Die Welt verändern – in Bayern anfangen

Gemeinsam mit über 100 Organisationen und Einzelpersonen haben wir dem Bayerischen Landtag die Petition „Bayernplan2020“ vorgelegt. Warum die darin geforderte soziale und ökologische Transformation so notwendig ist, erklärt Mitinitiator Dr. Jörg Alt SJ:

Immer mehr Menschen bemerken, „dass Corona, Klimawandel, Artensterben, Ungleichheit, wachsender Populismus sowie andere Alarmsignale unserer Zeit sich überlagern und wechselseitig verstärken. Dies legt nahe, dass viele dieser Phänomene eine gemeinsame Ursache haben: die gegenwärtige, neoliberale Art und Weise, Wirtschaft und Gesellschaft zu organisieren, in deren Folge die Gesellschaft sich polarisiert, natürliche Ressourcen übernutzt und verschmutzt, Lebensräume verkleinert, Pandemien den Weg  bereitet. Wir sind überzeugt, dass die Auswüchse der „Hyperglobalisierung“ zurückgefahren werden müssen und sehen uns in Übereinstimmung mit Entwicklungshilfeminister Gerd Müller, der zum Tag der Erdüberlastung am 3. Mai 2020 sagte: „Die Corona-Krise ist ein Weckruf an die Menschheit, mit Natur und Umwelt anders umzugehen. Ein Auslöser der Pandemie liegt auch am Raubbau an der Natur. Deshalb müssen wir umdenken und können nicht einfach zur Normalität der Globalisierung zurückkehren“.

Vorstehendes ist der Beginn des Texts zur Petition „Bayernplan für eine soziale und ökologische Transformation“, die jesuitenweltweit, BUND, Landeskomitee der Katholiken und FridaysForFuture am 25. Juni im Bayerischen Landtag eingereicht haben. Inzwischen wird sie von über 100 Organisationen und Institutionen sowie hunderten Einzelpersonen mitgetragen, knapp 3.000 Unterstützer haben bislang unterzeichnet.

Wir haben zu lange getrödelt

Wir können nicht länger sagen: „Zuerst lösen wir die Corona-Krise, dann schauen wir nach dem Klima und dann, wenn wir noch Geld haben, wenden wir uns der wachsenden Ungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern zu“. Oder: „Corona ist jetzt dringend – der Klima­wandel ist eh eine Generationenaufgabe und kann nicht von jetzt auf gleich gelöst werden.“ Natürlich können wir das nicht, aber wir haben beim Klima­wandel schon zu lange getrödelt und viele Gelegenheiten verschenkt, die es gegeben hat, seit es das Problem vor ca. 40 Jahren erstmals in die Schlagzeilen schaffte.

Und nochmals: Aufgrund der systemischen Zusammenhänge und Wechselwirkungen bereitet jeder Verzug, sich dem Kern der Sache zuzuwenden, weiteren „unvorhersehbaren Externalitäten“ den Weg: dem nächsten Finanzcrash, dem nächsten Virus, mehr Migranten oder oder oder...

Zukunftslabor Bayern

Warum aber der „Bayernplan“? Es ist schwer bis unmöglich, die Fragen der anstehenden weltweiten sozial-ökologischen Transformation abstrakt am Grünen Tisch zu lösen und erst dann, wenn ein guter Masterplan existiert, ihn im großen Stil umzusetzen. Viel sinnvoller scheint uns, einfach die vielen guten Ideen, die existieren, auszuprobieren, auszuwerten und so zu lernen. Etwa Firmen der „Gemeinwohlökonomie“ zu fördern, die eine bewusste Alternative zur profitorientierten Wirtschaftsorganisation sein will. Bayern könnte ein solches „Labor“ sein: Es verfügt über viele Ressourcen: Geld, innovativ denkende Menschen und Institutionen. Und es ist groß genug, um repräsentative Erkenntnisse zu ermöglichen, die dann auch über Bayern hinaus Anwendung finden können.

Weckruf an Christen und Kirchen

Auch ich gehöre zu denen, die erst durch Greta Thunberg und die FridaysForFuture Bewegung wachgerüttelt wurden. Mühsam googelte, lernte und verstand ich dann, was „Kipppunkte“ sind und warum „Pfadabhängigkeiten“ ein Haupthindernis dafür sind, dass Einsichten nicht den Weg in die Praxis finden.
Corona bietet uns eine Riesenchance: Das unsichtbare Virus hat die Welt zum Innehalten und Nachdenken gebracht, und der öffentliche Protest gegen Staatsknete an die Lufthansa ohne ökologische Modernisierungsauflagen oder gegen eine Neuauflage von Abwrackprämien für fossil getriebene Autos bzw. der Zuspruch zu unserer Petition zeigen, dass die Bevölkerung zunehmend die Dringlichkeit der Aufgaben wahrnimmt.

Vieles lässt sich bereits nicht mehr aufhalten, aber Schlimmeres lässt sich allemal verhindern. Christen und Kirchen, gerade unter der Führung von Papst Franziskus, kommt die Aufgabe zu, sich an vorderster Front an der sozialökologischen Transformation der Gesellschaft zu beteiligen. 

Informieren & unterschreiben

Die Petition läuft bis zum 25. Juni 2021. Um die Zulassung eines Volksbegehrens beim bayerischen Innenministerium zu beantragen, müssen 25.000 stimmberechtigte Bürger (nicht zwingend Bayern) unterschrieben.

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