Malawi: Aufbruch in bessere Zeiten?

Neue Hoffnung für Malawi, eine der ärmsten Nationen der Erde.

In einem der ärmsten Länder der Welt hat eine junge Demokratiebewegung einen Machtwechsel herbeigeführt. Der Jesuit Gerard Karas berichtet über einen Strahl der Hoffnung im südlichen Afrika.

Die ganze Wahl-Saga begann am 19. Mai 2019. An diesem Tag hatten sich die Bürger Malawis aufgemacht, einen Präsidenten, ein neues Parlament und neue Lokalregierungen zu wählen. Der gesamte Prozess verlief friedlich. Es gab drei aussichtsreiche Kandidaten für die Präsidentschaft: den Amtsinhaber Peter Arthur Mutharika von der Partei DPP, Lazarus Chakwera von der MCP und Saulos Klaus Chilima von der UTM.

Drei Kandidaten fürs Amt des Präsidenten

Präsident Mutharika strebte damals eine Wiederwahl an, obwohl er bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht sehr beliebt war. Er machte einen eher passiven Eindruck, hatte Schwierigkeiten, sich auszudrücken, und er war bereits knapp 80 Jahre alt. Lazarus Chakwera war im zentralen Teil des Landes sehr beliebt. Bevor er Politiker wurde, war er Pastor in der Assemblies of God-Kirche. Seine Partei MCP steht in der Tradition des ersten Präsidenten von Malawi, Dr. Kamuzu Hastings Banda, der das Land bis 1994 regiert hatte. Saulos Chilima ist ein engagierter Katholik. Er war Vizekandidat und Vizepräsident in der Regierung von Mutharika, hatte aber während seiner Amtszeit die Gunst des Präsidenten verloren. Letztendlich ging es hierbei um innerparteiliche Auseinandersetzungen, da Chilima, ein ehemaliger CEO des Kommunikationsdienstleisters „Airtel Malawi“, sehr beliebt wurde, insbesondere bei der jungen Generation der Malawier. Unsere katholischen Studenten wollten Chilima immer als Hauptredner zu ihren Versammlungen einladen.

Stagnation und Korruption

Als im Mai 2019 die Ergebnisse bekannt gegeben wurden, erklärte man Präsident Mutharika zum Sieger der Wahlen, gefolgt von Chakwera. Dritter wurde Saulos Chilima. Viele Beobachter waren überrascht von der Wiederwahl Mutharikas. Er hat viel an Popularität eingebüßt. Seine Präsidentschaft wurde nicht als proaktiv, sondern eher als reaktiv wahrgenommen. Die Menschen mussten warten, bis Entscheidungen getroffen wurden. Es gab eine Menge Korruption in der Regierung. Das Land stagnierte.

Überraschenderweise hat sich in Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, ein Wandel vollzogen, auch wenn es weder einen Krieg noch einen militärischen Konflikt gab. Die jungen Menschen, insbesondere diejenigen, die die Opposition unterstützen, begannen zu demonstrieren. Sie forderten Transparenz. Die Kandidaten der Opposition, Chakwera und Chilima, brachten die Angelegenheit vor das Verfassungsgericht. Es kamen Gerüchte auf über Wahlmanipulationen durch einige mysteriöse Helfer aus Simbabwe. Die Ergebnisse einiger Wahllokale wurden mit Hilfe von Tippex „korrigiert“, was rechtswidrig ist.

Verfassungsrichter blieben standhaft

Offenkundig mangelte es der MEC – der malawischen Wahlkommission – an Professionalität, da sie grobe Unregelmäßigkeiten zuließ. So erklärte das Verfassungsgericht im Februar 2020 die Präsidentschaftswahlen für null und nichtig. Es war ein sehr mutiger Schritt und ein Sieg für die Demokratie! Trotz einiger Versuche, die Richter zu bestechen, standen sie ihren Mann und ließen sich nicht manipulieren. Innerhalb von 150 Tagen sollten neue Präsidentschaftswahlen abgehalten werden, und das Parlament sollte eine 50% + 1-Regel für den neu gewählten Präsidenten verabschieden.
Es wurden alle möglichen Hindernisse geschaffen, um sich den Neuwahlen zu widersetzen. Es gab zahlreiche gerichtliche Einsprüche. Die Wahlkommission arbeitete sehr langsam und halbherzig. Auch die Corona-Pandemie hatte negative Auswirkungen auf den Fortschritt der Wahlvorbereitungen. Aber es gab Druck von Seiten der Öffentlichkeit.

Ein neues Bündnis setzt sich durch

Schließlich fanden nach einigen Verschiebungen die neuen Präsidentschaftswahlen am 23. Juni 2020 statt. Die Opposition ging ein Bündnis ein. Chakwera und Chilima standen auf der gleichen Liste einer neuen Gruppierung mit dem Namen „Tili toonse“ (dt: „wir sind alle vereint“). Die Regierungspartei von Prof. Mutharika ging ebenfalls eine Allianz ein, mit der Partei UDF. Nur wenige Wochen vor den Wahlen wurde eine neue Wahlkommission eingesetzt. Für die alte Wahlkommission war die Amtszeit abgelaufen.

Die Opposition, mit Chakwera als Präsidentschaftskandidat und Chilima als zukünftigem Vizepräsident, verbuchte schließlich einen klaren Sieg. Sie erhielten 69 Prozent der Stimmen, während sich Mutharika mit 39 begnügen musste.

Die Amtseinführung von Lazarus Chakwera fand am Un­ab­hängig­keitstag Malawis, dem 6. Juli 2020, statt. Aufgrund des Ausbruchs der Pandemie war die Zeremonie jedoch sehr einfach und auf 150 Gäste reduziert. Sie fand nicht im Nationalstadion, sondern in der Kamuzu-Militärkaserne statt. Natürlich wurde die gesamte Veranstaltung von Fernsehen und Radio übertragen. Wir wünschen der neuen Regierung viel Erfolg und Gottes Segen.

Gerard Karas SJ

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In Malawis Hauptstadt Lilongwe arbeitet der polnischstämmige Jesuitenpater Gerard Karas SJ als Studentenpfarrer und ist Ansprechpartner für angehende Jesuiten. Durch seine Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiß er um die Stimmung im Land und kennt seine Probleme: So haben 86 Prozent der Bevölkerung keinen oder eingeschränkten Zugang zu Bildungseinrichtungen und Gesundheitsfürsorge.

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