Hola, buenas dias a todas y todos,
Zeit ist es mal wieder geworden ein wenig zu plaudern.
Von der Weihnachtsstimmung und dem Wintereinbruch aus Deutschland ist hier leider so gut wie gar nichts zu spüren. Ich schwitze bei nicht selten über 30°C dahin und kommen mit dem Trinken nicht mehr nach.
Zu erst war mal wieder eine Baustelle auf dem Programm. Die Regionalregierung hat beschlossen, eine neue Straße zu bauen. Leider direkt durch ein “Wohngebiet”. Eine Siedlung wenn man nicht das Wort “Slum” benutzen mag. Also da wo man unter Wellblech und Bambusstangen lebt und mit Feuer kocht. Quasi genau dort wo es den Regierenden ziemlich egal ist ob jemand sein Haus versetzten muss oder nicht. Die Aufgabe bestand nun darin ein altes aus Lehmziegel gemauertes Haus ab zu tragen, und an anderer Stelle wieder auf zu bauen. Mit Axt und Spaten wurden dann also Stein für Stein aus der Mauer gelöst und dann vom Putz befreit. Äußerst spaßig in der peruanischen Sonne, zu mal es mit der Sicherheit auch nicht so weit her war. Bin echt ganz froh nicht von der Mauer gefallen zu sein. Hatte ein bisschen was vom Ast absägen, auf dem man sitzt.
Der Lichtblick war dann die von den Franken eingeführte Vesperpause um 10. Ich hatte noch eine Dose Preßsack dabei und mit Weggla, Schinken und Bier konnte man sich echt heimisch fühlen.
Das nächste Highlight war ein Auftritt im Radio. Da unsere Organisation ein mal die Woche ein Radioprogramm unterhält, war es mal wieder an der Zeit ein paar Freiwillige ans Mikrofon zu zerren. Ein wenig wieder willig habe ich mich dann doch drauf ein gelassen und eine den sprachlichen Umständen entsprechende Figur ab gegeben. Viel interessanter als die Fragen wie wir uns denn alle so in Peru fühlen und was wir so machen waren die Anrufe von den Zuhörern. Da gab es zu einen ein Mädchen das schon mal vorsichtig vor gehört hat ob es denn nicht möglich sein eine Beziehung mit Freiwilligen an zu fangen. Und zum anderen hat meine peruanische Gastmutter ganz überraschend angerufen. Hat alle Freiwilligen gegrüßt die sie ja nun auch alle kannte und noch mal in aller Öffentlichkeit gefragt wie wir bzw. ich mich mit der peruanischen Gastfreundschaft fühle. Wenn das mal nicht direkt war. Hab mich auf jeden Fall sehr gefreut, dass meine Gastmutter so viel Interesse an dem ganzen Haufen verrückter Freiwilliger hat.
Letztes Wochenende waren wir dann mit der Jugendgruppe “PJ” unseres Programms zum arbeiten in einem ursprünglichen Altenheim, das jetzt als großer Hotelkomplex weiter genutzt wird. Dort wurden quasi die Anwärter die ein Jahr Vorbereitung über sich ergehen haben lassen in diese Gruppe aufgenommen. Das wurde dann fast Sekten ähnlich mit Kerzen in “PJ”-Form auf dem Boden und mit einem Band das die Gruppe symbolisch verbunden hat zelebriert. Jeder neu Aufgenommene wurde von der ganzen Gruppe gegrüßt und durfte sich hinter dem Band einreihen. Auf meinen etwas skeptischen Blick auf das Szenario hat meine Chefin geschmunzelt. Sie hat dann schon zu gegeben, dass das alles vielleicht ein bisschen überzogen gestaltet ist, jedoch stellt für viele dieser jungen Leute diese Gruppe das einzige ist was sie haben. Es wird als Ehre empfunden Mitglied zu sein und die Leute tauchen auch nach einem 10 Stunden Arbeitstag am Abend noch auf um ein Theaterstück ein zu studieren. Ein Mädchen hat wohl alleine mit ihrem Vater gelebt, diesen hat sie eines Tages erhängt in ihrer Hütte gefunden. Die Gruppe hat sie dann über diese schwere Zeit gerettet.
Überhaupt erfährt man erst so nach und nach die Geschichten der Kids. Alle sehen nämlich in Projekt nicht anders als Jugendliche aus Deutschland aus. Wenn man sie jedoch beobachtet, fällt auf das sie trotz ihrer ca. 20 Jahren viele recht kindlich verhalten. Das auch Frauen mit 30 noch Socken mit Blümchen und Kätzchen anziehen. Als wir es jedoch mal darüber mit einer Leiterin hatten, meinte sie nur: “Ihr habt schon recht. Diese Jugendlichen hier sind noch recht kindlich und haben z.B. auch noch nie alleine gewohnt. Jedoch was sie schon in ihrer Kindheit mit machen mussten wäre für Europäer wahrscheinlich zu viel.” Einer meiner Küchenjungs hat mit 8 Jahren auf dem Friedhof das arbeiten angefangen und die Gräber für ein paar Cent sauber gemacht. Mit 10 hat er dann Brot auf der Straße verkauft und mit 19 Jahren bin ich mit ihm das erste mal in seinem Leben Fahrstuhl gefahren.
Eine andere Aussage die keine Seltenheit in den ärmeren Vierteln ist: “Eine hübsche Tochter ist das schlimmste was passieren kann.”
Die Liste ist lang, Vergewaltigung, Zwangsprostitution oder vom Vater gezwungen werden mit dem eigenen Bruder zu schlafen, damit der sexuelle Erfahrungen sammelt. Gerade die häusliche sexuelle Gewalt ist ein großes Thema bei uns im Projekt. Dort wo quasi rechtsfreier Raum herrscht und keine Institution vordringen kann. Allein bei uns haben wir eine Gruppe von 18 Müttern die selber alle zwischen 13 und 17 Jahren alt sind. Und das waren nicht alles nur “Unfälle” die mit rechtzeitigem Aufklärungsunterricht hätten verhindert werden können.
Nun aber zu einem weit aus erfreulicheren Thema. Letzte Woche hat der erste super Supermarkt von insgesamt 4 neuen völlig überdimensionierten Shoppingcentern und Märkten eröffnet. Dort gibt es nun von der Taucherbrille über den Fernseher bis zur Trockenhefe alles was das Herz begeht. Sogar Erdinger Weißbier. Ganz nach amerikanischen Vorbild. So in etwa stelle ich mir das nach der Wende bei uns vor. Wie auf einmal aus den grauen Kaufhallen bunte Ladenparadiese wurden. Alles ist verfügbar. Dafür haben sich die Leute am ersten Tag auch in eine vierstündige Schlange eingereiht um am neuen Konsum teil zu haben. Da stört es auch nicht eine kleine Flasche Cola für ca. 40 Cent mit der Kreditkarte zu bezahlen.
Als ich mir das Monster einige Tage später selber angeschaut habe ist mir fast schlecht geworden. Lange wird es nicht dauern bis diese Geschäfte den kompletten Markt in der Stadt kaputt gemacht haben. Vor bei ist es dann mit dem Plastiktüten-Fachgeschäften, mit den Läden wo man nur Geschenkbänder kaufen kann, mit den Shops wo es nur Tortenfiguren gibt, der Schuhsohlenladen, der Besenfachhändler, die Mehlfrau, die Plastikdosenspezalissten, das Schlauchgeschäft und nicht zu vergessen die Nähläden in denen man aus gefühlten 5000 verschiedenen Knöpfen und Garnen genau den richtigen Knopf einzeln kaufen kann.
Nein, den Leuten wird nun gesagt die Kartoffeln die es fertig im 2,5 kg Plastiknetz gibt sind besser als die vom Kartoffelfachhändler am Markt. Alles zerkocht zum Einheitsbrei und vernichtet so die Existenz der vielen kleinen Einzelhändler.
Ich verabschiede mich nun auch mit dieser Mail in meine Sommerurlaub den ich mit meiner Freundin in Chile verbringen werde. Danach habe ich mein Zwischenseminar im Norden von Argentinien und werde wohl so ab dem 10.2. wieder hier in Piura sein. Bis dahin bin ich ein bisschen schlechter zu erreichen, werde jedoch immer mal wieder in die eMails rein schauen.
Allen ein gesegnetes Fest und einen guten Rutsch in neue Jahr. Vielen Dank für die bisherigen Spenden und die Unterstützung die es bisher wirklich nicht zu knapp gab. Vielen vielen Dank dafür.
Euer Kilian
Mein diesjähriges Weihnachtsgeschenk ist ein Lied das mir hier schon einige Male über den Weg gelaufen ist und ein wenig die Stimmung ausdrückt die ich im Hinblick auf die oben genannten Dinge fühle.
León Gieco - Cinco Siglos Igual
Soledad sobre ruinas Einsamkeit über den Ruinen
Sangre en el trigo Blut im Getreide
Rojo y amarillo Rot und Gelb
Manantial del veneno Quelle des Gifts
Escudos, heridas Schilde, Wunden
Cinco siglos igual fünf Jahrhunderte das gleiche
Libertad sin galope, Freiheit ohne Galopp
banderas rotas zerstörte Flaggen
soberbia y mentiras, Hochmut und Lügen
medallas de oro y plata Medaillen aus Gold und Silber
contra esperanza, gegen die Hoffnung
cinco siglos igual fünf Jahrhunderte das gleiche
En esta parte de la tierra in diesem Teil der Welt
La historia se cayo stürzt die Geschichte
Como se caen las piedras wie sie auch die Steine werfen
Aun las que tocan el cielo sie berühren sogar den Himmel
O estan cerca del sol oder ist es nahe der Sonne
O estan cerca del sol oder ist es nahe der Sonne
Desamor, desencuentro Abneigung, Entfreimdung
Perdon y olvido Entschuldigung und Vergessen
Cuerpo con mineral Leib aus Erz
Pueblos trabajadores Dörfer der Arbeiter
Infancias pobres Kinderarmut
Cinco siglos igual fünf Jahrhunderte das gleiche
Lealtad sobre tumbas Loyalität bis zum Grab
Piedra sagrada Heiliger Stein
Dios no alcanzo a llorar Gott bedauert nicht die Tränen
Sueno largo del mar Schlaf weit wie das Meer
Hijos de nadie Söhne von niemandem
Cinco siglos igual fünf Jahrhunderte das gleiche
Muerte contra la vida Tod Gegenteil des Lebens
Gloria de un pueblo Ruhm eines Dorfes
Desaparecido verschollen
Es comienzo, es final es ist der Anfang, es ist das Ende
Leyenda perdidad Legenden vergehen
Cinco siglos igual fünf Jahrhunderte das gleiche
En esta parte de la tierra in diesem Teil der Welt
La historia se cayo stürzt die Geschichte
Como se caen las piedras wie sie auch die Steine werfen
Aun las que tocan el cielo sie berühren sogar den Himmel
O estan cerca del sol oder ist es nahe der Sonne
O estan cerca del sol oder ist es nahe der Sonne
Es tiniebla con flores Es herrscht Finsternis mit Blumen
Revoluciones Revolutionen
Y aunque muchos no estan wenn gleich es viele nicht gibt
Nunca nadie penso nie hat jemand gedacht
En besarte los pies dir die Füße zu küssen
Cinco siglos igual fünf Jahrhunderte das gleiche
Meine freie Übersetzung lässt natürlich Platz für Interpretation.






