Hilfe für syrische Flüchtlinge

Die Gewalt in Syrien eskaliert und der Konflikt hat längst dramatische Aus­wirkungen auf die ganze Region. Neun Millionen Syrer sind auf Hilfe angewiesen, zwei Drittel von ihnen sind Flüchtlinge im eigenen Land. Der Flüchtlings­dienst der Jesuiten hilft Familien in Syrien, Libanon, Jordanien und der Türkei.

Hoffnung für Syrien

Syrien, ein Trümmerfeld. Fast 12 Millionen Menschen mussten seit Beginn des Krieges 2011 das Land verlassen oder in andere Landesteile umsiedeln. Betroffen ist vor allem die christliche Minderheit. Von ehemals fast zwei Millionen leben nur noch 700.000 im Land. Viele Menschen kehren jetzt zurück. Sie wollen ihr Land wiederaufbauen. Dabei hilft ihnen – ob Christen oder Angehörigen einer anderen Religion – der Jesuiten- Flüchtlingsdienst (JRS). An den Standorten Jaramana, Al-Kafroun und Al-Sakhour errichtet der JRS derzeit drei Nachbarschaftszentren (Community Centres), um insgesamt 1.590 Kindern Perspektiven zu geben – durch eine Mahlzeit, Kleidung für den kommenden Winter und vor allem Unterricht.

Nachbarschaftszentren für Frieden und Versöhnung: Helfen Sie mit!

Drei Nachbarschaftszentren in Jaramana, Al-Sakhour und Al-Kafroun setzen ein Zeichen in einem Land, dessen Infrastruktur in weiten Teilen zerstört ist. Wenn die Waffen schweigen, kommen die Menschen zurück.

Jaramana: Unterstützung für 550 Kinder

Jaramana ist ein ländlicher Ort östlich der syrischen Hauptstadt Damaskus, der in den letzten Jahren viele Binnenflüchtlinge aufgenommen hat. Jaramana ist ein dicht besiedeltes Gebiet, in dem Menschen mit verschiedenen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen zusammenwohnen. Mit dem neuen Community Centre will der JRS eine Botschaft des Friedens und der Versöhnung in diese Gemeinschaft tragen.

Al-Kafroun: Unterstützung für 800 Kinder

Das Dorf Al-Kafroun befindet sich etwa 50 Kilometer entfernt von der Stadt Homs. Seit Beginn des Konflikts strandeten hier viele vertriebene Familien aus allen Landesteilen. Die meisten Flüchtlingskinder in Al-Kafroun leiden unter schweren psychischen Problemen und kommen aus zerrissenen Familien; für sie gibt es keinen Platz in den öffentlichen Schulen.

Al-Sakhour: Unterstützung für 240 Kinder

Al-Sakhour liegt im Osten Aleppos und ist seit vier Jahren Schauplatz schwerer bewaffneter Zusammenstöße. Die beispiellose Zerstörung hat nichts und niemanden verschont. Viele Flüchtlinge, die heute in Al-Sakhour leben, sind Witwen, Waisen, versehrte und traumatisierte Menschen.

Trauriger Alltag – hoffnungsvolle Ahnung (Februar 2018)

Auch im Jahr sieben des Bürgerkriegs ist kein Ende in Sicht.
Im Dienst der Flüchtlinge: Pater Nawras Sammour vom JRS.

Die Lage in den kurdischen Gebieten im Nordwesten Syriens eskaliert nach dem Einmarsch türkischer Truppen weiter. Doch auch andere Regionen des seit nunmehr sieben Jahren bürgerkriegsgeplagten Landes kommen nicht zur Ruhe. Pater Nawras Sammour ist Regionaldirektor des Jesuiten-Flüchtlingsdienst im Nahen Osten mit Sitz in Damaskus und berichtet von permanenter Unsicherheit, Gewalt und Vertreibung. Ein deutscher Pfarrer, der Augsburger Ulrich Lindl, hat sich ein Bild von der Situation in Damaskus und im libanesischen Baalbek gemacht, wo viele syrische Flüchtlinge gestrandet sind. Pfarrer Lindl leitet die weltkirchliche Arbeit im Bistum, das die Bildungsarbeit des JRS im Libanon unterstützt.

Die Situation bleibt ernst

„Am 19. Januar haben uns tragische Nachrichten erreicht: 12 syrische Flüchtlinge sind auf der Flucht ins Nachbarland Libanon im Gebirge erfroren. Wir waren entsetzt, aber leider ist das in unserem Teil der Welt trauriger Alltag geworden. Vor ein paar Tagen habe ich sieben junge Männer getroffen, die es in die libanesische Hauptstadt Beirut geschafft haben und sich so dem Militärdienst in Syrien entziehen konnten. Alle von ihnen sind gut ausgebildet. In Syrien waren sie in unseren Pfarreien aktiv und bei den Pfadfindern. Es ist nicht leicht zu ertragen, unter welchen Umständen sie jetzt leben müssen: Kaum Wohnraum, dennoch hohe Mieten und keine Aussichten auf Arbeit. Wir Jesuiten können sie hier und da etwas unterstützen, aber haben auch unsere Grenzen.

Neue Fluchtwelle nach Aleppo

Für all jene, die in Syrien ausharren, ist das Leben sehr unsicher und riskant. Damaskus und andere Gebiete werden in schrecklicher Regelmäßigkeit durch Bombenanschläge erschüttert. Die Angriffe der Türkei auf Afrin betreffen Tausende; viele sind nach Aleppo geflohen. Trotz der vielen Herausforderungen und Rückschläge erreichen wir als JRS die Flüchtlinge und Vertriebenen in Syrien, im Irak, im Libanon, in Jordanien mit Angeboten im Bildungsbereich, gesundheitlicher und psychosozialer Betreuung und Lebensmittelpaketen. Vor allem tun wir unser Bestes, um inmitten der Flüchtlinge, Vertriebenen und Ausgeschlossenen zu sein – ihnen zu dienen, sie zu begleiten und ihnen eine Stimme zu geben.“

Fr. Nawras Sammour SJ
Regionaldirektor Jesuiten-Flüchtlingsdienst (MENA Region)

Der IS ist vertrieben – der Terror nicht

Pfarrer Ulrich Lindl aus Augsburg besuchte Schulen des JRS in Flüchtlingslagern im Baalbek / Libanon.

„Es ist kaum fassbar, wie gelassen und freundlich einem die Menschen auf den Straßen von Damaskus begegnen. Offenbar haben sie gelernt, mit dem Krieg umzugehen. Anders kann man wohl kaum so lange im Ausnahmezustand leben. Das Land atmet auf, nachdem die Terrormiliz IS vertrieben wurde, andere islamistische Terrorgruppen aber sind noch immer da sind. Die Al-Nusra-Front hat ihre Stellung nur wenige Kilometer von der Pfarrei St. Kyrillos aufgebaut, wo ich in Damaskus zu Gast war. Immer wieder hört man Detonationen und Granateneinschläge. Und doch wirken die Menschen ruhig. Es liegt eine hoffnungsvolle Ahnung in der Luft, das Schlimmste vielleicht überstanden zu haben.

Sieben Schulen für Flüchtlingskinder im Libanon

Der JRS hilft unermüdlich und setzt neben der Grundversorgung mit Lebensmitteln vor allem auf Bildung. An den sieben Schulen des JRS im Libanon werden zurzeit etwa 2.700 Flüchtlingskinder unterrichtet. Von der Vorschule bis zur achten Klasse. Eine staatliche Förderung gibt es nicht. In öffentlichen Schulen werden nur etwa 40 Prozent der Flüchtlingskinder aufgenommen. Doch die Schulleiter schätzen die Vorbereitung in den JRS-Schulen. Die Kinder sind hoch motiviert und lassen sich in den libanesischen Klassen gut integrieren.

Die Mehrheit der Katholiken bleibt

Da die Lage in Syrien in manchen Regionen mittlerweile als sicher gilt, machen sich die ersten Flüchtlinge wieder auf den Weg nach Hause. Allein im ersten Halbjahr 2017 sind laut UN-Flüchtlingswerk mehr als 440.000 Syrer, die im eigenen Land auf der Flucht waren, in ihre Heimatorte zurückgegangen. Rund sechs Prozent Christen leben noch im Land. Ein Drittel hat Syrien verlassen. Auch einige aus der Pfarrei St. Kyrillos mit ihren ehemals 15.000 Katholiken. Die Mehrheit aber ist geblieben.

Pfarrer Dr. Ulrich Lindl,
Leiter der Hauptabteilung „Kirchliches Leben“ im Bistum Augsburg
(aufgezeichnet von Romana Kröling)

Trotz Hitze und neuer Gewalt: Die Arbeit geht weiter (Juli 2017)

Nachmittagsangebot für Kinder und Eltern in einem der JRS-Zentren in Homs.

Syrien heizt sich auf: buchstäblich und im übertragenen Sinne. Seit Juli bewegt sich in den meisten Landesteilen das Thermometer im Bereich zwischen 40 und 45 Grad Celsius. Trotz vieler Anstrengungen, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten, verschlimmern Strom-Blackouts und Wasserknappheit die Lage enorm.

Derweil nimmt die Gewalt kein Ende: Aus verschiedenen Landesteilen werden Gefechte gemeldet. Im Juli wurde Damaskus von einigen Explosionen erschüttert – die heftigste am Tahir-Platz forderte 19 Todesopfer, viele Verletzte und große Zerstörung. Dieser Tag, der 2. Juli, war der erste Arbeitstag nach dem Fest des Fastenbrechens; trotz der Bomben und der nachfolgenden Straßensperren herrschte in vielen Stadtteilen eine gelassene Stimmung. Die Geduld und Leidensfähigkeit der Menschen sind bemerkenswert, trotz permanenter Lebensgefahr. Aus Sicherheitsgründen hat der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) einige geplante Maßnahmen im Großraum Damaskus an diesem Tag ausgesetzt, aber am Folgetag die Arbeit wieder aufgenommen.

Trügerische Ruhe in Aleppo

Etwa 90 Kinder werden in jedem der beiden JRS-Stützpunkte täglich mit Schulunterricht, Singen, Musik, Theater, Spielen und Handarbeit beschäftigt. Frauen nehmen an den Alphabetisierungskursen teil. In Homs brummen alle drei JRS-Zentren für Kinder; letzte Woche fanden dort gemeinsame Nachmittage für Kinder und Eltern statt. Außerdem konnten die Eltern dort in einem Evaluierungsprogramm berichten, wie sich das Verhalten ihrer Kinder durch den Besuch der JRS-Zentren verändert hat.

Aleppo herrscht das Gefühl einer Ruhe vor dem Sturm, ein Gefühl der Unsicherheit. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Leute nur begrenzen Zugang zu Strom und Wasser haben. Das JRS-Team unterstützt dort verstärkt die Bewohner der am schlimmsten betroffenen Bezirke im Osten der Stadt, vor allem in Jabal Badro, Al Sakhour und Deir Wartan. Eine Volksküche versorgt weiterhin die Bedürftigen im Westen der Stadt, in den östlichen Gebieten werden Lebensmittelpakete verteilt.

P. Cedric Prakash SJ (MENA) und Nihal Myassar (JRS Syria)

Die Menschen leiden

Der 15. März 2016 markiert den traurigen fünften Jahrestag der Krise in Syrien. Was 2011 mit Demonstrationen junger Studen­ten für Demo­kratie und friedlichen Protesten gegen das Regime von Baschar al-Assad begann, hat sich zur größten humanitären Not­lage unserer Gegen­wart ausgeweitet. Mehr als zehn Millionen Syrer sind auf Hilfe angewiesen, zwei Drittel von ihnen sind Flücht­­linge im eigenen Land. Krieg und Gewalt haben sie aus ihren Häusern ver­trieben, ganze Viertel wurden zerstört, Schulen mussten schließen, Arbeits­plätze gingen verloren, Preise explodierten. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ führt in Teilen Syriens zusätzlich zu Angst und Schrecken. Mehr als 270.000 Todesopfer hat der Konflikt bisher gefordert und durch die zusammen­gebrochene Gesundheits­versorgung sind in einigen Regionen Syriens wieder Krankheiten wie Polio, Tuberkulose und Typhus aus­gebrochen. Die Menschen leiden. Und viele Nachbarländer sind durch die hohen Flüchtlings­zahlen längst am Rande ihrer Kapazitäten angelangt: Allein im kleinen Libanon sind 1,8 Millionen Flüchtlinge aus Syrien untergekommen. Jordanien, Türkei, Irak und Ägypten sind weitere Aufnahmeländer der rund vier Millionen syrischen Flüchtlinge in der Region.

Netzwerke der Hilfe

Über syrische Jesuiten, die mit lokalen Freiwilligen in Damaskus, Homs und Aleppo gut funktionierende Netzwerke der Hilfe aufgebaut haben, ist der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) eine der wenigen Organisationen, die nach wie vor die Notleidenden im Land selbst erreichen. Junge Christen und Muslime besuchen gemeinsam die Flüchtlingsfamilien, verteilen Decken, Matratzen, Kochgeschirr, Lebensmittel, helfen bei der Wohnungssuche, organisieren Betreu­ung, Unterricht, Spiele und Sport für die Kinder, um ihrem Alltag zumindest den Anschein verlässlicher Normalität zu geben.

„Eine Mörsergranate kann überall landen“

„Eigentlich gibt es keine wirklich sicheren Gegenden mehr in Syrien. Eine Mörsergrante kann überall und zu jeder Zeit landen“, erklärt Nader, der in Damaskus für den JRS arbeitet. „Am meisten macht mir zu schaffen, dass du nicht weißt, ob du die anderen jemals wiedersehen wirst, wenn du morgens aus dem Haus gehst“, sagt ein anderer Freiwilliger. Pater Nawras Sammour betont vor allem das Gefühl der Verlassenheit: „Nach so viel andauernder Gewalt sind die meisten in Syrien wirklich müde – müde und frustriert. Wir fühlen uns alleingelassen. Wir brauchen in Syrien mehr internationale Präsenz.“

Begleitung und Bildung

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten hilft über die verschiedenen Programme mehr als 300.000 Menschen in Syrien und den Nachbarländern Libanon, Jordanien und der Türkei. Die Begleitung über Hausbesuche ist eine zentrale Säule der Arbeit. Denn das schafft Nähe und Vertrauen. Weitere Schwerpunkte sind psychosoziale Unterstützung und Bildungsprojekte für Kinder und Erwachsene. Die Jesuitenmission konnte die Nothilfe für syrische Flüchtlinge dank Ihrer Hilfe bisher mit 1,7 Millionen Euro unterstützen. Für jede Spende, jedes Gebet und Zeichen der Solidarität danken wir Ihnen herzlich!

Weitere Informationen:

Danke für Ihre Hilfe!

Seit 2008 arbeitet der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) in Syrien und Jordanien. Damals ging es vor allem um die Begleitung irakischer Flüchtlinge. Heute ist der JRS eine der wenigen Organisationen, die nicht nur in den Nachbarländern, sondern auch noch in Syrien selbst den Flüchtlingsfamilien helfen können. Danke für Ihre Spende!

Projekt X31122 Syrien

Länder:
Syrien, Libanon, Jordanien, Türkei

Partner:
Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS)

Zielgruppe:
Zehn Millionen Syrer sind auf Hilfe angewiesen – im eigenen Land und als Flüchtlinge in Nachbarländern.

So können Sie helfen:

  • 50 Euro pro Monat kostet der Basiskorb mit Grundnahrungsmitteln für eine fünfköpfige Familie
  • 160 Euro reichen für die Monatsmiete einer Familie
  • 1.000 Euro kostet es, eine warme Mahlzeit für 2.500 Flüchtlinge pro Tag zu kochen

Online-Spende

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  • Jesuitenmission
  • Verwendungszweck:
  • X31122 Syrien
  • Bank: Liga Bank
  • IBAN: DE61 7509 0300 0005 1155 82
  • BIC: GENO DEF1 M05

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