Frans van der Lugt

Jahresgedenken an einen Mann des Friedens

Jesuit, Psychotherapeut, Brückenbauer, geboren am 10. April 1938
Ermordet in der belagerten Altstadt von Homs/Syrien am 7. April 2014

Die Nachricht von der Ermordung des 75-jährigen Jesuiten Frans van der Lugt ging vor einem Jahr um die Welt. Als „Jesus von Homs“ wurde er in der Wochenzeitung DIE ZEIT gewürdigt. Der gebürtige Niederländer, der seit 1966 in Syrien lebte, war bei den Eingekesselten in der belagerten Altstadt von Homs geblieben, um mit ihnen Angst, Hunger, Verzweiflung und Tod zu teilen. Noch im Januar 2014 hatte er in einer verwackelten Videobotschaft internationale Aufmerksamkeit und Hilfe gefordert – denn in Homs verhungerten und erfroren Menschen. Mit seinem heiligen Zorn hatte Pater Frans sich bei keiner der Konfliktparteien beliebt gemacht. Am 7. April 2014 wurde er gezielt erschossen.

Er hatte zu viel gesehen

„Beide Seiten – sowohl die Rebellen als auch die Regierungstruppen – waren sich einig, dass Frans nicht am Leben bleiben darf. Er hatte zu viel gesehen. Er kannte die Verbrechen und Grausamkeiten auf beiden Seiten.“ Mourad Abou Seif leitet im syrischen Aleppo die Flüchtlingshilfe der Jesuiten. Eindrücklich berichtet er beim Jahres­gedenken in Nürnberg von seinem Mitbruder Frans. „Die Altstadt von Homs stand unter ständigem Beschuss. Alle hatten Todes­angst. Aber Frans hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Er ist auf seinem Fahrrad trotz Raketenangriffen zu den Familien gefah­ren, denen es am schlechtesten ging. Er kannte alle Ecken und Leute in Homs und hat alles gesehen, was passiert ist. Kurz vor seiner Ermordung hatten wir noch mit ihm telefoniert und ihn be­drängt, seiner eigenen Sicherheit wegen Homs zu verlassen. Er aber sagte nur: Ich werde erst gehen, wenn auch der letzte Zivilist gehen darf. Vorher nicht.“ Unglaublich stur und gleichzeitig beeindruckend konnte Frans van der Lugt sein, erzählt Pater Mourad mit einem wehmütigen Lächeln. Der 46-jährige Jesuit ist selbst sehr von Pater Frans geprägt worden.

Ein Mann mit Charisma

Frans van der Lugt, ausgebildeter Psychotherapeut und Gründer verschiedener Projekte für die Integration von Menschen mit Behinderungen, für Versöhnung, Frieden und ein Miteinander der Religionen, hatte eine unglaubliche Ausstrahlungskraft auf die Jugend in Syrien. Egal ob Wanderungen, Exerzitien, Pilgerexperimente, Glaubenskurse – Pater Frans brachte Hunderte junger Leute verschiedener religiöser und kultureller Herkunft zusammen und gab ihnen den Mut, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Neben Pater Mourad gehört auch Majd Chahoud zu denen, für die Pater Frans Beispiel und Vorbild wurde. „Ich habe Pater Franz als Jugendlicher kennengelernt und war fasziniert von ihm. Ich habe ihn geliebt und wollte so sein wie er“, erzählt Majd Chahoud. Inspiriert von Pater Frans, ist Majd Chahoud ebenfalls Psychotherapeut geworden. Seine Ausbildung hat er in Deutschland absolviert, er ist Mitglied des C.G. Jung-Instituts in München und praktiziert in Bayern als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Jedes Mal, wenn ich in Syrien war, habe ich nicht nur meine Eltern, sondern auch Frans besucht. Er war ein sehr wichtiger Begleiter auf meinem Weg.“

Gedenkfeier in Nürnberg

In den Erinnerungen von Majd Chahoud und Mourad Abou Seif wird Pater Frans für alle der rund 80 Zuhörer zum Leben erweckt, die zum Jahresgedenken gekommen sind. Neben syrischen Familien und Mitgliedern des C.G. Jung-Instituts sind es Freunde und Spen­der der Jesuitenmission, die seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien die lokalen Hilfsnetz­werke der Jesuiten unterstützen. Pater Mourad gibt mit einigen Fotos einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation: Mehr als sechs Millionen Syrer sind Flüchtlinge im eigenen Land, mehr als drei Millionen haben Zuflucht in den Nachbarländern gefunden. Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) hilft in Damaskus, Homs und Aleppo mit der Verteilung von Nahrungs­mitteln und anderen Hilfsgütern. In Aleppo und Homs gibt es eine Feldküche, in der täglich mehr als 13.000 Flüchtlinge eine warme Mahlzeit erhalten. Eine kleine Klinik mit angeschlossener Apotheke in Aleppo hilft bei der medizinischen Basisversorgung. Bildungsprogramme und psychosoziale Begleitung für Kinder und Erwachsene versuchen, auch im vierten Jahr des Bürgerkrieges den Menschen so etwas wie Stabilität und Perspektiven im Alltag zu geben.

Christen und Muslime

Zwei Projekte stellt Pater Mourad etwas ausführlicher vor, weil er sie auch in der Tradition von Pater Frans sieht: „Eine islamische Hilfsorganisation für behinderte Kinder wurde in Aleppo ausgebombt. Als wir davon hörten, haben wir ihnen Räume in unserem Jesuitenzentrum angeboten. Sie sind mit den Kindern und Jugendlichen bei uns eingezogen und es ist ein sehr schönes Miteinander.“ Beim zweiten Projekt handelt es sich um interaktives Theater: „Wir haben einen jungen Künstler, der den Jugendlichen hilft, ihr eigenes Theaterstück zu entwickeln, bei dem es um ihre Sorgen, Gefühle, Fragen und Probleme geht. Neben den Kriegserlebnissen sind das vor allem Themen wie arrangierte Verheiratung, Verschleierung oder der Wunsch, nicht zu Hause zu bleiben, sondern weiter in die Schule zu gehen und zu studieren. Bei der Aufführung werden die Eltern dann spontan einbezogen in das Stück und ganz oft ist es das erste Mal auf der Bühne in den verschiedenen Rollen, dass Eltern und Kinder über solche Themen miteinander sprechen. Das zu erleben, ist sehr bewegend und hat für viele etwas Befreiendes.“

Sein Zeugnis gibt Kraft

Die Jesuiten in Aleppo, Homs und Damaskus versuchen mit ihren Freiwilligen-Teams, trotz der erbitterten Kämpfe zwischen Regierungstruppen, verschiedener Oppositions- und Rebellengruppen sowie der Terrormiliz „Islamischer Staat“ für die Menschen da zu sein. Für die mehr als 600 christlichen und muslimischen Helferinnen und Helfer beim JRS ist es oft ein täglicher Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit. „Es ist nicht leicht“, sagt Pater Mourad. „Jeder von uns hat in der Familie oder im Freundeskreis Tote zu beklagen. So viele Familien sind auseinandergerissen und leben als Flüchtlinge in verschiedenen Ländern. Aber wir tun unser Bestes.“ Die Botschaft und das Zeugnis von Frans van der Lugt gebe vielen Kraft: „Früher gab es einen Pater Frans. Jetzt sind wir alle Pater Frans.“ 

Zurück zur Startseite

Weitere Infos

Ihre Spende hilft!

Jesuitenmission
Konto 5 115 582
Liga Bank, BLZ 750 903 00
Verwendungszweck:
X31122 Syrien

Online-Spende

IBAN:
DE61750903000005115582 
SWIFT-BIC:
GENODEF1M05

Ihre Spende hilft

Jetzt online spenden

Jesuitenmission
Verwendungszweck:
X20010 freie Spende

Bank: Liga Bank
IBAN:DE61 7509 0300 0005 1155 82
BIC:GENO DEF1 M05