Beistand für den Kongo

Für das, was in der Demokratischen Republik Kongo passiert, haben Konfliktforscher längst die Überschrift „Afrikanischer Weltkrieg“ gewählt. Sie sehen sich ratlos angesichts der schier endlosen Gewalt. Der Kongo-Konflikt, der unvorstellbare Gräuel über die Zivilbevölkerung bringt, ermüdet auch viele Helfer. Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten bleibt trotzdem weiter im Einsatz.

„Die Rebellen werden müde“

Interview mit P. Peter Balleis SJ, dem internationalen Direktor des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten (JRS), während seines Besuches in Nord-Kivu.

Peter Balleis SJ bei seinem Besuch in Nord-Kivu

Wie steht es mit der Hoffnung in Nord-Kivu?

Seit fast 20 Jahren herrscht nun schon Krieg in Nord-Kivu. Man kann schon ein wenig die Hoffnung verlieren. Bischof Théophile von Goma hat uns vorhin erzählt, dass er manchmal gefragt wird, warum er Schulen und Gebäude immer wieder neu aufbaut, wenn sie doch nur wieder zerstört werden. Seine Antwort ist, dass wir dadurch die Hoffnung der Leute wachhalten.

Gibt es etwas, das sich positiv verändert hat?

Jedes Jahr im Sommer besuche ich die JRS-Teams in Goma, Masisi und Mweso. Im Vergleich zum letzten Jahr wird in Masisi viel gebaut. Viele Leute bauen sich ein kleines Heim. Seit dem Vertrag der Zusammenarbeit zwischen mehreren Rebellengruppen Anfang dieses Jahres war es lange ziemlich ruhig und es gab mehrere Monate keine Schießereien in Masisi.

Wie ertragen die Menschen und auch die Mitarbeiter den ewigen Kreislauf von Hoffnung, Zerstörung und Flucht?

Heute habe ich einen Ort besucht, wo vor vier Jahren schon ein Lager war. Die in Stein gebaute Schule von damals steht noch und leistet neue Dienste für Flüchtlingskinder. Wie ertragen wir das? Es sind zum Teil neue JRS-Mitarbeiter im Team, und sie geben für einige Jahre ihr Bestes. Andere werden folgen und die Zeichen der Hoffnung weiter setzen. Wie jeder Krieg wird eines Tages auch dieser Krieg aufhören. Die Menschen werden müde vom Krieg. Ein Lagervorstand in Nzulu betonte, dass wir Versöhnung brauchen. Die Kriegsherren sind noch nicht soweit. Und doch hat das Friedensabkommen unter mehreren Rebellengruppen in Masisi bis jetzt gehalten. Langsam sind auch die Rebellen vom Krieg müde.

Warum bricht dann doch immer wieder Gewalt aus?

Die Ursachen sind vielfältig und vielschichtig. Eine Jugendliche in Masisi sagte mir, dass einfach zu viele Waffen in den Händen der Leute sind. Keiner will die Kalaschnikow abgeben, weil man ja nicht weiß, ob man sie doch noch gebrauchen kann. Die anderen Gründe sind Mineralien, ethnische Verschiedenheit, Streit um Land als Ressource, das Versagen des kongolesischen Staates, die regionale Politik von Uganda und Rwanda, die aktiv in den Konflikt verwickelt sind.

Warum sollte uns der Konflikt hier in Deutschland nicht egal sein?

Eigentlich wollen wir doch alle den Frieden und wir wollen alle die Mineralien, die es im Ostkongo gibt, in anständiger Weise wirtschaftlich erwerben, ohne dass Menschen sterben, sondern in einer Weise, dass die Rohstoffe helfen, Nord-Kivu zu entwickeln. Frieden ist für alle besser. Als JRS glauben wir und haben wir die Erfahrung, dass Bildung den Teufelskreis von Armut und Gewalt durchbrechen kann. Deshalb bauen wir so viele Schulen und bilden Lehrer aus. Es ist unser Ziel, unsere Bildungsarbeit noch intensiver und gezielter für die Friedenserziehung und Versöhnung zu nutzen.

Interview: Judith Behnen

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