„Etwas für die Menschen zu tun lohnt sich immer“

Großer Bahnhof für einen bescheidenen Menschen: Mit einem Festakt wurde am 22. Januar einer Nürnberger Förderberufsschule ein neuer Name verliehen. Die Alfred-Welker-Berufsschule erinnert an einen deutschen Pater, der in den Slums von Kolumbien die Hoffnung einer ganzen Generation beflügelt hat

„Ja seid ihr spinnert, eine Schule nach mir benennen zu wollen?“ Pater Joe Übelmesser, ehemaliger Leiter der Jesuitenmission und Mitstreiter des Geehrten, grinste herausfordernd ins Publikum, bevor er fortfuhr: „Das wäre vermutlich die Reaktion von Alfred Welker gewesen. Und er hätte dann weitergegrummelt: ,Naja, wenn's halt was nutzt, dann meinetwegen.'“ Mit einer wunderschön gestalteten Namensgebungsfeier wurde am 22. Januar die Staatliche Förderberufsschule im Nürnberger Stadtteil Eberhardshof offiziell in Alfred-Welker-Berufsschule umbenannt. Aus der Hand von Dr. Thomas Bauer, Regierungspräsident von Mittelfranken, erhielt Schulleiter Peter Reichl die neue Namensurkunde. Die Schule mit dieser Namenswahl unter ein persönliches Patronat zu stellen, sei eine programmatische Widmung und stehe für ein pädagogisches Leitbild, meinte Regierungspräsident Dr. Bauer. Der Namensgeber sei gut durchleuchtet und für ideal befunden worden.

Ruppige Herzlichkeit, bodenständiges Gottvertrauen, unerschütterlicher Glaube

Der 1939 im oberfränkischen Stiebarlimbach geborene Alfred Welker wurde Jesuit, leitete von 1974 bis 1981 im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus die Jugendarbeit und ging 1981 nach Kolumbien, um sich im berüchtigtsten Slumviertel Aguablanca der damaligen Drogenmetropole Cali niederzulassen. In seinem ersten berühmten Rundbrief „100 Tage in der Hölle von Cali“ beschrieb er die Lebenssituation der Menschen, unter denen er lebte: Not und Elend, Gewalt und Armut, Hunger und Krankheiten, Überschwemmungen und Epidemien, aber auch viel Hoffnung und Glaube, Solidarität und Liebe.

Mit Hilfe von Freunden aus Deutschland und vielen Mitarbeitern vor Ort baute er die Pfarrei und das Hilfswerk „El Señor de los Milagros“ (dt.: „Herr der Wunder“) auf – hier bekannt unter dem Namen „Die Kinder von Cali“. Aus einer einfachen Bretterbude entstanden in 30 Jahren eine Kindertagesstätte, mehrere Schulen und viele unterschiedliche Sozial- und Bildungsprogramme. Padre Alfredo, wie er jetzt hieß, veränderte mit seiner ruppigen Herzlichkeit, seinem bodenständigen Gottvertrauen und seinem unerschütterlichen Glauben an die Menschlichkeit das Leben im Slum und beflügelte die Hoffnung einer ganzen Generation. Im März 2011 musste er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurückkehren und ist am 30. Dezember 2015 in Unterhaching gestorben.

„Lasst keinen zurück! Versucht, Gutes zu bewirken!“

„Zwei Jahre hat es gedauert, bis wir nach einem langen Prozess unsere Schule umbenennen können“, erklärte Schulleiter Peter Reichl. „Es ist für mich eine große Freude. Wir haben einen guten Namensgeber gefunden, der für das steht, was auch uns wichtig ist.“ Michael Kuhnert, ein langjähriger Weggefährte und Mitarbeiter von Alfred Welker in Cali, zeichnete ein persönliches und bewegendes Bild in seinem Redebeitrag: „,Lasst keinen zurück', ruft uns Welker zu. ,Schreibt keinen Menschen ab, lasst niemanden im Stich. Hört auf, angesichts des Leids, der Armut, der Ungerechtigkeit, des Rassismus, der Diskriminierung und der Gewalt mit der Achsel zu zucken. Versucht, Gutes zu bewirken.'“ Michael Kuhnert, dessen Frau Elsa aus Aguablanca stammt, wünschte allen Schülerinnen und Schülern, dass sie dieses von Alfred Welker konsequent gelebte Nicht-im-Stich-Lassen an ihrer Schule spüren und die Chance, die sich für sie in dieser Schule bietet, auch beim Schopf packen. “Den Lehrerinnen und Lehrern wünsche ich, dass sie sich wie Welker von Enttäuschungen nicht entmutigen, sondern eher anspornen lassen!"

Schüler und Lehrer hatten für die Gestaltung der Namensgebungsfeier gemeinsam viel Zeit, Mühe und Arbeit investiert: Die Enthüllung eines kreativ gestalteten Bildes von Pater Alfred Welker inmitten einer Schülergruppe auf dem Schulhof in Aguablanca war ein Höhepunkt der Feier. Die Inschrift motiviert mit einem Welker-Zitat: „Etwas für die Menschen zu tun lohnt sich immer“.

Die Ausstellung zum Leben und Wirken von Alfred Welker stieß auf großes Interesse der Gäste. Begeisterung löste der von einer Schülergruppe getextete und vorgetragene „Alfred-Welker-Rap“ aus. Das von mehreren Klassen geplante, umgesetzte und professionell servierte fränkisch-kolumbianische Buffet war der perfekte Ausklang einer großartigen Feier, bei der sich ganz sicher auch Pater Alfred Welker grummelnd wohlgefühlt hätte.

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Projektseite: Alfred-Welker-Kinderfonds

Die Aula der Alfred-Welker-Berufsschule schmückt ein Bild Pater Welkers in einem Slum von Cali.

Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer überreichte Schulleiter Peter Reichl die neue Namensurkunde.

Beim Festakt in der ersten Reihe: die Geschwister von Alfred Welker.

Mit dem „Alfred-Welker-Rap“ setzten Schüler dem Namensgeber ihrer Schule ein musikalisches Denkmal.

Langjähriger Weggefährte Pater Welkers: Pater Joe Übelmesser.

Pater Klaus Väthröder (li.), Leiter der Jesuitenmission, Welkers Freund Michael Kuhnert, seine Frau Elsa (2.v.li.) und Projektleiterin Judith Behnen in der Ausstellung.

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