Überlebenshilfe im Bistum Chinhoyi

Das Bistum Chinhoyi kämpft jeden Tag neu ums Überleben, wie das ganze Land Simbabwe. Politischer Stillstand, wirtschaftlicher Zusammenbruch und regionale Dürren haben eine Dauernotlage in tiefer Armut geschaffen. Die Kirche ist da oft der einzige Rettungsanker. Sie gibt den Menschen nicht nur Hoffnung, sondern auch praktischen Beistand.

„Es ist wirklich eine totale Verarmung“

Seit 2006 ist der deutsche Jesuit Dieter B. Scholz Bischof der simbabwischen Diözese Chinhoyi. Er hat den Papst gebeten, das Amt aus Alters- und Gesundheitsgründen nächstes Jahr in jüngere und einheimische Hände übergeben zu dürfen.

Du bist 1963 in das heutige Simbabwe gekommen. Was war dein erster Eindruck?

Einer meiner ersten Eindrücke war, dass die Afrikaner während der Sonntagsmesse in der Kathedrale zur Kommunion in die Sakristei gehen mussten und nicht mit den Weißen zusammen am Altar kommunizieren durften. Ich habe mich damals gefragt, ob ich hier eigentlich recht am Platze bin. Die Rassentrennung und die Diskriminierung haben mir wirklich auch persönlich zugesetzt, darauf hatte mich niemand vorbereitet.

Was waren die Wurzeln für diese Rassendiskriminierung?

Soweit ich das damals verstanden habe, war Rasse eine Art Markierung, um den beträchtlichen Reichtum dieses Landes allein für die weiße Minderheit verfügbar zu machen. Zu dieser Zeit gab es vielleicht 500.000 Weiße und sechs Millionen Afrikaner. Und die Weißen hatten einen für uns Europäer unvorstellbar hohen Lebensstandard. Vor allem die Farmer. Das Privatflugzeug war so selbstverständlich wie bei uns in Deutschland der VW-Golf. Und es war durchaus nicht unge­wöhn­lich, dass man zumWochenende von seiner Farm an die mosambikanische Küste flog, um dort Pink Gin zu trinken und Krabben zu essen. Der Grund, warum die Farmer 1972 in den Krieg zogen, war, dass sie diesen Lebensstandard beibehalten wollten. Und daran hat sich eigentlich, wenn man das jetzt mal soziologisch betrachtet, bis heute nicht viel geändert. Die weiße Minderheit ist ersetzt worden durch eine zahlenmäßig ebenfalls sehr überschaubare Elite unter den Schwarzen, die in diesem Fall eine parteipolitische Elite ist.

Wie kann es sein, dass Robert Mugabe immer noch an der Macht ist?

Im Englischen nennen wir die Regierungsform, die Präsident Robert Mugabe entwickelt hat, „patronage“. Er entwickelt enge Beziehungen zu Schlüssel­persönlichkeiten im Staat, dem Chef der Polizei, dem General der Armee, den obersten Beamten. Und macht sie dadurch abhängig von sich. Sie sind plötzlich nichts mehr, wenn er nicht mehr da ist. Und andererseits braucht er sie, um weiterhin an der Macht zu bleiben. Im Grunde wurden die äußeren Strukturen des britischen Kolonialapparats beibehalten und innerhalb dieser Strukturen der Regierungsstil eines afrikanischen Häuptlings entwickelt. Mir scheint, man muss die derzeitige Generation der Dinosaurier, die an der Macht hängen, einfach ausstehen und vorbeiziehen lassen.

In was für einer Region liegt die Diözese Chinhoyi?

Chinhoyi ist eine überwiegend ländliche Diözese. Wir haben eine sehr schlechte Bodenqualität und dementsprechend ist die Bevölkerung verarmt. Es hat in unserem Gebiet eine Umsiedlung stattgefunden, da ein Teil der Diözese auch frühere weiße Farmen einschließt. Aber die Leute haben es einfach nicht über das Niveau der Subsistenz hinaus gebracht, weil sie kein Anfangskapital hatten und weil es ihnen an Erfahrung und Fachwissen fehlte. Die Land-­Neuverteilung war absolut notwendig, aber die Art und Weise, wie sie durchgeführt wurde, war ein totales Chaos.

Was sind im Moment die größten Herausforderungen?

Unsere Isolierung in Simbabwe hat dazu geführt, dass das Land nichts produziert. Nicht mal genug, um seine Einwohner zu ernähren. Und schon gar nicht, um etwas nach außen zu verkaufen. Es ist also einfach kein Geld da. Die Menschen sind so verarmt, dass sie ihre Kinder nicht mehr auf die Schulen schicken können, dass viele auch nicht ins Krankenhaus gehen, weil sie die Gebühr nicht aufbringen. Es ist also wirklich eine totale Verarmung. Und der erste Schritt wäre, dass sich das Land nach außen hin öffnet und wieder in die internationale Gemeinschaft eingegliedert wird. Dazu brauchen wir eine Regierung, die von den anderen Ländern akzeptiert wird.

Ihr habt noch einige deutsche Jesuiten, die fast alle über 70 sind. Wie ist das für sie?

Je mehr sie sehen, dass es guten Nachwuchs gibt unter den Priestern, und da besteht wirklich kein Mangel, umso leichter wird es auch zu sagen: „Ich habe meinen Beitrag geleistet und ziehe mich jetzt zurück.“ Das Entscheidende ist, dass wir gute afrikanische Partner haben, an die wir unsere Verantwortung abgeben können. Und die gibt es, das ist vorhanden. Wegen der besonderen politischen und wirtschaftlichen Umstände hier im Land wird es aber auch weiterhin notwendig sein, dass unsere Freunde und Wohltäter in Deutschland die Diözese unterstützen. Und ich hoffe wirklich, dass diese Verbindung zu den Priestern und den Menschen unserer Diözese aufrechterhalten bleibt.

Gibt es Wege, diese Verbindung zu stärken?

Der Austausch von Menschen, zumal nach den langen Jahren der Isolierung, scheint mir ganz wichtig. Dass unsere jungen Priester eingeladen werden nach Deutschland und dass ihr von Deutschland weiterhin hier herauskommt und das Land kennenlernt. Zweitens hat sich als sehr hilfreich erwiesen, eine Partnerschaft zwischen einer Pfarrei in Deutschland und einer Mission oder einer Pfarrei hier in unserer Diözese zu schließen. Da kann man dann Projekte gemeinsam entwickeln und fördern. Diese Projekte können pastoraler Art sein, aber sie können auch Entwicklungsprojekte sein. Das sind also zwei ganz wichtige Möglichkeiten: Der Austausch zwischen Deutschland und Simbabwe in beide Richtungen und Partnerschaften zwischen Pfarreien.

Das Interview führte Judith Behnen.

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