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Zum Schutz der Rechte der Kinder

Im Herbst 2013 haben wir Sie um Unterstützung für die Arbeit unserer Projektpartner in Sambia gebeten. Wir haben Ihnen die Chikuni Mission und ihre Radioschulen vorgestellt. In einem aktuellen Bericht erzählt Pater Kelly Michelo SJ, der Leiter der Missionsstation Chikuni, von dem neuen Programm zum Schutz der Kinderrechte der Chikuni Parish Taonga. Chikuni Parish Taongo, oder nur Taongo, wie sie kurz genannt wird, ist eine Organisation der Jesuiten in Chikuni, die sich für bessere Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

„Wir sind der Meinung, dass jedes Kind ein Recht auf Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung hat und dass all diejenigen, die mit Kindern arbeiten, die Verantwortung haben, dieses Recht zu schützen."

Pater Kelly Michelo SJ

Programm zum Schutz der Kinderrechte

Das Programm zum Schutz der Rechte der Kinder ist ein gut durchdachtes Projekt, das seine Ursprünge im Jahr 2000 hat, als hier das Projekt Radio Chikuni entstand. Die Radiosendungen versorgen ihre Hörer unter anderem mit Informationen über Gesundheit und Bildung sowie aktuellen Nachrichten. Die Besonderheit an Radio Chikuni ist aber vor allem, dass auch Schulstunden ausgestrahlt werden. „Ein Sprichwort besagt, dass Bildung nutzlos ist, wenn sie nicht den Bedürfnissen der Lernenden entspricht“, erklärt Pater Kelly Michelo SJ, „und so erreicht der Radiounterricht besonders die Kinder, die zu Hause auf den Feldern mithelfen müssen oder für die der Schulweg zu weit wäre.“ Aus den ersten drei Interactive Radio Instruction (IRI) Centren, in denen ein Hilfslehrer die Sendung für Schulklassen begleitet, auf Fragen antwortet und Übungen verteilt, wurden inzwischen 18 Centren mit insgesamt rund 1800 Schülern.

Trotz Erfolgen ist ein spezielles Programm zum Schutz der Kinderrechte nötig.

Auch wenn dies bereits ein großer Erfolg ist, musste Taonga feststellen, dass viele Schüler den Unterricht nicht regelmäßig besuchen, keine guten Leistungen erzielen oder gar die Schule abbrechen. Die Gründe dafür ließen sich leicht ermitteln: viele der Kinder werden vernachlässigt, ausgebeutet oder gar missbraucht.

Aus dieser Situation heraus entstand das Programm zum Schutz der Kinderrechte. Dieses sieht vor, dass Kinder ungehindert zur Schule gehen können und in einem sicheren Umfeld lernen und wachsen können. Außerdem soll es das allgemeine Bewusstsein für Kinderrechte stärken, klare Handlungsschritte im Fall von Missbrauch formulieren und ein Netzwerk zwischen verschiedenen Organisationen zum Schutz von Kinderrechten aufbauen.

Diese Aufgabe stellt Taonga vor jede Menge Herausforderungen: Manchmal werden die Missbrauchsfälle lieber in der Familie selbst geregelt, anstatt gemeldet zu werden. Die Streitfälle werden mit Geld beigelegt und so schnell wie möglich unter den Teppich gekehrt. Kinderheiraten werden durch kulturelle Traditionen begründet, in deren Folge Mädchen in jungen Jahren schwanger werden. Das allgemeine Verständnis „Jedes Kind ist jedermanns Kind“ erlaubt es, ein Kind zurechtzuweisen, zu bestrafen und zu schlagen. Ein allgemeines Problem ist auch, dass nicht genügend Literatur wie etwa über die Kinderrechte in die Sprache Chitonga übersetzt wird.

Respektvoller Umgang mit den Kinder ist die Basis.

Daher erfordert ein solches Programm eine sorgfältige Planung und eine gut funktionierende Struktur. Alle Mitarbeiter von Taonga unterzeichnen einen Vertrag, in welchem sie versichern, respektvoll mit Kindern umzugehen und jegliche Art von Missbrauch unverzüglich anzuzeigen. Wird ein Missbrauchsfall beobachtet oder von einem Kind selbst gemeldet, wird eine ganze Kette von Prozessen in Gang gesetzt. Zuerst wird der Child Protection Officer informiert, welcher dann ein Dokument mit Angaben über das Opfer, dessen Eltern, den Täter / die Täterin und den Vorfall ausfüllen lässt. Die Eltern werden aufgesucht und das Kind erhält die notwendige medizinische sowie psychologische Hilfe. Der Vorfall wird den Behörden berichtet und Taonga behält die weitere Verhandlung des Falls im Auge.

„Wenn wir mit Kindern zusammen arbeiten, müssen wir verstehen, was sie an der Entwicklung zu mündigen Erwachsenen hindert“ erklärt Pater Kelly. Als Grundlage dazu dient der Child Status Index (CSI) der Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung. Der CSI setzt sich aus sechs Komponenten zusammen: Ernährung, Unterkunft, Schutz, physische und psychische Gesundheit und Erziehung. Im Rahmen des Programms zum Schutz der Kinderrechte wurde in Chikuni eine Studie mit 1593 Kindern durchgeführt und aus den Ergebnissen geht hervor, dass die größten Defizite in den Bereichen Ernährung und Schutz herrschen.

In Workshops lernen Kinder und Jugendliche Wichtiges über ihre Entwicklung und ihre Rechte.

Als Antwort darauf entwickelte Taonga  verschiedene Workshops um Themen wie Selbstbewusstsein, Entscheidungswahl, Kommunikation und Gruppenzwang zu bearbeiten. Die Hauptzielgruppe waren Mädchen der fünften bis siebten Klasse. Hier zählen nicht nur die Pubertät einhergehend mit Identitätskrisen, sondern auch frühe Schwangerschaften und Heirat zu den Hauptproblemen. Ein weiteres Thema war die Verbesserung von hygienischen Standards, zu welchem den Mädchen zum Beispiel auch Damenbinden verteilt wurden. Im Kontext der Menschenrechte wurde über Missbrauch von Kindern gesprochen und Beispiele aufgeführt, wie Kinder in Missbrauchssituationen reagieren können. Den größten Erfolg dieser Workshops sieht Pater Kelly darin, dass dem Team von Taonga nach Abschluss der Trainingseinheiten 24 Missbrauchsfälle gemeldet wurden. „Vier davon leiteten wir an die Polizei weiter, 20 nahmen wir selbst in die Hand, indem wir die Opfer zur Untersuchung ins Krankenhaus brachten und ihnen eine Beratung anboten“, erklärt er.

Das Programm zum Schutz der Kinderrechte soll Eltern und Gemeindeführer erreichen.

Aus den Studien geht hervor, dass die meisten Missbrauchsfälle innerhalb der Familie geschehen. Somit wurde das Programm in jedem der 18 Radio-Schulcentren vorgestellt, besprochen und in schriftlicher Form verteilt. Auch über Radio Chikuni wurde auf Kinderrechte aufmerksam gemacht. Insgesamt wurden sieben Sendungen über das Programm zum Schutz der Kinderrechte ausgestrahlt, in denen auch ein neues Ernährungsprogramm für die Schüler erklärt wurde. Eine weitere Maßnahme um die Anwesenheit der Schüler in den Klassen zu erhöhen, ist die Einführung dieses Ernährungsprogrammes. Die Schüler bekommen nun täglich eine warme Mahlzeit. Hierzu steuern die Eltern jeweils ein Kilogramm Mais bei und erhalten dagegen fünf Kilogramm Maissamen, die sie in der nächsten Saison anbauen können. Auf diese Weise werden viele Menschen in das Projekt miteinbezogen, was sich positiv auf den Zusammenhalt in den Gemeinden auswirkt.

„Unser Ziel ist es, dass alle sich über ihre Rolle für den Schutz der Kinderrechte bewusst werden.“

Für Pater Kelly bedeutet dies, dass die Eltern involviert werden und Gemeindeoberhäupter Hand in Hand mit den Mitarbeitern Taongas arbeiten Die Kinder lernen, dass es ihr Recht ist, zur Schule zu gehen, aber dass sie auch die Verantwortung haben, am Unterricht teilzunehmen und ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Auch auf Seiten Taongas findet ein weitreichender Lernprozess statt. Die bisherige Entwicklung des Projektes führt zum Beispiel zu einem besseren Verständnis der Eltern: Aus Mangel an Informationen und Aufklärung werden die Rechte der Kinder in manchen Fällen nicht wissentlich missbraucht. Nicht nur die Eltern, sondern die Kinder selbst wissen nicht über ihre Rechte Bescheid. Manche Mädchen wollen zum Beispiel von sich aus schon mit 15 Jahren verheiratet werden.

„Wir haben verstanden, dass wir den Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen können, indem wir ihnen helfen, sich über ihre Rechte bewusst zu werden und diese auch schätzen zu lernen“, so Pater Kelly.

„Was auch immer du tust, nicht alle werden es zu schätzen wissen.“ Dieses afrikanische Sprichwort beschreibt ganz gut die Reaktion der Menschen in Chikuni auf das Programm zum Schutz der Kinderrechte. Viele Kinder, Eltern und Gemeindemitglieder sind sehr dankbar und erfreut. Aber manche Schüler sind immer noch der Meinung, dass der Unterricht sie davon abhält, das zu tun, was sie tun wollen und es gibt weiterhin Eltern, die die Schulbildung ihrer Kinder als unwichtig empfinden.

Doch zu Taongas Stärken zählen vor allem Kreativität und Flexibilität. Pläne werden gründlich ausgearbeitet und umgesetzt. Taongas Erfolg beruht auf einer Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen und der Bereitschaft, sich diesen anzupassen. Pater Kelly blickt auf ein Jahr voller Besserungen zurück und hat bereits weitere Pläne für Taonga im Sinn. Eines der neuen Projekte wird das Errichten von Solarsystemen sein, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, auch in den Abendstunden für die Schule zu lernen und ihre Leistungen zu verbessern.

Mit Ihren Spenden im Jahr 2014 konnte das Programm zum Schutz der Kinderrechte gestartet werden.
Vielen Dank, dass Sie die Jungen und Mädchen auch in Zukunft begleiten.

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Informationen über die Radioschulen der Missionsstation Chikuni finden Sie auf unserer Projektseite.
Englischsprachige Informationen der Jesuiten in Chikuni finden Sie auf der Internetseite der Missionsstation Chikuni.

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