Flüchtlinge im Nordirak

Im Irak und auch in Syrien sind Hunderttausende vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ geflohen. Der Flüchtlings­dienst der Jesuiten (JRS) arbeitet seit 2008 mit irakischen Flüchtlingen. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien hat er die Hilfs­maß­nahmen in der Region deutlich ausgeweitet.

Hunderttausende brauchen Hilfe

Im Irak und auch in Syrien fliehen die Menschen vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“. In der nordirakischen Stadt Erbil haben Kirchen und Gemeinden Flüchtlinge aufgenommen. An vielen Orten stehen Zelte, der Schulanfang wurde verschoben, um Flüchtlinge in Klassenzimmern unterzubringen und im Rohbau eines dreistöckigen Einkaufszentrums haben 1.400 junge und alte Menschen Zuflucht gefunden. Die Schrecken und Strapazen der Flucht sind ihnen anzusehen. „Wir sind so dankbar für die Hilfe und Gastfreundschaft! Aber wir haben Angst vor der Zukunft.“ Auf allen Stockwerken sind Toiletten, Wasch- und Kochgelegenheiten aufgestellt. Mit Planen versuchen die Flüchtlinge ein wenig Privatsphäre herzustellen. Kinder toben herum. Für sie ist das Gebäude eigentlich viel zu gefährlich, in den höheren Stockwerken fehlen Geländer und Wände, provisorische aus Steinen aufgeschichtete Mäuerchen sollen Stürze in die Tiefe verhindern.

Jesuiten begleiten die Flüchtlinge

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) arbeitet seit 2008 mit irakischen Flüchtlingen in Syrien und Jordanien. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien hat er die Hilfsmaßnahmen in der Region deutlich ausgeweitet und erreicht über einheimische Jesuiten und lokale Hilfsnetze auch diejenigen Flüchtlinge, die nicht in offiziellen Lagern untergekommen sind. Pater Tony und Pater Mourad haben in Erbil und den umliegenden Dörfern mit vielen Flüchtlingsfamilien gesprochen, um zu sehen, wie der JRS hier helfen kann: „Die Flüchtlinge haben uns gebeten, dass wir neben der Nothilfe auch Unterricht für ihre Kinder organisieren. Sie waren schon viel zu lange nicht mehr in der Schule und das ist eine große Sorge der Eltern.“

Einblicke in die Projekte des JRS und Begegnungen mit Mitarbeitern und Flüchtlingen:

Schreckliche Erlebnisse

In den Dörfern Mangesh und Anishki sieht die Versorgungslage deutlich schlechter aus als in der Stadt Erbil. In jedem Dorf sind mehr als 400 Familien untergekommen, im Pfarrzentrum, in der Schule sowie in alten, verlassenen Häusern. Die meisten von ihnen sind Jesiden und Christen, die als religiöse Minderheiten von der Terrormiliz Islamischer Staat besonders grausam verfolgt werden.

Farboud, ein Jeside, erzählt: „Wir sind um drei Uhr morgens aus unserem Dorf geflohen. Alle hatten Angst und schrien: Sie kommen! Sie sind hier! Meine Frau und ich wussten nicht, was wir tun sollten. Wir haben sieben Kinder, mit ihnen sind wir aus dem Dorf gerannt, sonst hatten wir nichts dabei. Wir haben versucht, auf dem Berg Sinjar Schutz zu finden. Zehn Tage waren wir in den Bergen, wir hatten nichts zu essen und nichts, worauf wir hätten schlafen können. Unser dreijähriger Sohn wurde krank. Er war zu erschöpft und ist gestorben. Wir haben ihn in den Bergen beerdigt und sind weiter gezogen. Wir mussten immer weitergehen. Die Kämpfer des Islamischen Staates haben eine meiner Schwestern mitgenommen und wir wissen nicht, was mit ihr geschehen ist. Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dass wir in unser Dorf zurückgehen können und hier in Mangesh haben wir nichts, womit wir ein neues Leben anfangen könnten.“

Joesph, ein chaldäischer Christ, ist mit seiner Familie zum zweiten Mal auf der Flucht: „Ich bin 54 Jahre alt und habe ein Diplom in Metallbau. Wir haben in Bagdad gelebt, meine Frau und ich mit unseren drei Kindern. Mit zwei meiner Brüder hatte ich eine eigene Werkstatt. Im Jahr 2007 wurde einer meiner Brüder entführt, aber er konnte fliehen, obwohl er dabei zwei Schüsse in den Arm und die Schulter abbekommen hat. Vier Jahre später wurde mein anderer Bruder ebenfalls entführt. Wir bekamen einen Anruf, dass wir Lösegeld zahlen müssten. Wir haben 40.000 Dollar gezahlt, sie nahmen das Geld und schickten uns die Leiche meines Bruders. Danach konnten wir nicht länger in Bagdad bleiben und sind in unser Heimatdorf Alqosh zurückgegangen. Das liegt in der Nähe von Mossul. Aber jetzt mussten wir wieder fliehen, weil die Kämpfer unser Dorf überfallen haben. Wie sollen wir das alles ertragen? Ich würde an jeden Ort dieser Welt gehen, weit weg von dieser furchtbaren Situation, um ein besseres Leben für meine Kinder zu finden.“

Trotz allem: Das Leben geht weiter!

Aber trotz aller Angst und Not geht das Leben weiter. In einem der Flüchtlingszelte in Erbil zeigt eine junge Mutter strahlend ihre neugeborene Tochter. Die Familie mit fünf Töchtern stammt aus Karkoush und musste fliehen, weil die Terrormiliz ihr Dorf in die Luft gejagt hat. Alle Flüchtlinge haben Furchtbares erlebt, aber viele entwickeln eine bewundernswerte Widerstandskraft, helfen einander und hoffen darauf, dass sie die Zukunft meistern werden. Sorgen machen sich alle wegen des kalten Winters – es fehlen feste Unterkünfte. Aber wenn sie nach ihren dringendsten Wünschen gefragt werden, ist oft die erste Antwort: „Dass unsere Kinder wieder in die Schule gehen.“

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, dass die Kinder Nothilfe und Schulunterricht erhalten. Pater Tony ist mit einen lokalen Team für die JRS-Hilfsprojekte in Erbil verantwortlich. Zur Eröffnung von Notschulen sollen Klassenzimmer in Container-Bauweise aufgebaut werden, die nach ersten Berechnungen pro Stück 7.795 Euro kosten. Für ein Lehrergehalt braucht es 620 Euro im Monat. Für warme Kleidung, Nahrung und Medikamente ist jeder Euro willkommen.

Danke für Ihre Hilfe!

Jesuitenmission • Spendenkonto 5 115 582 • BLZ 750 903 00 • Liga Bank
IBAN: DE61750903000005115582 • SWIFT-BIC: GENODEF1M05
Stichwort: X33200 Nordirak

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Informationen über die Arbeit des JRS in Syrien, Jordanien, Libanon und der Türkei finden Sie hier: -> Nothilfe Syrien