Eine Schule für Jirulia

Die Santals und Paharias sind indigene Volksstämme im indischen Bundesstaat Jharkhand. Bildung ist für sie der Weg zu einem besseren Leben. Die Jesuiten stehen dafür ein.

Ein Leben am Rand der Gesellschaft: Santals und Paharias

Jharkhand ist ein Bundesstaat im Nordosten Indiens und heißt übersetzt: Land der Wälder und Büsche. Jharkhand ist ein sogenannter Tribal State, also ein Bundesstaat, in dem mehrheitlich Tribals leben, Angehörige der verschiedenen indischen Volksstämme, die zu den Ureinwohnern zählen. Sie alle haben ihre je eigenen Traditionen, Sprachen und Gebräuche. Gemeinsam ist ihnen, dass sie außerhalb des Kastenwesens stehen und damit für die traditionelle indische Gesellschaft, anders als die Kastenlosen, nicht einmal existieren. In der Vergangenheit wurden Tribals oder Adivasi, wie der Hindi-Begriff für Ureinwohner lautet, systematisch an den Rand gedrängt, ignoriert oder ausgebeutet. Die Jesuiten der Dumka-Raiganj Provinz in Jharkhand arbeiten seit Jahrzehnten vor allem mit den beiden Stämmen der Santals und der Paharias zusammen.

Die Kinder in Satia haben bereits eine Schule – ihre Altersgenossen in Jirulia warten sehnsüchtig.
Frauen mit Wasserkrügen auf dem Weg ins Dorf Chamnakandu.

Lernen in der ersten Generation

346 Mädchen und Jungen gehen auf die Jeevan Jyoti Schule der Jesuiten in Satia. Jeevan Jyoti bedeutet Licht des Lebens. Die Kinder sind sogenannte First-Generation Learners, also die ersten ihrer Familie, die überhaupt eine Schulbildung erhalten. Die meisten von ihnen leben in den beiden Hostels, den angeschlossenen kleinen Internaten, die mithilfe von Spenden aus Nürnberg gebaut werden konnten. Der Neubau für das Mädcheninternat, das von indischen Ordensschwestern geleitet wird, ist erst vor kurzem eingeweiht worden. Die frisch lackierten Hochbettgestelle stehen noch zum Trocknen im Garten. Die Schule hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt.

Einsatz für Bildung

Bildung als Licht des Lebens. Bildung als Türöffner in die Zukunft. Die Jesuiten in Dumka-Raiganj haben 18 Grund- und Mittelschulen, 12 Oberschulen, fünf berufsbildende Colleges und eine Hochschule. Insgesamt unterrichten sie 21.287 junge Menschen vom Kindergarten bis zum Studienabschluss. Die aufgeweckten Schüler in Satia werden ihren Weg gehen. Die Kinder und Eltern in Jirulia dagegen warten noch auf eine funktionierende Schule.

Pater Klaus Väthröder (li.), Leiter der Jeusitenmission, und Pater Lourdu (2.v.li.) segnen den Grundstein für die neue Schule.
Paharia-Familie: Der Vater rührt eine Medizin gegen Gelbsucht, auf dem Boden liegen geschnitzte Rattenfallen.

Der Grundstein ist gelegt

Es ist Sonntag und in dem schmalen, langgestreckten Holzhaus mit Strohdach und geflochtenen Wandmatten haben sich Santals aus den umliegenden Dörfern zum Gottesdienst versammelt. Das provisorische Gebäude wird auch für Versammlungen und Unterricht, als Lager- und Wohnraum genutzt. 2014 ist Pater Lourdu nach Jirulia gezogen, um die Arbeit zu beginnen. Eine Fahrschule für arbeitslose Jugendliche, Englischkurse, Nachhilfeunterricht für Schulabbrecher, Katechismusgruppen – die Resonanz der 29 Santal-Dörfer im Umkreis von 30 Kilometern ist hoch. Pater Sushil, der gerade den Gottesdienst hält, ist ausgebildeter Agronom und kümmert sich um den Reis- und Gemüseanbau sowie die Hühner und Schweine in Jirulia. Die Tomatenfelder gehen nahtlos in die Baustelle über. Sand und Ziegelsteine werden geschleppt, Zement angerührt und Baugruben ausgehoben.

Mit Leib und Seele für die „Tribals“

Der Freundeskreis Friedrich Dietz aus Fulda hat 30.000 Euro gespendet, um die ersten beiden Klassenzimmer einer Grundschule zu bauen. Die feierliche Segnung des Grundsteines darf Pater Klaus Väthröder übernehmen. Kinder, Mütter und Väter aus den Dörfern stehen dabei. Der Bau der Schule ist ihr großer Wunsch. „Wir sind sehr glücklich, dass Pater Lourdu zu uns nach Jirulia gekommen ist“, sagt Nunulal Tudu. Er und seine Frau Fulkumari haben vier Töchter, für die er sich eine gute Bildung wünscht. Pater Lourdu und seine Mitbrüder und Mitarbeiter sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Sie setzen sich mit ganzer Seele für die Santals und Paharias ein. Auch für sie ist das Leben in Satia und Jirulia karg und entbehrungsreich. Aber sie leben dort mit Freude, weil sie wissen, dass ihre Arbeit sinnhaft und wertvoll ist.

Land:
Indien

Partner:
P. Lourdu SJ (Provinz Dumka-Raiganj)

Zielgruppe:
Indigene Bevölkerung im Bundesstaat Jharkhand

Kontext:
Für den Bau von acht Klassenzimmer werden 90.000 Euro benötigt. In einer Klasse werden rund 50 Kinder unterrichtet. Pro Kind kostet der Schulbau so etwa 300 Euro.



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X31182 Jirulia

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