Ein Licht für „das Volk der Dunkelheit“

Mangelernährung, Hautkrankheiten, Tuberkulose, Analphabetismus, Alkoholmissbrauch: Die Irulars – ein Stamm im Bundesstaat Tamil Nadu – leben am äußersten Rand der Gesellschaft. Die Jesuit Chennai Mission ist dabei, das zu ändern.

Der indische Jesuit und Menschenrechtsaktivist Cedric Prakash kritisiert die hindunationalistische Regierung seines Heimatlandes. Religiöse Minderheiten, aber auch Angehörige der niederen Kasten und die indigene Bevölkerung, würden wie Bürger zweiter Klasse behandelt.

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Gewalt gegen Minderheiten

Indien mit seinen 1,25 Milliarden Einwohnern ist ein Land der Gegensätze. 60 Millionen Inder leiden an Übergewicht, während gleichzeitig 30 Prozent der indischen Kinder unter fünf Jahren mangelernährt sind – eine Zahl, die höher liegt als in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara. In diesem Land, in dem Gewaltlosigkeit, das Prinzip der Ahimsa, zu einer der wichtigsten religiösen und kulturellen Traditionen gehört, sind Grausamkeit und Gewalt gegenüber Dalits und Tribals an der Tagesordnung – und zwar in unvorstellbaren Ausmaßen. Eine der betroffenen Gruppen sind die Irulars.

Die Irulars sind der zweitgrößte indigene Volksstamm im nördlichen Teil des Bundesstaates Tamil Nadu mit 210.000 Mitgliedern. In der tamilischen Sprache bedeutet „irul“ Dunkelheit oder Nacht. Die Irulars heißen also übersetzt „Volk der Dunkelheit“. Einige führen den Namen auf ihre dunkle Hautfarbe zurück oder auf die Tatsache, dass alle wichtigen Ereignisse der Irulars traditionell in der Dunkelheit der Nacht stattfinden. Die erste Beschreibung ihrer Lebensweise reicht ins Jahr 1800 zurück, als der britische Forscher Francis Buchanan seine Beobachtungen der Irulars im Distrikt Nilgiri zu Papier brachte.

Ein Leben unter der Armutsgrenze

Die Irulars sind berühmt für ihre Kenntnisse im traditionellen Schlangen- und Rattenfang. Generationen von Irulars hatten ein Auskommen durch den Verkauf von Schlangenhäuten an indische Lederfabrikanten. Als Waldbewohner waren weitere Arbeitsfelder die Gewinnung von Palmsaft und Kautschuk, die Aufzucht von Rindern sowie das Sammeln von medizinischen Kräutern, pflanzlichen Färbemitteln und wildem Honig. Eine Legende erzählt, dass die Göttin Kanniamma über alles Honig liebte. Deshalb wollte sie ein Volk erschaffen, dass Honig sammeln konnte, ohne von Bienen gestochen zu werden. Und so erschuf sie Menschen aus ihrem eigenen Schweiß, die dadurch vor Bienenstichen geschützt waren. Noch heute sagt man, dass Bienen und andere wilde Tiere fliehen, sobald sie den Schweiß der Irulars riechen. Die Jesuiten der Chennai Mission haben in den vergangenen fünf Jahren viele der Irular-Dörfer im Distrikt Villupuram besucht, um ihre Lebenssituation kennenzulernen.

Kein Zugang zu Gesundheitsversorgung

Als Ergebnis dieser Studie haben sie vor zwei Jahren die „Jesuit Irular Mission“ gegründet, das jüngste Kind der Chennai Mission. Eine Feldstudie der Jesuiten hat ergeben, dass 84 Prozent der Irular-Familien im Distrikt Villupuram in einfachsten Behausungen ohne grundlegende hygienische Ausstattung leben. Die Mehrheit ist mangelernährt und hat keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder staatlichen Wohlfahrtsprogrammen. Hautkrankheiten, Tuberkulose und Leberversagen sind häufige Krankheiten. Alkoholmissbrauch ist ein großes Problem. 81 Prozent der Irulars leben unterhalb der Armutsgrenze und sind verschuldet. 66 Prozent sind Analphabeten und sehen oft auch keine Notwendigkeit darin, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Schuluniform und Unterrichtsmaterialien kosten Geld und für die Schulanmeldung braucht es ein „Community Certificate“, das sie als Angehörige eines registrierten Volksstammes ausweist. Die wenigsten Irular-Kinder schaffen es auf eine weiterführende Schule, was auch daran liegt, dass sie oft ausgegrenzt und wenig gefördert werden.

Bildung hilft

Die Jesuiten glauben daran, dass Bildung das geeignete Instrument ist, um die Irulars aus dem Elend der Armut zu befreien. Bildung wird sie darauf vorbereiten, den Herausforderungen des Lebens mit Selbstvertrauen zu begegnen. Bildung wird für die nächste Generation der Irulars den Weg zu einem Leben in Würde ebnen – sowohl für jeden einzelnen wie auch für die Gemeinschaft. Auch wenn der Anfang schwer war, wurde in den letzten zwei Jahren viel erreicht. In 25 Dörfern haben die Missionsmitarbeiter Abendschulen gegründet. Die Kinder kommen zusammen, um Hausaufgaben
zu machen und den gelernten Stoff zu wiederholen.

Die Kinder als Schlüssel zu Veränderungen

Gleichzeitig wurden gute Kontakte zu den staatlichen Schulen aufgebaut, in die Irular-Kinder gehen, um so Diskriminierung zu verhindern. Durch begleitenden Abendschulen soll sichergestellt werden, dass die Kinder im Unterricht nicht abgehängt werden, Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten gewinnen und gerne in die Schule gehen. Über die Kinder haben die Jesuiten auch das Vertrauen der Eltern gewonnen. Sie haben Jugendgruppen gegründet, um den Mädchen und Jungen Wege in höhere Schulen zu öffnen. Eine dritte Säule der Arbeit sind Selbsthilfegruppen. In vielen Dörfern haben Frauen gebeten, ihnen dabei zu helfen, ein eigenes Einkommen zu erzielen, um so nicht länger in die Fänge von Geldverleihern zu geraten.

Projekt X31163 Irulars

Land:
Indien

Partner:
P. Felix Kennedy SJ (Chennai Jesuit Mission)

Zielgruppe:
Indigene Beölkerung im Bundesstaat Tamil Nadu

Kontext:
386 Euro braucht es für den jährlichen Unterhalt einer Abendschule. 40 Euro pro Jahr und Kind kostet die ergänzende Nahrungsmittelhilfe, die die Kinder in den Abendschulen erhalten. 13 Euro pro Frau kosten Workshops, Materialien und Begleitung zum Aufbau erfolgreicher Selbsthilfegruppen.



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