Corona und die Folgen: „Starke Schultern können mehr leisten“

Jesuit und Sozialwissenschaftler: Dr. Jörg Alt SJ.

Die Corona-Krise bedroht die Existenz Einzelner und ganze Volkswirtschaften. Nur durch eine Sonderabgabe der reichsten Bevölkerungsschichten können wir ihre Folgen gerecht bewältigen, macht Jörg Alt SJ deutlich. Zudem fordert der Sozialwissenschaftler als weitere Instrumente eine europäische Allianz gegen Steuerbetrug sowie das Durchsetzen von Finanzaktions- und CO2-Steuer.

Dr. Jörg Alt, bei jesuitenweltweit zuständig für Advocacy- und Kampagnenarbeit, begrüßt entsprechende Vorschläge aus der Politik, die Kosten der Corona-Krise durch eine Vermögensabgabe zu bewältigen. Alt: „Es muss das Prinzip gelten: Starke Schultern können mehr leisten als schwache.“

Pater Alt, der in den vergangenen Jahren intensiv im Bereich nationaler und internationaler Steuergerechtigkeit geforscht hat, stellt klar: „Wir müssen aus den Fehlern der Finanzkrise lernen. Ihre Lasten wurden völlig ungleich verteilt, indem man sie allen Steuerzahlern gleichermaßen auferlegt hat.“

Vermögensabgabe: ein probates Modell aus der Nachkriegszeit

Die Idee einer Vermögensabgabe sei zudem, machte Alt in einem Interview mit kna deutlich, nicht neu. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg habe sie dazu gedient, Geld für die Bewältigung der Flüchtlingskrise zu generieren, durch das so genannte Lastenausgleichsgesetz. Eine solche Sonderabgabe werde in Krisenzeiten auch eher akzeptiert, „umso wichtiger ist es, dass es jetzt geschieht.“

Konkret sollte das reichste Prozent der Bevölkerung herangezogen werden: „Bezugsgröße sollten vorhandene private und betriebliche Vermögen sein“, so Alt, die Leistung solle über Jahre streckbar sein, um niemanden zu überfordern. Der Ertrag wäre groß: „Man könnte mit diesem Instrument 70 bis 100 Milliarden Euro einsammeln.“

Lehren ziehen für den Kampf gegen den Klimawandel

Zudem hofft er, „dass die Krise insgesamt eine Diskussion ermöglicht, wie öffentliche Einnahmen verbessert werden“. Zu einem notwendigen Gesamtpaket gehöre auch eine bessere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten beim Steuereinzug: „Steuervermeidung und -betrug müssen besser bekämpft, Steuertricksereien, die innerhalb von Europa möglich sind, beseitigt werden. Ein weiteres Instrument dafür wäre aus Sicht des Jesuitenpaters die Finanztransaktionssteuer, für die er immer wieder plädiert hatte.

“Und auch eine CO2-Steuer zählt dazu", ergänzt Alt: „Denn so wie Corona bleibt auch der Klimawandel eine globale Bedrohung.“  Die Covid-19-Pandemie zeige nun, dass Politik durchaus auf die Wissenschaft höre und Geld keine Rolle spiele, wenn es darum gehe, eine spürbare Krise zu bekämpfen: „Das muss auch beim Klimawandel greifen!“

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