Keine Zukunft für Rohingya?

Zwischen allen Stühlen – das beschreibt die Situation der Rohingya. Aber auch Hilfsorganisationen, die ihnen beistehen wollen, werden Steine in den Weg gelegt. Pater Jeyaraj Veluswamy berichtet aus Bangladesch:

"Wie bald können über 1,1 Millionen Rohingya-Flüchtlinge in ihre Heimat im Westen von Myanmar zurückkehren?“, fragen die Regierung und die Bevölkerung von Bangladesch. „Wer immer will, kann zurückkommen“, sagt die Militärregierung von Myanmar und ergänzt im selben Atemzug, dies gelte
aber nur für berechtigte Personen. „Wir werden uns für Versöhnung und Frieden einsetzen“, verspricht Aung San Suu Kyi, die zivile Regierungschefin von Myanmar. Die Flüchtlinge in den Lagern von Cox’s Bazar sorgen sich: „Werden wir unser Land und unsere Häuser zurückbekommen? Werden uns jetzt endlich Bürgerrechte zuerkannt und wird das Leben für uns, unsere Frauen und Kinder sicher sein?“ „Es ist ausgeschlossen, dass wir diese illegalen muslimischen Immigranten aus Bengalen in unserer Mitte dulden“, beharrt die buddhistische Bevölkerungsgruppe in Myanmar.
„Wir hatten gar keine andere Wahl, als die wachsende islamische Bedrohung für unseren Buddhismus, unsere nationale Sicherheit und Souveränität im Keim zu ersticken“, verteidigen Militärs, nationalistische buddhistische Mönche und Politiker ihre Position.

All diese Fragen zeigen, wie komplex die Probleme sind und wie verworren die gegensätzlichen
Wahrnehmungen, Empfindungen, Interessen und Interpretationen dieser Krise. Eine baldige und dauerhafte Lösung scheint damit sehr schwierig und unwahrscheinlich.

Nach monatelanger Prüfung hat Myanmar aus einer Liste von über 8.000 geflüchteten Rohingya nur 374 Personen benannt, denen ein Recht auf Rückkehr zustehe. Mit dieser Art einseitiger Festlegungen bringt die Militärregierung von Myanmar die Regierung von Bangladesch in gefährliche Gewässer. Denn was bedeutet dies allein für die 700.000 Flüchtlinge, die in 20 provisorischen Lagern im Süden des Landes auf ihre Rückkehr warten?

Fachleute rechnen mit einem sehr langen Prozess, bis auch nur einem Viertel der Rohingya jemals die Rückkehr ermöglicht wird. Zugleich wächst die Sorge um die Sicherheit der Menschen im Fall von Unwettern und Naturkatastrophen. Der Bezirk Cox’s Bazar ist eine Küstenregion, die besonders anfällig ist für die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen. Diese treten oft vor und nach der nahenden sommerlichen Monsunzeit auf. Bangladesch unternimmt hier Anstrengungen mit der Einrichtung von Schutzunterkünften und der Planung von Notfallmaßnahmen, um auf eine solche Situation vorbereitet zu sein.

Nächste Stufe der Hilfe

Mit dem großen Zustrom von Flüchtlingen ab August 2017 bestand der Bedarf zunächst in der Verteilung von Lebensmitteln, medizinischer Versorgung, Errichtung von Zelten und Hygieneeinrichtungen sowie die Versorgung mit Trinkwasser. Auffallend war der große Anteil von Kindern und Frauen unter den Flüchtlingen. Es häuften sich Berichte von Menschenhandel, Zwangsarbeit und Zwangsheiraten. Besonders gefährdet waren unbegleitete Kinder und alleinstehende Frauen. Gemeinsam planten Caritas und Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) früh die Einrichtung von Sozialzentren in sechs Lagern, die einen sicheren und kinderfreundlichen Rückzugsort bieten sollen. Die Regierung von Bangladesch beobachtet das Engagement von internationalen Organisationen allerdings sehr misstrauisch und verzögerte lange die Genehmigung.

Erst im März dieses Jahres konnten die Zentren endlich ihre Arbeit aufnehmen. Neben psychologischer Betreuung finden Kinder hier einen sicheren Ort zum Spielen und informelle
Bildungsangebote. Kurse und Gruppen für Frauen, Jugendleiter, Ältere sowie religiöse Führer binden
Flüchtlinge in die Arbeit ein und geben ihnen zugleich eine Stimme und die Möglichkeit zum Engagement in der Organisation des Lagerlebens.

Jeyaraj Veluswamy SJ
JRS Bangladesch

Projektseite: Hilfe für die vertriebene Rohingya

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700.000 Menschen leben in provisorischen Lagern im Süden Bangladeschs.

Die Lage der Rohingya ist katastrophal. Caritas und JRS helfen, um Kindern Schutz und Sicherheit zu bieten.

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