Der Tee brachte Elend

Assam ist für seinen Tee berühmt. Nicht so bekannt ist das Elend vieler Adivasi-Familien, deren Vorfahren von den Briten als Teearbeiter auf die Plantagen geholt wurden. Die jesuitische Organisation „Gana Chetana Samaj“ (GCS) setzt sich für die Rechte der Adivasi ein.

Dörfer stehen in Flammen

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Abend des 23. Dezember friedlich zu Hause und freuen sich auf Weihnachten. Auf einmal stürmen bewaffnete Männer in Ihr Wohnzimmer, bringen einen Teil Ihrer Familie um und zünden Ihr Haus an. Im indischen Bundesstaat Assam ist genau dies am 23. Dezember 2014 in einer Reihe von Dörfern passiert. Ziel der Angriffe durch militante Angehörige des Bodo-Stammes waren Adivasi, deren Vorfahren vor über 150 Jahren von den Engländern nach Assam gebracht wurden, um auf den großen Teeplantagen zu arbeiten. Ursprünglich kommen die Adivasi, deren Name so viel wie „erste Menschen“ oder „erste Siedler“ bedeutet, aus den indischen Bundesstaaten Jharkhand, Bihar, Orissa und Madhya Pradesh. Bis heute sehen die Bodo-Radikalen, die für ein unabhängiges Bodoland kämpfen, die Adivasi in Assam als unerwünschte Neuankömmlinge an. Am Abend des 23. Dezember kamen die Angreifer aus dem Dschungel, töteten 87 Menschen, darunter 36 Kinder und 32 Frauen, setzten Dörfer in Flammen und verschwanden wieder. Dieser Angriff war nur eine von vielen barbarischen Aktionen, die immer wieder auf die Adivasi zielen.

Schuften auf Plantagen

Die Geschichte der Adivasi in Assam beginnt mit den Teeplantagen, die von den Briten gegründet wurden. Da die lokalen Bewohner nicht im Teeanbau arbeiten wollten, holten die Briten für diese Arbeit ab 1831 Adivasi aus anderen Regionen Indiens. Verarmte und von Hunger bedrohte Adivasi wurden zu Tausenden für die harte Arbeit rekrutiert. Noch heute pflücken sie 20% der weltweiten Teeproduktion und erhalten dafür einen Tageslohn von durchschnittlich 90 Rupien (1,25 Euro). Adivasi, die im Laufe der Zeit ihre Anstellung verloren haben oder vor den ausbeuterischen und unterdrückenden Arbeitsbedingungen geflohen sind, haben sich außerhalb der Teegärten in kleinen Dörfern angesiedelt.

Ansätze der Hilfe

Seit vielen Jahren arbeiten Jesuiten mit den Adivasi in Assam. Als Nachfahren sklavenähnlich gehaltener Einwanderer haben sie viel von ihrer Identität und von ihrem Selbstbewusstsein verloren. Seit 1999 hilft die jesuitische Organisation „Gana Chetana Samaj“ (GCS) den Adivasi, für ihre Rechte einzutreten, ihre reiche Kultur wieder zu beleben und sich eine wirtschaftliche Basis für ein besseres Leben aufzubauen. Mittlerweile gibt es 1.000 Selbsthilfegruppen in den Dörfern mit fast 21.000 Mitgliedern. Mit genossenschaftlichen Sparprogrammen befreien sich viele Familien aus der Abhängigkeit von Kreditgebern. Mit Hilfe von GCS betreiben sie eine Schweinezucht, haben einen kleinen Laden, weben traditionelle Stoffe, pflanzen Tee auf ihrem eigenen Land an. Bauerngenossenschaften wurden gegründet, die Saatgut und Schulungen in verbesserten Methoden zum Reisanbau erhalten. Manohar Kujur, einer dieser Bauern, berichtet: „Dieses Jahr habe ich genug zu essen und kann sogar Reis verkaufen, weil meine Ernte so gut war.“

Bildung für Kinder

Im Studienzentrum der GCS wird den Kindern beigebracht, wie wichtig Bildung für ihre Zukunft ist. „Bevor die GCS ihre Förderklassen für Mathematik eröffnete, hat es kein einziger Schüler auf das College geschafft. Jetzt erhalten auch unsere Kinder eine höhere Schulbildung und darüber bin ich sehr glücklich“, freut sich Ratneshwar Guria, einer der Väter. Sushila Orang hat mit ihrer Schweinezucht bereits so viel Geld verdient, dass sie es in die Bildung ihrer Kinder investieren kann: eines geht auf das Gymnasium und ein zweites studiert bereits.

Rechtstraining

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der GCS ist gezieltes Rechtstraining, um die Dorfbewohner über die ihnen zustehenden Rechte sowie die Wohlfahrtsprogramme der Regierung zu informieren und sie für einen selbstbewussten Umgang mit Behörden und Regierungsvertretern zu schulen. Den Dorfbewohnern von Rabhabasti im Bezirk Kokrajhar wurde beispielsweise jahrelang der ihnen zustehende Anteil an staatlich vergünstigten Lebensmitteln verweigert. Nach einer schriftlichen Beschwerde beim Direktor des Ernährungsprogramms erhalten sie nun ihre Lebensmittelrationen.

An der Seite der Unterdrückten

„Es erfüllt mich mit unermesslicher Freude zu erleben, wie Menschen sich zusammenschließen und gemeinsam etwas bewegen, ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit erheben, faire Löhne fordern, zunehmend wieder ihren kulturellen Werten vertrauen und Druck auf die Regierung ausüben“, sagt der indische Jesuitenpater George Soreng, der die Organisation GCS leitet. „Wir Jesuiten wollen mit unserer Arbeit diese Prozesse durch Bewusstseinsbildung, Mobilisierung und Förderung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit unterstützen und begleiten. Jesus hat sich auf die Seite der Armen, Vernachlässigten und Unterdrückten gestellt und seine Sendung trotz aller Hindernisse und Widerstände erfüllt. Ist es nicht genau das, wozu er uns auch heute aufruft?“

Ein Sonntag in Panipotta

Pater Klaus Väthröder hat im Frühjahr 2015 die Projekte in Assam besucht. Lesen Sie hier über seine Begegnung mit Adivasi-Familien im Dorf Panipotta: Ein Sonntag in Panipotta

Projekt X31152 Adivasi in Assam

Seit 1999 setzt sich „Gana Chetana Samaj“ (GCS) für die Rechte der Adivasi ein. Pater George Soreng, der Direktor von GCS, übersetzt den Namen mit „People’s Awareness Society“, „Verein zur Schaffung von Selbstbewusstsein“. Für viele Adivasi bedeutet Selbstvertrauen neue Freiheit und die Sprengung traditioneller Fesseln. Wir bitten um Ihre Mithilfe:

  • 30 Euro unterstützen die Förderklassen für Kinder im GCS Studienzentrum.
  • 156 Euro kostet ein ganztägiges Seminar für Rechtsfragen und Bewusstseinsbildung in einem Dorf.
  • 860 Euro sind die Jahreskosten für Saatgut auf der Trainingsfarm für die Bauernkooperativen.
  • 1500 Euro helfen bei der Anschaffung von neuen Webstühlen für eines der Frauenprojekte.

Für Ihre Spende danken wir Ihnen von Herzen!

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Jesuitenmission
Verwendungszweck:
X31152 Adivasi

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