Einsatz in Kakuma

Der Schweizer Scholastiker Pascal Meyer SJ ist als internationaler Hochschulseelsorger für das Programm Jesuit Worldwide Learning (JWL) unterwegs: weniger als Manager denn als „Anwalt der Studierenden“ in Flüchtlingslagern weltweit. Hier schildert er seine Eindrücke aus dem kenianischen Kakuma.

Vor sechs Jahren, als ich noch Kandidat für den Jesuitenorden war, hörte ich das Wort Magisterium zum ersten Mal. Ich hatte keine Ahnung, was gemeint war – klang irgendwie nach Magie und Ministerium. Die
Realität hat damit nichts zu tun. Magisterium ist das Praktikum der Jesuitenausbildung: Man arbeitet zwei bis drei Jahre in einem Werk der Jesuiten mit, lernt es von innen kennen und eignet sich neue, praktische
Fähigkeiten an. Seit Herbst 2018 bin ich im Magisterium bei Jesuit Worldwide Learning (JWL) in Genf als „Global Student Services & Alumni Manager“.

Bereichernde Kontakte

Was komplex klingt, ist einfach erklärt: Ich bin Bindeglied zwischen Studierenden, lokalen Koordinatoren und dem JWL-Hauptsitz in Genf. Ich vermittle bei zwischenmenschlichen Problemen, für die es vor Ort keine Lösung zu geben scheint. Und walte als „Anwalt“ der Studierenden, um besondere Wünsche, Herausforderungen und Anregungen bei der Führung einzubringen. Ich verstehe mich also nicht als Manager, vielmehr als internationaler Hochschulseelsorger. Das erfordert einen steten Austausch mit dem Team in Genf und den Verantwortlichen und Studierenden vor Ort. Bereichernd dabei ist der persönliche Kontakt mit Frauen und Männern aus unterschiedlichsten Kulturen, Traditionen und Religionen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Magisteriums sind denn auch die Besuche in den Lernzentren von Jesuit Worldwide Learning – eine Online-Universität mit weltweiten Kursen für Benachteiligte und Flüchtlinge in Krisenregionen. Dabei entstehen unvergessliche Begegnungen, die mich am Leben der jungen Menschen teilhaben lassen. In den letzten Monaten konnte ich nach Amman, Kurdistan, Malawi und nach Kenia ins Flüchtlingscamp Kakuma reisen, das mit rund 300 000 Menschen zu den größten Flüchtlingslagern der Welt zählt.

Männersache Sport?

In Kakuma lernte ich Keth kennen. Die junge Südsudanesin wurde im Camp geboren und kennt nichts anderes als den Lageralltag: Lärm, Staub, Hitze, Wasserknappheit, Hunger, Frauenfeindlichkeit. Letzteres zeigt sich insbesondere in der Ausgrenzung von Frauen aus ganzen Gesellschaftsbereichen. So ist es Frauen ihrer Herkunft verboten, Sport zu treiben. In vielen Stämmen herrscht die Vorstellung, dass Sport Männersache ist, dass Frauen dazu biologisch gar nicht in der Lage sind. Keth jedoch ist sportbegeistert und liebt Volleyball. Das digitale JWL-Universitätsprogramm hat mit dem neuen Kurs für Sportlehrende ein Angebot geschaffen, das Frauen wie Keth den Weg zu sportlicher Betätigung öffnet – und zu vielem mehr.

Die junge Flüchtlingsfrau hat Schritt für Schritt an Selbstbewusstsein gewonnen und beginnt, sich zu emanzipieren: Sie erlangte weitere praktisch anwendbare Fähigkeiten in Teambildung und Konfliktbewältigung
und gründete mehrere Volleyball-Frauenteams. Das Magisterium lebt von solchen Begegnungen. Sie lassen mich meinen Glauben neu erleben. Die Bibelworte (Mt 25,35) „Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben“ fühlen sich anders an, wenn man auf Menschen trifft, die dürsten: nach Wasser, nach Gerechtigkeit, Frieden, Bildung und Anerkennung.

Pascal Meyer SJ

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