Die Hassspirale kommt nicht in Gang!

Nach dem Angriff in der Kirche: Pater Karl-Edmund Prier wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Er hat dem Täter, einem ortsfremden Islamisten, verziehen und beschreitet mit den Christen und Muslimen seiner Heimatgemeinde weiter den Weg von „Zusammenarbeit, Wertschätzung und Akzeptanz“.

Pater Karl-Edmund Prier wurde am 11. Februar während der sonntäglichen Messfeier in der Kirche St. Lidwina der Pfarrei Kumetiran in Yogyakarta von einem schwertschwingenden Angreifer am Kopf verletzt; zusammen mit drei weiteren Opfern aus der voll besetzten Kirche wurde Pater Prier im Katholischen Krankenhaus operiert.

Am Freitag, 16. Februar, wurde er aus dem Krankenhaus entlassen; am Kopf trug er bis zum 20. Februar einen Wundverband. Da nur die Hirnschale, nicht aber das Gehirn verletzt wurde, gab es Gott sei Dank keine nachhaltigen Beschwerden. Er wohnt in der Jesuitenkommunität der Katechetischen Fakultät und kommt täglich in das – von ihm gegründete und immer noch von ihm geleitete – Zentrum für Kirchenmusik.

Am Montag, 19. Februar, besuchte der örtliche Bischof, Erzbischof Robertus Rubiyatmoko, den landesweit anerkannten Leiter einer großen muslimischen religiös-politischen Gemeinschaft, zum Dank dafür, dass er unmittelbar nach den Ereignissen die Kirche besucht hat. Am 19. Februar zelebrierte der Bischof in der übervollen und stark bewachten St.Lidwina-Kirche einen Gottesdienst, bei dem die Kirche neu eingesegnet wurde. 1400 Gläubige, darunter auch viele Muslime, feierten zusammen Gottesdienst, um zu zeigen, dass die Ereignisse in der Kirche die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen unterschiedlichen Religionen wohl stören, aber nicht zerstören konnten. Dabei wurde Pater Prier mit viel Applaus begrüßt.

Für seine Freunde und Unterstützer in Deutschland beschreibt er die Hintergründe der Tat und seinen Umgang damit:

"Die Außenkirche St. Lidwina liegt in einer dörflichen Umgebung mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. Seit etwa 15 Jahren assistiere ich dort jeden 2. und 4. Sonntag im Monat. Die Kirche fasst etwa 300 Leute, die Beziehung zu der Bevölkerung war und ist gut.

Niemand hat daher damit gerechnet, dass am 11. Februar 2018 ein junger unbekannter Mann in die Kirche eindingt und mit einem ein Meter langem Schwert in der Hand und dem Ruf „Allahu akbar“ auf den Lippen auf die Gläubigen einschlägt. Er stammt aus Ost-Java, hielt sich allerdings schon einige Tage vorher in der Gegend auf und übernachtete in der nahen Mosche. Niemand dort schöpfte Verdacht, sagte man mir. Erst im Nachhinein stellte sich heraus dass er schon als Jugendlicher auf der Suche war nach Außergewöhnlichem: Er wurde ausgebildet in Sulawesi, wo sein Bruder wohnt; er bewarb sich um ein Visum nach Syrien und war bekannt dafür, dass er den Moslems verbot, den Christen „Frohe Weihnachten“ zu wuenschen.

Solidarität der Muslime

Mit andern Worten: Es gibt sehr wohl Radikale in Indonesien, aber die Mehrheit der islamischen Bevölkerung ist tolerant – so sehr, dass man auch radikale Gäste toleriert. Dass man auch gegen Christen tolerant ist zeigte sich am Tag nach dem „Zwischenfall“, als die Gemeinde begann, die blutverschmierte Kirche zu reinigen. Schnell gesellten sich auch Frauen mit Kopftuch und muslimische Jugendliche dazu – ein überdeutliches Zeichen. Das ist genau der Weg zur Zusammenarbeit, nämlich: im Alltag sich gegenseitig schätzen und akzeptieren. Das hat jahrzehntelang geklappt und klappt auch heute noch, abgesehen von solchen „Zwischenfällen“. Man sollte also vorsichtig sein, Einzelfälle zu überschätzen.

Ich habe jahrzehntelang an der hiesigen Musikhochschule unterrichtet, die größtenteils von Muslimen besucht wird. Wir hatten überhaupt keine Probleme miteinander. Als ich letzte Woche auf der Intensivstation lag, wollte eine Gruppe Studenten der Musikhochschule mir sogar im Krankenhaus ein Ständchen bringen, was leider nicht möglich war.

Ich war heute zusammen mit einigen anderen Jesuiten beim Chef der hiesigen Polizei, um mich für die Unterstützung zu bedanke. Denn die Polizei hat sich sehr bemüht zu verhindern, dass weder auf Seiten der Moslems als auch auf Seiten der Christen eine Hassspirale in Gang kommt. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch vor der Presse deutlich gesagt, dass ich dem Täter verzeihe. Und die Polizei hat versprochen, die Sache gerichtlich zu Ende zu führen."

Karl-Edmund Prier SJ, Yogyakarta, 21. Februar 2018

Seit Jahrzehnten im Einsatz für interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit: Karl-Edmund Prier SJ

Ostermesse 2015 in Yogyakarta. Foto: Christian Ender.

Ihre Spende hilft

Jetzt online spenden

Jesuitenmission
Verwendungszweck:
X20010 freie Spende

Bank: Liga Bank
IBAN:DE61 7509 0300 0005 1155 82
BIC:GENO DEF1 M05