Loyola Zentren Kuba: Alle sind willkommen!

Wirtschaftskrise, Währungsreform, Corona: Kuba steckt in der Krise. Die Loyola Zentren der Jesuiten bieten eine Alternative zum sturen „Weiter so“ des Regimes und den gewaltsamen Gegenprotesten: inklusiv, unideologisch und pragmatisch. Gerade während der Pandemie wird der große Stellenwert ihrer Arbeit deutlich

Tradition und Neustart

Erst seit 1992 ist die Religionsfreiheit in der kubanischen Verfassung verankert und bis heute findet religiöses Leben auf Kuba weithin am Rande statt. Die Tradition der Jesuiten auf der Insel hingegen reicht zurück bis ins Jahr 1566. Gegenwärtig leben 21 Jesuiten in La Habana, Cienfuegos, Camaguey und Santiago de Cuba. Nachdem sich in diesem Jahrtausend die Beziehung zwischen Staat und Kirche deutlich entspannt hat, konnten die kubanischen Jesuiten ihr Arbeitsfeld erweitern.

10 Dollar zum Leben

Die Währungsreform, ein Mittel, um Kubas Wirtschaft – nicht zuletzt durch 60 Jahre Embargo schwer beschädigt – zu retten, hat sich seit Anfang 2021 die Lage vieler Kubaner:innen drastisch verschärft. Die Abschaffung des an den Dollar gekoppelten „Peso CUC“ hat zu massiven Preiserhöhungen geführt, zu mehr Arbeitslosigkeit und steigender Inflation. Die meisten alten Menschen müssen mit der staatlichen Monatsrente auskommen, die zwischen 10 und 20 US-Dollar liegt. Und auch mit der Libreta, einer Karte für den Erwerb verbilligter Grundnahrungsmittel, kann man nicht mehr so viel wie früher bekommen.

Ein breites Bildungsangebot für alle

An sechs Standorten dienen die Loyola Zentren mit einem weitgespannten Bildungsangebot und mehreren hundert Mitarbeiter:innen mehreren tausend Kubaner:innen aller Altersstufen. Es umfasst Hausaufgabenhilfe, berufsbildende Kurse, Musikunterricht, Tanzkurse, Erwachsenenbildung, Vorträge, Filmforen, Frauenarbeit, Seniorenbetreuung und vieles andere mehr.

Know How für Kleinunternehmer:innen

Die vielleicht wichtigsten Kurse vermitteln der wachsenden Zahl der „Cuentapropistas“ Grundlagen in Buchhaltung, Kostenrechnung und Personalführung. Cuentapropistas sind private Klein- und Kleinstunternehmen, die seit einigen Jahren im sozialistischen Kuba erlaubt sind für Angehörige von insgesamt 178 Berufsgruppen, darunter Restaurantbetreiberinnen, Kleinbauern, Gästehaus-Vermieterinnen, Taxifahrer und Besitzer von Reparaturwerkstätten. Vielen von ihnen fehlt das Wissen, ein Geschäft zu führen, gerade angesichts einer komplizierten Lizenz-Vergabe, strenger staatlicher Kontrollen und hoher Steuersätze.

Für Frauen, Kindern, Einsame in der Pandemie

Frauen finden zueinander einen im Projekt „Escucha – Zuhören“ im Loyola Zentrum in der Mitte von Havanna, Pscholog:innen und Sozialarbeiter:innen stehen ihnen zur Seite. Das Programm „Otoño – Herbst“ wendet sich an alte Menschen, die oft unter Hunger und Einsamkeit leiden. La „Casa de Valeria – Das Haus von Valeria“ ist ein originelles Projekt für Kinder während der Pandemie.  Da aufgrund von Corona über Monate keinen Gruppen zusammenkommen konnten, setzten die Loyola Zentren ihre Arbeit virtuell fort, so gut es die schlechte Internet-Versorgung auf der Insel zulässt: „Wir weichen wir auf digitale Plattformen aus, um mehr Menschen zu erreichen und ihnen neue Horizonte aufzuzeigen“, sagt Maite Pérez Millet, Leiterin des Loyola Zentrum Havanna.

„Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen erfahren, dass sie wichtig sind, dass ihr Leben einen Sinn hat, dass sie angenommen sind. Wer im Loyola Zentrum mitmacht, muss nicht getauft sein, braucht kein Christ zu sein, aber die frohe Botschaft von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt, kommt auf einem indirekten Weg zu ihm.“
(Martin Lenk SJ, Jesuiten-Provinzial der Antillen)

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