Archiv für die Kategorie ‘Uganda’

Aus dem tropischen Äquatorial-Afrika

Mittwoch, 02. November 2011

Nur dreieinhalb Wochen sind seit meiner Ankunft in Uganda vergangen und trotzdem kommt es mir vor, als wenn sämtliche Erinnerungen an Deutschland durch die Vielzahl von neuen Eindrücken, Begegnungen und Emotionen sehr stark ins Unterbewusstsein gedrückt wurden. Doch immer wieder gibt es mal kurze Ruhepausen, in denen ich innerlich nach Deutschland zurückkehre und mich an die letzenturbulenten Tage und an euch alle erinnere. Dann spüre ich diese kleine, lodernde Flamme, die ein großes Mitteilungsbedürfnis in mir entfach. 1. Rundbrief Uganda

Neuigkeiten aus Uganda!

Mittwoch, 11. Mai 2011

Frohe Ostern aus Uganda,

wie das in Afrika so ist etwas zu spät, wahrscheinlich habe ich mich an das ugandische Zeitgefühl mittlerweile sehr gut angepasst. Nicht desto trotz möchte ich ganz herzliche Ostergrüße nach Deutschland senden und ein wenig erzählen was ich in den letzten Monaten so gemacht habe. Gerade haben wir Schulferien, noch bis zum 21. Mai. In Uganda haben die Schüler im Mai einen Monat, ebenso im August und von Dezember bis Februar fast 3 Monate Schulferien. Das liegt daran, dass fast alle Schulen Boarding Schools sind, in den Ferien fahren die Schüler dann nach Hause, helfen ihren Eltern und arbeiten nicht selten für das Schulgeld für das nächste Trimester. Manche Jugendlichen haben jedoch keinen Ort wo sie die Ferien verbringen können und bleiben in der Schule. Sie haben entweder keine Eltern oder Verwandten oder sind während den Ferien Vernachlässigung und Misshandlung ausgesetzt. Ein Mädchen hat sich geweigert nach Hause zu gehen, sie war ernsthaft besorgt nach den Ferien ungewollt schwanger nach Ocer zurückzukehren und sich damit ihre Möglichkeit auf einen Schulabschluss zu verbauen.

Ihre Onkel und Cousins nehmen keinerlei Rücksicht darauf, was ein Mädchen will oder nicht. Keine Seltenheit in Norduganda, wo man auf der Straße fast keine junge Frau trifft, die kein Baby auf den Rücken gebunden hat. Das besagte Mädchen durfte mit ein paar Mitschülern über die Ferien in unserer Secondary School „Ocer Campion Jesuit College“ bleiben und sich nebenher in unserer Farm etwas Taschengeld verdienen.

Die anderen Mädchen erwartet bei ihrer Rückkehr im Mai ein kollektiver Schwangerschaftstest, in Secondary Schools in Uganda durchaus üblich.

Auf meinen Einwand, ob dieser denn ohne Einverständniserklärung der Eltern durchgeführt werden dürfe, wurde ich von meinen ugandischen Kollegen ausgelacht, „Im Gegenteil, die Eltern machen dir die Hölle heiß, wenn du als Schule die Mädchen nicht testest“.

Ja, in 2 Wochen geht also die Schule wieder los, mit 130 Schülern die im Februar mit P7 oder S1 begonnen haben. Ich habe letztes Schuljahr Kunst und Religion unterrichtet, Religion in andauernder Diskussion mit der Ordensschwester, die auch Religion unterrichtet und davon andere Vorstellungen hat als ich… Das Schuljahr war chaotisch. Kann man ein Schuljahr mit über 100 neuen Schülern beginnen, wenn die Unterkünfte noch keine Türen haben und nicht gestrichen sind, die Toiletten für die Jungens nicht fertig gestellt sind, es keine Hausmutter gibt die bei den Schülern schläft, ein paar von den neuen Lehrern erst einen Tag auftauchen bevor die Schüler erwartet werden, die Schneiderin die Schuluniformen noch nicht gebracht hat, die Köchin auf dem Feuer mit Töpfen kocht die Essen für nur 30 Schüler fassen können, …? Ja man kann, aber es hat mich fast wahnsinnig gemacht. Es geht, wenn die Schüler in den ersten zwei Wochen zweimal umziehen, man die 80 Schüler in S1 zunächst mal in einen Klassenraum zusammenquetscht und unterrichtet und man eine Sekretärin und eine deutsche Freiwillige hat, die abwechselnd in einer kleinen Kammer in der Schule wohnen und die Schüler beaufsichtigen. Den Job der Hausmutter habe ich neben dem Unterrichten und vielen anderen Pflichten nicht lange durchgehalten. Wer mich kennt, weiß dass ich auf Dauer nicht wirklich genießbar bin für andere, wenn ich jeden Morgen um 5.20 aufstehe, dann den Tag über arbeite und eigentlich nie wirklich frei habe. Mittlerweile haben wir eine Hausmutter und ich unterrichte, halte Katechesen, leite die Bibliothek, … auch genug Arbeit. Da ich keine Verständigungsprobleme mehr habe und den ugandischen Akzent im Englischen fast fließend beherrsche, macht der Unterricht mit den Schülern richtig Spaß. Besonders der Kunstunterricht, für den ich die meisten Materialien von Spendengeldern finanziert habe. An dieser Stelle herzlichen Dank für die finanzielle Unterstützung. Am Ende meines Aufenthaltes werden die verbleibenden Spendengelder in den Fond fließen, aus dem die Schule Jugendlichen ohne Eltern und jegliche Unterstützung den Schulbesuch finanziert, sowie zum Beispiel Krankenhausbesuche und Schuhe bezahlt.

Das Schuljahr war also sehr anstrengend, aber auch spannend und interessant. Was mir manchmal als viel zu chaotisch erscheint, ist hier in Uganda im Vergleich zu anderen Secondary Schools gehobener Standard. Und wirklich muss ich zugeben, dass es unseren Schülern wirklich besser geht als vielen ihrer Altersgenossen. Auch wenn es noch sehr viel zu tun gibt am Ocer Campion Jesuit College.

Wahrscheinlich unvermeidlich wenn man versucht eine Schule aus dem Boden, oder in Gulu eher aus dem Staub zu stampfen… Weil ich dann aber schon mal Ferien hatte, bin ich gleich mal ein bisschen von dem Staub geflüchtet, habe einige Tage in der Hauptstadt Kampala bei Freunden verbracht und bin dann in meinen Urlaub nach Ruanda aufgebrochen. Im April finden in Ruanda die Genozid-Gedenkwochen statt. Was angesichts der Tatsache, dass das ganze Land voll ist mit Genozid-Gedenkstätten aus dem Jahr 1994, häufig bei katholischen Kirchen und mit vielen ausgestellten Schädeln, doch ein wenig gruselig ist. Abgesehen davon ist das Land der 1000 Hügel wunderschön und auf jeden Fall eine Reise wert! Ich bin in einem der wenigen Seen in Ostafrika, wo es keine Krokodile gibt geschwommen und habe gelernt die Gesichter von Hutus und Tutsis zu unterscheiden.

Bei meiner Rückeinreise nach Uganda habe ich dann etwas geschwitzt, weil in Ruanda mein Visum abgelaufen war. Das Problem hatte ich auch nur, weil das Immigration Office in Kampala trotz diverser Gelder, die ich bezahlt und diverser Kontakte die mir vermittelt wurden, mein seit Oktober 2010 beantragtes Arbeitsvisum immer noch nicht ausgestellt hat. Mit jeder Menge dummen Geschwätz und 50 Dollar konnte ich mir dann jedoch schließlich an der Grenze zu Ruanda ein neues 3-Monatsvisum kaufen. Und dann geht es am 28. Juni ja schon wieder zurück nach Deutschland, auf das Refrendariat vorbereiten. Davor genieße ich noch mal meinen letzten Monat in Gulu mit meiner Kübel-Freiluft-Dusche und meinen Schülern, denen ich nun endlich mal ein bisschen Deutsch beibringen will.

In diesem Sinne ganz herzliche Grüße nach Deutschland!

Friederike Dillenseger

HERZLICHE GRÜßE AUS UGANDA!!!

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Heute ist ein besonderer Tag: Das erste Mal eine Dusche mit warmen, fließenden Wasser und der erste Filterkaffee     mit frischer, normaler “Milsch” seit 6 Wochen.

Aus dem nordugandischen Busch bin ich heute mit dem Bus in die Hauptstadt Kampala gereist. In Xavier House, der Jesuiten-Community in Kampala, darf ich nun für einige Tage diesen Luxus genießen. Dazu gehoert auch ein funktionierender Computer, durchgehend Strom und Internet. Vielen, vielen Dank für die lieben Grüße aus Deutschland, ich freue mich immer sehr von zu Hause zu hören oder zu lesen! Das Antworten ist leider etwas schwierig, seit ich Anfang September in Gulu angekommen bin wird in der Schule der Solarstrom und das Internet repariert, bisher ohne Erfolg. Das ist Afrika!

Deshalb ist mein kleiner Ausflug nach Kampala eine hervorragende Möglichkeit mich mal wieder zu melden: HERZLICHE GRÜßE AUS UGANDA!!!

Mittlerweile bin ich schon über 6 Wochen in Gulu, am OCER Campion Jesuit College geht Term 3 schon langsam zu Ende. Anfang November sind die Abschlussprüfungen, wer besteht darf nächstes Jahr mit der Secondary School beginnen. Aus diesem Grund sind unsere Schüler am büffeln, natürlich wollen alle mit der Secondary School starten. Ich war überrascht als ich erfahren habe, dass die Ältesten meiner Schüler bereits 20 sind! Das heißt nur 5 Jahre jünger als ich.

Während ihrer Kindheit war Krieg in Norduganda, sie konnten nicht zur Schule gehen. Nun beginnen sie mit der Secondary School in dem Alter in dem Andere an der Universität studieren oder heiraten. Umso mehr bewundere ich die Motivation meiner Schüler und Motivation ist dringend notwendig… Die englische Sprache ist für viele immer noch ein großes Problem, wie kann man in einer Prüfung die richtige Antwort geben, wenn man die Frage nicht richtig versteht?! Aber das Schulsystem in Uganda ist nun mal in Englisch und ich ernte immer erstaunte Blicke, wenn ich berichte, dass ich sogar in der Universität in Deutsch unterrichtet wurde.

Nach den Abschlussprüfungen im November ist dann ein wenig Entspannung angesagt, Schule mal anders. Statt jeden Tag Mathe und Grammatik steht dann für einen Monat viel Sport, Kunst, Lesen und Life Skills auf dem Stundenplan. Eben alles was Spaß macht. Ich freue mich sehr, dass ich bald neben Christian Religious Education auch Kunst unterrichten werde!

Über Weihnachten haben wir große Ferien, für mich eine Möglichkeit ein wenig rumzureisen und meinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Mein Mitbewohner und Kollege Johnmary hat bestimmt, dass ich mindestens einmal eigenhändig ein Huhn schlachten und zubereiten muss bevor ich nächsten Sommer wieder nach Hause fahre! Ich arbeite dran…

Erschreckt stelle ich manchmal fest, wie schnell man sich doch an eine völlig neue Umgebung anpasst und abstumpft. So beachte ich den verlausten und hungrigen Hund meiner Vermieter mittlerweile gar nicht mehr wenn er sich auf meine Küchenabfälle stürzt, die ich auf unsere kleine Müllkippe werfe. Und das als bekennende Hundefreundin…

Aber die neuen Eindrücke reißen einfach nicht ab,  es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Manchmal bin ich genervt, wir haben gerade Regenzeit und besonders dann funktioniert Vieles einfach nicht.

Manchmal bin ich überfordert, Einiges verstehe ich nicht und keiner versteht, dass du es nicht verstehst, weil zu Hause alles anders ist.

Und manchmal bin ich fasziniert, von den Menschen, dem Land, der Lebensweise, einfach allem. In diesem Momenten denke ich, dass Uganda jetzt einfach genau das Richtige für mich war, warum weiß ich auch nicht.

Liebe Grüße

Rieke

Als Jesuit Mission Volunteer an einer Schule mitten in Busch in Norduganda

Donnerstag, 23. September 2010

Das Diplom ist geschafft, mein Urlaub ist vorbei und schon bin ich in Uganda angekommen. Genauer gesagt in Gulu (Norduganda), wo ich das kommende Jahr als Jesuit Mission Volunteer an einer Schule mitten im Busch arbeiten werde.

Als Jesuit Mission Volunteer werde ich im nächsten Jahr freiwillig als Lehrer am Ocer Campion Jesuit College mitarbeiten. Die Schule hat am Montag (also direkt nach meiner Ankunft) gestartet und ich bin schon sehr gespannt auf dieses Schuljahr. Im Moment bin ich zuständig für das Fach religious education, wobei geplant ist, dass ich in naher Zukunft auch Mathematik unterrichten werde. Im Moment ist noch alles sehr neu, aber das ganze Team und die Schüler sind sehr motiviert Neues auf die Beine zu stellen. Geplant ist der Bau von Gebäuden, wo die Schüler unter der Woche wohnen können.

Teilweise müssen sie einen sehr weiten Schulweg in Kauf nehmen, um in die Schule zu gelangen. Ein paar Jungens wohnen bereits in der Nachbarschaft der Schule in sehr beengten und armen Verhältnissen. Sie haben zum Beispiel gar kein Licht, dass sie aber dringend bräuchten um sich auf den Unterricht am nächsten Tag vorzubereiten. In Uganda wird es um ca. 19.00 schlagartig dunkel, für mich ziemlich ungewohnt, weil die Straße überhaupt nicht beleuchtet sind. Das nennt sich dann African Night.

Genau wie das alltägliche Leben hier in Gulu ist auch Vieles in der Schule noch sehr ungewohnt für mich. Aber ich freue mich auf ein spannendes Jahr zusammen mit vielen lieben Menschen, die mich sehr herzlich Willkommen geheißen haben.

*Das Projekt: *

Das Ocer Campion Jesuit College liegt in Norduganda, District Gulu. Diese Region war lange Jahre der Schauplatz blutiger Rebellenkriege zwischen der Rebellengruppe LRA (Lord Resistance Army) und den ugandischen Regierungstruppen. Ein Krieg, der den größten Teil der Bevölkerung Nordugandas zu Flüchtlingen gemacht hat. Große Teile des Landes liegen noch heute brach und sind ohne Infrastruktur. Seit 2008 ist die Region friedlich und beginnt sich langsam vom Krieg zu erholen.

Kurz nach dem Ende des Krieges hat sich eine Familie an die dort ansässigen Jesuitenmissionare gewandt. Sie würden eine große Fläche ihres Landes zur Verfügung stellen, wenn die Missionare ihnen helfen dort eine Secondary School zu bauen. Die Missionare sagten Ja und so begann unter der Leitung von Fr. Tony Watch SJ im Februar 2010 der Unterricht am Ocer Campion Jesuit College. Die mittlerweile 32 Schülerinnen und Schüler sind gerade besonders fleißig am Lernen, weil sie im November das Qualifikations-Examen bestehen wollen, dass ihnen einen weiterführenden Schulabschluss ermöglicht.

Im Moment ist noch vieles improvisorisch, aber es wird weiter gebaut und sowohl die Schüler, als auch die einheimischen Arbeiter sehen das College als ein Hoffnungssymbol für die Zukunft.

Herzliche Gruesse aus Uganda

Friederike

7. JRS 2010

Donnerstag, 27. Mai 2010

zur Feier der Woche schicke ich euch eine Mail – wir sind nämlich seit Dienstag – nach etwas mehr als zwei Monaten -  wieder ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Aber zunächst ein paar Eindrücke von unserem ugandischen Familienausflug, dann unsere Pläne in JRS für 2010 und schließlich ein paar Anekdoten. Rundbrief 7 JRS 2010 (3)