Nach der Explosion

Die Katastrophe von Beirut hat Menschen, Wirtschaft und Politik des Libanon in eine schwere Krise gestürzt. Libanesische Jesuiten und ihre Teams spannen ein Netz der Solidarität.

Die Mail von Dany Younes kommt Freitagabend um 23:57 Uhr. Wir hatten den libanesischen Jesuiten gebeten, uns ein paar aktuelle Zeilen aus Beirut zu schicken: „Da der regenreiche Winter näher rückt, wird mit Hochdruck am Wieder­auf­bau gearbeitet. Die Bevölkerung von Beirut wird sich bewusst, wie gewaltig diese Aufgabe ist angesichts eines gescheiterten Staates, der nichts zur Hilfe beiträgt. Es gibt eine tiefe Verzweiflung über die Situation und auch Verachtung gegenüber unseren politischen Führern, die so tun, als sei nichts geschehen.

Wir spüren von Tag zu Tag mehr den Mangel an Grundgütern des täglichen Lebens. Viele haben das Land bereits verlassen, und viele andere versuchen es. Schulen und Krankenhäuser bemühen sich, weiter zu funktionieren trotz eines allgemeinen Zu­sammen­bruchs der Wirtschaft. Die Menschen trauern um ihren  Verlust. Aber es gibt auch einen echten Drang nach Leben und Hoffnung und sehr viel Solidarität untereinander.“

Grauen und Verwüstung

Am 4. August explodiert im Hafen von Beirut ein Chemikalien-Lager mit verheerenden Folgen: 178 Tote, über 6.000 Verwundete und mehr als 300.000 Menschen, deren  Wohnungen so zerstört und beschädigt  wurden, dass sie nicht mehr sicher bewohnbar sind. „Wir hörten gegen sechs Uhr abends eine laute Explosion“, berichtet Pater Nader Michel. „Eine große schwarze Rauchwolke stieg in den Himmel, das ganze Gebäude schwankte, Fenster zersplitterten, Türen wurden herausgerissen und Teile der  Deckenverkleidung fielen zu Boden.“ Pater Dany Younes ergänzt: „Es waren überall Verwüstung, Grauen und Angst zu spüren. In unserem Krankenhaus wurden Patienten auf den Fluren versorgt. Und dann haben sich sofort Hunderte Schüler, Studenten, Mitarbeiter und Freunde gemeldet, um zu helfen.“

Freiwilligenteams helfen beim Wegräumen der Trümmer, verteilen Lebensmittel, hören zu und trösten, leisten medizinische Versorgung und kochen täglich mehr als 250  Mahlzeiten für diejenigen, die ihre Wohnung verloren haben.

Koordinierte Hilfe

Die verschiedenen jesuitischen Werke und Einrichtungen in Beirut – Universität, Jugendgruppen, Krankenhaus, Schulen, Pfarreien, Flücht­lings­dienst – koordinieren die Not- und Wieder­auf­bauhilfe gemeinsam. „In den Tagen und Wochen nach der Explosion gab es ein kollektives Bedürfnis, über die fürchterlichen Erfahrungen zu sprechen und sie miteinander zu teilen“, sagt Pater Daniel Corrou, Regionaldirektor des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS). Über Hausbesuche mit psychologisch geschulten JRS-Teams werden Familien erreicht und begleitet. Viele von ihnen sind Flüchtlinge aus Syrien, die abermals alles verloren haben. „Die Gebäude zu reparieren wird einfacher und schneller gehen als die Wunden der Menschen zu heilen. Wir Jesuiten in Beirut sind dankbar für eure Hilfe. Es tut gut zu wissen, dass wir in diesen schwierigen Zeiten nicht allein sind.“

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