  Wohnen, Strom, Wasser und andere Einrichtungen – zu kümmern. Doch die gewinnorientierten Privatunternehmen tun nicht mal ein Minimum zum Wohle der Menschen. So leiden die Bewohner der Plantagen unter Unterernährung, schlechter Gesundheit und haben keinen Zugang zu Bildung, wirtschaftlicher und politischer Teilhabe.

Die Frauen tragen die Hauptlast

Besonders die Frauen in den Plantagen sind durch ihren geringen sozioökonomischen Status und eine strukturelle Benachteiligung anfällig für psychische und gesundheitliche Probleme. Obwohl sie in den Teegärten genauso hart arbeiten wie die Männer, werden sie schlechter bezahlt. Die jüngste Kampagne für einen täglichen Mindestlohn von 1000 Sri-Lanka-Rupien (das entspricht etwa fünf Euro) hat leider nicht gewünschten Ergebnisse gebracht.

Unterernährung von Geburt an

Da es auf den Teeplantagen nicht genug Arbeit für alle gibt, zieht es viele Männer nach Colombo oder in andere Städte; nicht alle von ihnen finden dort Jobs. Das Leben der Frauen hingegen spielt sich ausschließlich auf den Feldern und im Haus ab, sie haben nie gelernt, Dinge in Frage zu stellen. Die meisten sind unterernährt, und auch ihre Kinder sind es meist von Geburt an. Viele der Männer in den Plantagen sind alkoholabhängig, die Frauen tragen somit die Hauptlast.

Schneidern und tanzen

Im Januar 2018 hat das CSC ein Schneidereiprogramm für Frauen in den Plantagen von Mount Jean und Broakoak eingeführt.  Rund 30 Frauen  nehmen am Training teil. Außerdem organisiert das CSC für sie Sensibilisierungsschulungen in verschiedenen Bereichen und feiert einmal im Jahr den Frauentag: Im März 2019 nahmen 75 Frauen an der Feier teil. Szenisch und in Redebeiträgen brachten sie ihre Themen zur Sprache, inspiriert von einem Video über die Gleichstellung der Geschlechter und durch Gruppendiskussionen.

Die Antwort: Bildung

Nach Angaben der Weltbank verfügt Sri Lanka im Vorschulbereich über insgesamt 17.023 Zentren für frühkindliche Bildung: 29.341 Erzieher kümmern sich hier um 475.617 Kinder in der Altersgruppe von 3-5 Jahren. 84% dieser Zentren stehen entweder unter privater Verwaltung oder werden von NGOs und anderen nichtstaatlichen Einrichtungen betrieben. Und bereits hier beginnt die Diskriminierung der Plantagengemeinden, denn in anderen Landesteilen erfahren die Kindergärten wesentlich mehr Unterstützung durch die jeweiligen Provinzregierungen. Um diese Defizite etwas auszugleichen, betreibt das CSC drei Vorschulen in den Plantagen von Tientsin, Diyagala und Mount Jean für insgesamt rund 60 Schüler.

Landbevölkerung stark benachteiligt

Je älter die Schüler desto sichtbarer werden die Unterschiede zwischen Mehrheitsgesellschaft und den Menschen in den Plantagen: So besuchen in allen Teilen des Landes unabhängig von ihrer Herkunft über 90 Prozent der Kinder die Klassen eins bis fünf. Bei den Sechst- bis Neuntklässlern hingegen öffnet sich bereits die Schere: 86,2 Prozent der Stadtkinder absolvieren diese mittleren Jahrgangsstufen, bei ihren Altersgenossen in den Plantagen sind es nur noch knapp 54 Prozent. Und ganz schlecht sieht es bei den Abiturienten aus: 46 Prozent der urbanen Bevölkerung schafft die Hochschulreife, in den Plantagen sind es gerade 12,8. Aus diesem Grund unterhält das CSC auf fünf Plantagen Nachhilfezentren, zusätzlich eines in der urbanen Region Aluthgama, wo viele Kanalarbeiter mit ihren Familien wohnen. Dort sind sechs Lehrer beschäftigt, die sich um rund 200 Schüler kümmern. Zusätzlich profitieren sie von der Vernetzung mit dem jesuitischen Hochschulprogramm JWL (Jesuit Worldwide Learning), das jährlich etwa 350 der jungen Leute als Studenten aufnimmt.  

Der Traum vom eigenen Haus

In Sri Lanka gibt es mehr als 500 Teeplantagen. Die Probleme, mit denen die Menschen konfrontiert sind, haben ihre Ursachen in politischen und wirtschaftlichen Fehlentscheidungen, den kulturellen Unterschieden zur singhalesischen Mehrheitsgesellschaft und einem Mangel an Bildungsangeboten. Angesichts der Fülle an Problemen müssten die Jesuiten das Team mit einem oder zwei Priestern verstärken. Erklärtes Ziel ist, in der Zukunft 50 Standorte abdecken zu können. Darüber hinaus hat das CSC kein eigenes Gebäude. Die derzeitige Zentrale gehört einer Teefabrik, eingeklemmt zwischen einer Anwaltskanzlei und einem Wohnhaus. Um verlässlich zu wirken, mit den Armen zu gehen, die Jugend zu begleiten und für unser gemeinsames Zuhause zu sorgen, ist also nicht nur mehr Personal von Nöten, sondern auch ein eigenes Gebäude.

Projekt X31194 Sri Lanka

Ort:
Die Teeplantagen in Zentral-Sri Lanka

Partner:
Alexis Prem Kumar SJ

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150 Euro kostet es ein Kind ein Jahr lang in der Vorschule unterzubringen, 60 Euro jährlich machen ein Schulkind durch Nachhilfeunterricht fit für die Zukunft

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X31194 Sri Lanka

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