Hunger, Angst, Gewalt – und ein tödliches Virus

Der Südsudan war eines der letzten Länder der Erde, die einen COVID-19 Fall gemeldet hatten. Mittlerweile aber werden in fast allen großen Städten des Landes immer mehr Infektionen bekannt. Die Situation droht zu eskalieren, das Gesundheitssystem ist desolat, zugleich herrscht politisches Chaos. Der Jesuit Agostin Edan Ekeno SJ meldet sich mit einem Brandbrief aus dem konfliktreichen ostafrikanischen Staat.

Im März hatte die Regierung noch großes Engagement zur Eindämmung der Verbreitung des Virus gezeigt und einen partiellen Lockdown verordnet, doch mittlerweile ist der Enthusiasmus vergangen. Im Rahmen des Lockdowns wurden Flüge suspendiert, Grenzen, Schulen, religiöse Institutionen und nicht-systemrelevante Geschäfte geschlossen und soziale Zusammenkünfte wie Sport-Events, Konferenzen, Hochzeiten und Begräbnisse verboten. Im April kam es zu weiteren Einschränkungen, die Reisefreiheit auch innerhalb des Landes wurde beschränkt.

Politische Ränkespiele

Dennoch bangen die Menschen jetzt um ihre Sicherheit: Während in den meisten Teilen der Welt weiter strenge Maßnahmen greifen, hat die südsudanische Regierung die Einschränkungen wieder gelockert. Reisen und Handel sind wieder möglich, obwohl die Zahl der Infizierten steigt. Ein weiteres Problem sind die politischen Zankereien in der Haupstadt Juba. Während die Nation zusammenhalten sollte, um gemeinsam gegen COVID-19 zu kämpfen, streiten sich Politiker um die Kontrolle einzelner Bundesländer. Am 7. März haben die Spitzen der Oppositionsparteien, die von Vizepräsidenten Riek Machar geführt werden, die Ernennung der Gouverneure des Landes abgelehnt. Die Folge: Zehn Bundesländer sind ohe Führung und können keine koordinierten Entscheidungen zur Eindämmung der Pandemie treffen.

Gewalt und Lebensmittelknappheit

Das größten Probleme sind aber die Unsicherheit und Hunger. In vielen Teilen des Landes schwelen Konflikte, Menschen werden vertrieben oder umgebracht. Das betrifft vor allem den westlichen Bundestaat Lake. In anderen Regionen am Äquator kämpfen Rebellen gegen die Regierung, in der Hoffnung, Kontrolle über rohstoffreiche Gebiete zu bekommen. 

Zudem beginnt im Mai die Regenzeit. Die Felder vieler Familien liegen in dieser Zeit brach. Lebensmittel können nicht mehr in ausreichendem Maß angebaut werden, die Versorgungsketten werden unterbrochen.

Kampf gegen Fake News

Gleichzeitig kommen Gerüchte auf, dass COVID-19 nur für Ausländer eine Gefahr darstellen würde.  Nachdem zunächst Infektionen bei Ausländern festgestellt wurden, haben viele Einheimischen die präventiven Maßnahmen ignoriert, im Glauben, vor dem Virus geschützt zu sein. Die Regierung musste Gegenmaßnahmen einleiten. Aus Angst vor fremdenfeinlichen Reaktionen berichteten Behörden nicht mehr über die Herkunft der Infizierten. Personen, die Falschinformationen verbreiteten, werden außerdem aufforderte, dies zu unterlassen.

NGOs als letzte Hoffnungsträger

All die genannten Faktoren haben die Regierung im Kampf gegen die Verbreitung von COVID-19 geschwächt. Millionen armer Menschen in dem konfliktreichen ostafrikanischen Staat sind einem der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt ausgesetzt und bleiben zugleich sehr anfällig für eine Ansteckung mit dem Corona-Virus.

Die Sicherheit und Hoffnung der Menschen liegen nun in den Händen der NGOs und der religiösen Organisationen. Die Jesuiten in der Diözese von Rumbek unterstützen Social Distancing und Hygienemaßnahmen. Sie informieren und sensibilisieren die Bevölkerung über Poster und stellen Container auf, wo sich die Menschen die Hände waschen können. Aber wir brauchen verstärkte Maßnahmen seitens der Behörden, um die Verbreitung von COVID-19 in diesem jungen Staat mit seinen geschwächten Institutionen zu stoppen.

Agostin Edan Ekeno SJ
Direktor des MAJIS – Multikulturelles Lehr- und Landwirtschaftsinstitut der Jesuiten in Rumbek, Südsudan

Corona-Hilfe weltweit

Länder:
weltweit

Partner:
Jesuitische Einrichtungen und Projektpartner weltweit

Kontext:
Bereitstellung von medizinischer Ausrüstung, Hygieneartikeln, Grundnahrungsmitteln und Unterrichtsmaterialien, Begleitung von besonders gefährdeten Familien

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