Lernen im Lockdown

Traumjob Pilotin: Die 12-jährige Syrerin Malak ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder vor vier Jahren in den Libanon geflohen.

Gestern noch mit den Kameraden im Klassenzimmer, auf einmal allein vor dem Handy: Die Corona-Pandemie stellt Schüler und Lehrer weltweit vor große Herausforderungen. Viel größer als in den technologisierten Ländern Europas sind sie in Regionen, wo Computer, Tablets, Smartphones Mangelware sind und schnelles WLAN kaum existiert. Etwa in den Flüchtlingslagern des Libanon, wo Schülerinnen wie Malak (12) mit Unterstützung des Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) große Hürden meistern müssen.

Malak floh vor acht Jahren mit ihrer Familie aus Syrien in den Libanon. Sie besucht die vierte Klasse einer öffentlichen Schule in Jbeil und nimmt gleichzeitig am Lernunterstützungsprogramm des JRS am Nicolas Kluiters Centre (NKC) teil. Das Programm wurde entwickelt, um die Kinder durch Sprach- und Hausaufgabenhilfe zu fördern.  

Trotz des Übergangs zum Online-Lernen sind Malaks Erfahrungen positiv: Sie hat sich schnell an das Lernen mit dem Smartphone gewöhnt und nimmt an allen JRS-Kursen teil, die nach wie vor jeden Vormittag stattfinden, mittlerweile nicht mehr im Zentrum, sondern via WhatsApp. „Online-Lernen ist für mich nicht kompliziert. Die Lektionen werden in den WhatsApp-Videos sehr gut erklärt, und wenn etwas unklar ist, kann ich fragen", berichtet Malak. Sie schaut sich die von ihren Tutoren geteilten Videos mehrmals an, um den Unterricht vollständig zu verstehen. Sie löst ihre Hausaufgaben und gibt sie an ihre Tutoren weiter, die die Aufgaben benoten.

Auch die Eltern sind gefordert

Auch Malaks Mutter Alaa musste sich an das Online-Lernen gewöhnen. Zunächst musste ihr Haus mit einem Internet-Zugang versehen werden. Sowohl Malak wie ihr Bruder Ahmad, ebenfalls in der vierten Klasse, haben beide zur gleichen Zeit Unterricht, aber im Haushalt ist nur ein Mobiltelefon verfügbar, das die beiden abwechselnd benutzen müssen. „Für mich waren die ersten beiden Tage sehr seltsam“, sagt Alaa. „Aber danach wurde es normal, und ich ermutige meine Kinder, sich an den Zeitplan zu halten und die gelösten Hausaufgaben pünktlich abzuschicken. Jetzt sorge ich dafür, dass beide auf Kurs bleiben.“

Schon vor dem Lockdown hatte Alaa ihre Kinder bei den Hausaufgaben unterstützt, muss aber jetzt immer dann einspringen, wenn die beiden irgendetwas nicht vollständig verstehen.  „Ich mag das, weil ich selbst dazulerne und mein Gedächtnis auffrischen kann“, berichtet die zweifache Mutter. Auch die Kommunikation mit den Tutoren sei dank WhatsApp einfacher: „Ich kann sie jederzeit erreichen, um mich über die Leistungen der Kinder zu informieren. Früher hatte ich keine andere Wahl, als in die Schule zu gehen, was viel Zeit gekostet hat.“

Ein neues Selbstbewusstsein

Auch Malak hat sich an das Online-Lernen gewöhnt, vermisst aber immer noch ihre Tutoren und ihre Freunde an der Schule, die räumliche Nähe und den direkten Austausch. Doch sie macht das Beste aus ihrer Zeit in der Quarantäne, indem sie ihrem Lieblingshobby nachgeht, dem Zeichnen: „Ich zeichne alles, was mir in den Sinn kommt, weil es das ausdrückt, was in mir ist.“ Und sie hat Zeit zum Träumen, etwa davon, irgendwann Pilotin zu werden und die Welt zu bereisen.  

Das Online-Lernen hat sie gelehrt, auf sich selbst zu zählen, und dass Bildung funktioniert, unabhängig von den Hindernissen, die einem im Leben begegnen.

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