Schulinitiative ländlicher Raum

Im Bistum Chinhoyi ist das Leben hart, und ein ganzes Jahr hängt vom Ausgang der Ernte ab. Eine Schulinitiative für Marymount, St. Boniface und St. Rupert’s will die Entwicklung der ländlichen Gebiete stärken

Der deutsche Jesuit Konrad Landsberg SJ kam 1973 nach Simbabwe, als das Land noch Rhodesien hieß. Er hat die gesamte Amtszeit von Robert Mugabe hautnah miterlebt. Während in Simbabwe den Rücktritt des Langzeitpräsidenten ausgelassen gefeiert wird, ist der Missionar derzeit auf Heimatbesuch

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Entwicklungsmotor Bildung

Es war und ist eine harte Zeit für Simbabwe: Dürren, vertrocknete Ernten, zusammengebrochene Landwirtschaft durch katastrophales Missmanagement der Regierung, Hungerkrisen, Cholera, Hyperinflation, und – nach dem November-Putsch – eine weiterhin ungewisse politische Zukunft. Auch das Bistum Chinhoyi hat hart zu kämpfen: Autounfälle, die jungen Diözesanpriestern das Leben gekostet haben, leere Kassen, Missionskrankenhäuser, Pfarreien und Schulen, die ums Überleben ringen, Menschen in Not, die Hilfe brauchen. In den drei Pfarreien Marymount, St. Boniface und St. Rupert’s will das Bistum einen Entwicklungsmotor gezielt ankurbeln: Bildung!

Lernen in guter Atmosphäre

Lebensmittelverteilung: Ein Kind hat sich eine Ölflasche gesichert.
In den Ruinen einer Farm: Ein Schwein beäugt Felix Mukaro.

In Marymount hat sich bereits einiges getan: Die neu aufgebaute Schule mit den angeschlossenen Internatshäusern bringt Leben auf die Missionsstation. Die alte Kirche wurde zum Speisesaal umgebaut, die alten Pfarrbüros zu Lehrerzimmern und das alte Patreshaus und die Gästepavillons zu Unterkünften für Lehrer. Der Schulaufbau ist zeitintensiv und geschieht stufenweise. Mit jedem Schuljahr kommt eine neue Klasse hinzu, so dass jedes Jahr ein neuer Schulblock und ein weiteres Hostel, ein Schlafsaal für die Internatsschüler, gebraucht wird. „Im Moment haben wir 145 Schülerinnen und Schüler, von denen 100 Boarders sind, also im Internat leben“, erklärt Armstrong Nyirendata, Pfarrer in Marymount und damit auch Leiter der Schule. „Unser Ziel ist es, dass wir in vier Jahren 400 Schüler haben.“ Zwei Mädchen aus der Abschlussklasse erzählen von ihren Zukunftsplänen: Sie möchten beide studieren – Jura die eine, Wirtschaft die andere. „Hier in der Schule fühlen wir uns sehr wohl“, sagen beide, „wir lernen viel und es herrscht eine gute Atmosphäre.“

Ehrgeiz und neue Perspektiven

In den Sonntagsmessen füllen die Internatsschüler die halbe Kirche und bilden einen stimmkräftigen Chor. „Die wenigsten sind Katholiken“, erklärt Armstrong, „aber es ist selbstverständlich, dass alle in die Messe gehen. Dadurch kommen sie auch in Kontakt mit dem Glauben und erleben, wie schön ein Gottesdienst sein kann.“ Die Schüler im Internat kommen nicht nur aus den umliegenden Dörfern, sondern auch aus Harare und anderen Ecken des Landes. „Diese Mischung ist gut und gewollt“, betont Felix Mukaro, Diözesanpriester und Entwicklungsdirektor des Bistums. „Durch die Stadtkinder erfahren die Dorfkinder, dass es mehr gibt in der Welt als die Arbeit auf dem Maisfeld. Horizonte werden erweitert und der Ehrgeiz wächst, in der Schule etwas erreichen zu wollen. Und für die Kinder aus der Stadt öffnet das Leben auf dem Land ebenfalls neue Perspektiven.“ Eine langfristige Hoffnung besteht darin, über die Schulgebühren der Internatskinder die Pfarrei mitzufinanzieren. Schon jetzt bietet die Schule Jobs und Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte wie Erdnussbutter, Brot, Hühner, Eier, Gemüse und Mais. Die metallenen Bettgestelle im Internat wurden von einem Gemeindemitglied hergestellt, das von der Pfarrei zur Ausbildung in das Rural Training Centre nach Chinhoyi geschickt wurde. Durch die Schule gibt es neue Entwicklungsmöglichkeiten auf der Missionsstation. „Auf einmal merken auch andere, dass es uns gibt“, sagt Felix Mukaro. „Es gibt jetzt hier einen Sendemast für Internet und Telefon. Einmal im Monat kommen auch Eltern aus Harare, um ihre Kinder im Internat zu besuchen. Dadurch wurde jetzt die Straße nach Marymount endlich ausgebessert und zum großen Teil geteert.“

Dreistöckige Etagenbetten

Provisorischer und beengter Schlafsaal für die Jungs in St. Rupert's.
Nach der Sonntagsmesse: Internatsschülerinnen in Marymount.
Lernen für eine bessere Zukunft in Marymount.
Eine Schulklasse in St. Boniface.

Kindern eine gute und wertebasierte Erziehung zu bieten und gleichzeitig die ländlichen Gebiete zu stärken – das ist das Ziel der Schuloffensive. „Die Bevölkerung in Simbabwe ist jung“, sagt Felix Mukaro, „nach einer Erhebung des Erziehungsministeriums fehlen Hunderte Schulen im Land. Das ist eine Chance für die Schulen in unserem Bistum. Bisher hatten wir nur St. Albert’s als eine etablierte Internatsschule.“ Marymount ist von den drei neuen ländlichen Schulprojekten im Bistum am weitesten fortgeschritten. In St. Boniface werden gerade Klassenräume gebaut und Pläne für den Bau von Hostels erstellt. In St. Rupert’s ist vieles aus der Not gewachsen und provisorisch gelöst worden. Auch hier wird gerade in Zusammenarbeit des Bistums und der Jesuitenprovinz ein Masterplan für Schule und Internat erstellt. Pater Chrispen Matsilele, ein junger einheimischer Jesuit, arbeitet mit Hartnäckigkeit und Ausdauer in St. Rupert’s an mehreren Fronten: Landwirtschaft, Krankenhaus, Pfarrei, Schule. „Wenn es etwas gibt, wofür die Jesuiten in Simbabwe bekannt sind, dann ist es ihre große Hingabe, mit der sie Schülern Bildung von hoher Qualität angedeihen lassen, so dass sie lebenstüchtig, ermutigt und ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden.“

Simbabwe am Abgrund – doch die Hoffnung bleibt

Pater Chrispen möchte, dass dieser Anspruch in St. Rupert’s sowohl für die Schule als auch für das Internat gilt. In provisorischen Unterkünften konnten bereits früher Schüler während der Regenzeit auf dem Gelände leben und haben sich selbst versorgt. Mittlerweile hat sich die Unterbringung verbessert. Für die Jungen gibt es dreistöckige Etagenbetten in kleinen Schuppen, in die erst Fenster hineingeschnitten werden mussten. Für die Mädchen wurde die alte Mehrzweckhalle der Pfarrei umgewandelt und mit Sperrholzplatten einzelne Schlafsäle abgetrennt. Die Verpflegung der mittlerweile 165 Internatsschüler geschieht jetzt zentral. Als Speisesaal dient ein alter Anbau an der Rückseite der Kirche. Alles keine idealen und dauerhaften Lösungen. Pläne für den Um- und Ausbau der Schule hat Pater Chrispen bereits in der Tasche. Die mündliche Genehmigung des Erziehungsministeriums gibt es auch. Es fehlt nur noch der Segen des Provinzials und die eine oder andere Finanzhilfe aus Deutschland. Darauf hoffen auch Marymount und St. Boniface. An allen drei Orten sind junge einheimische Priester, die eine Vision für ihr Bistum und die Zukunft ihres Landes haben. Simbabwe steht seit Jahrzehnten am Abgrund und viele Geldgeber haben dem Land den Rücken gekehrt. Aber solange die Bevölkerung noch Hoffnung hat und nicht aufgibt, dürfen wir es auch nicht tun.


Projekt X31174 Schulen

Land:
Simbabwe

Partner:
Felix Mukaro, Entwicklungsdirektor des Bistums Chinhoyi

Zielgruppe:
Schülerinnen und Schüler in Marymount, St. Rupert's und St. Boniface

Kontext:
Schulen als Entwicklungsmotor im Bistum Chinhoyi für Arbeitsplätze, Infrastruktur und Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse

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  • Ausbau der Schulen und Internate

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Jesuitenmission
Verwendungszweck:
X31174 Schulen

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