Die Fahrt nach Piura mit dem Bus verlief reibungslos wenn auch mit 21 Stunden ein wenig anstrengend. Wer mich besuchen möchte der fliegt vielleicht besser gleich nach Piura. Der Reiz der Landschaft nimmt nämlich nach der Grenze rapide ab und man fährt in die Wüste.
Zu Piura ist zu sagen: eine Stadt die man in einer Stunde einmal zu Fuß durchqueren kann, es nix touristisches zu sehen gibt und von Früh und Abend mal abgesehen immer die Sonne scheint. Im Moment ist “Frühling” und wir haben mollige 26 – 28°.
Meine Familie “Cruz” besteht aus Gastbruder mit 28 Jahren, Gastmutter mit 63 Jahren und der Großmutter mit 86 Jahren. Zum Abend kommt auch immer noch der Opa zum Essen vorbei. Nicht zu vergessen ist der sehr lebhafte Hund, eine scheue Katze und eine alte Schildkröte die ihre Zeit in einer Waschwanne ab fristen muss. Wohnen tue ich in einem eigenen ca.
8 Quadratmeter großen Zimmer mit Bett und Kommode. Aus dem Fenster schaue ich auf den Gang und dann auf die Hauswand vom nächsten Haus. An dieser Stelle sehr hervor zu heben ist die peruanische Küche die im Gegensatz zu Ecuador wirklich viel zu bieten hat. Tolle Soßen, viel Reis und super tollen Fisch der hier ganz viel in der Region gefischt wird.
An dieser Stelle auch zu erwähnen das Piura ein wenig mit Vorsicht zu genießen ist da immer wieder Leute überfallen werden und alle ihre Sachen abgeben müssen. Da gewöhnt man sich aber schnell dann einfach nix ein zu stecken, keine Uhr und keinen Schmuck zu tragen und meistens auch keine Kamera mit zu nehmen.
Busse gibt es hier zwar aber wesentlich häufiger wählt man die Mototaxis. Eine Art Rickscha mit dem Motorrad vorne dran. Kann aber auch mal vorkommen das ein privat Motorrad vor einem anhält und einen ein wenig günstiger wo hin fährt.
Bekanntschaft durfte ich dann auch schon mit den hiesigen Erdbeben machen. Eins mit ca. Stärke 5 empfing mich am zweiten Morgen hier, laut der Aussage der Leute hier ist es aber eher die Seltenheit und es war schon eins der stärkeren. Hat aber wirklich nicht heftig vibriert, ich lag grad im Bett.
Das Projekt in dem ich nun Arbeite gliedert sich in zwei Hauptsparten:
“Manitos Creciendo” und “Manitos Trabajando”. Ersteres kümmert sich um Jugendliche die schon auf dem Markt oder sonst wo arbeiten und am Abend für vier Stunden eine Ausbildung machen. Dort kann dann Schneider, Frisör, Koch und Mechaniker erlernt werden.
Manitos Trabajando kümmert sich um Kinder die noch zur Schule gehen aber Zuhause nicht die nötige Unterstützung bekommen. Dort gibt es Frühstück, Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Sportunterricht und für jeden eine Dusche da die Kinder meistens kein Wasser Zuhause haben.
Ausgelagert in den die Stadt umschließenden ärmeren Vierteln groß teils ohne Wasser und Licht gibt es 3 so genannte “Ludothekas” Spielotheken.
Dort in mitten vom “Slum” (ist vielleicht ein zu hartes Wort) steht dann also ein Raum mit Spielzeug, Malstiften und Bällen wo zwei Mal in der Woche Freiwillige hinkommen und mit den Kinder spielen und Hausaufgaben machen.
Aber auch die schon fertigen “Azubis” kommen zurück um noch mit zu helfen. Da gibt es dann eine Theatergrupper die Stücke mit verschiedenen lehrreichen Inhalten aufführt, oder Gruppen die mit Kleineren Aufklärungsunterricht macht.
Nach dem ersten Tag zum Ausruhen ging es zwei Tage nur darum sich alles mal an zu schauen. In der Kochklasse gabs als Willkommenstrunk gleich mal das nicht eben schwache Nationalgetränk: Pisco Sour. Jeder meint er kennt die richtigen Mischungsverhältnisse was zu folge hat da man es keinem recht machen kann. Hier das Schulbuchrezept: (2 Teile Pisco (Traubenschnaps), 1 Teil Eiweiß, 1 Teil Limettensaft, 1 Teil Zuckersirup und ein wenig Eis. Alles in der Mixer und am Schluss den Eischaum mit Zimt bestreuen.) Dann sind wir dann zum Beispiel auch mal über den recht großen Markt gelaufen um die ganzen Früchte der letzten Jahre zusehen. Ganz viele haben nach ihrer Ausbildung eine Arbeit gefunden und grüßten uns aus allen Ecken. Auch einen Einheit in der Ludotheka war dabei wo es dann so richtig ans spielen ging. Vor allem den kleinen Wilson hab ich sofort ins Herz geschlossen. Er ist noch ein bisschen zu klein um bei allem mit zu machen und auch recht schüchtern. Wirklich traurig mit anzusehen sind die häufig schlechten Zähne der Kids die auf Grund von fehlenden Bädern vernachlässigt werden. Auch der Nachhilfeunterricht ist nicht immer gerade einfach. Ein Junge aus den ersten Klassen hatte einfache Summenaufgaben bis 20 zu machen. Für seine Freunde aus der Klasse waren die auch echt kein Problem. Bei ihm hat es aber so gar nicht hin gehauen. Irgendwann hab ich ihn dann die Zahlen einfach nach einander aufschreiben lassen was auch nicht geklappt hat bis ich so langsam dahinter gestiegen bin, dass er nicht bis 5 zählen konnte. Dann folgte für mich eine äußerst frustige Stunde im Zählen bis 5 und einer Hand.
Was macht man wenn der Schüler nach der 50sten Wiederholung immer noch die 2 vergisst?
Das Wochenende war dann gefüllt mit einer wirklich schönen Taufe einer Tochter einer Mitarbeiterin der Projekts die im Freien im Sonnenuntergang nur mit einem Tisch und einer Tonschale stattfand.
Anschließend gings ganz südamerikanisch feucht fröhlich wie in der Disco weiter. Mit der wirklich tollen Gruppe von vielleicht 12 – 15 Freiwilligen aus ganz Piura (ein großer Teil auch vom Deutschen Entwicklung Dienst) gings anschießend wirklich noch zum Tanzen.
Am Montag hab ich dann meinen ersten Arbeitsplan für die erste Woche bekomme. Frühs ab in die Küche und abends zu den Mechanikern. Mit der Küche ist aber nicht die Kochschule gemeint sondern die Küche wo für ca.
120 Schulkinder gekocht wird. Da kommen dann auch gleich ganz andere Sachen auf den Tisch. 90% Reis und Bohnen und ein klein wenig Tunfischsalat oder eine andere Beilage. Überhaupt das ganze kochen hier ist auf “Jeder Tropfen ist kostbar” ausgerichtet. Geleitet wird das Ganze von zwei wirklich herzlichen älteren Damen und von immer je nach Schulzeit wechselnden Kochschülern aus dem Projekt denen ich mich dann angeschlossen habe. Da man fürs Reiskochen aber bekanntlich keine 5 Leute braucht ist immer mal Leerlauf angesagt und es kann zu so tollen Beschäftigungen wie Reiskornzählen über gegangen werde. Man nehme sich einen 50 kg Sack Reis vom Markt und sortiere da dann 2 Stunden lang die schlechten Körner und die kleinen Ameisen aus. Tja, nicht so einfach wie in Deutschland das man den perfekt gewaschenen und einwandfreien Reis kaufen kann. Wusste ich vorher aber auch nicht, dass man den aussortieren muss.
Ein wenig spannender wird’s da dann schon am Abend bei den Mechanikern.
Hier werden 15 Jugendliche zwischen 16 und 19 ausgebildet die so wie ich das mitbekommen hab alle einen Gewalthintergrund haben und hier ihre zweite Chance bekommen. Die Ausbildung umfasst ein Jahr Abendschule und vormittags Praxis in Betrieben die Motorräder und Mototaxis reparieren.
Meine Chefin hier, eine super nette Powerfrau, hat sich riesig gefreut, da ich seit den 10 Jahren in denen es das Projekt wohl gibt der erste Freiwillige bin der zu den Mechanikern geht.
Alle super gut drauf und ein wenig mehr an mir als an der Arbeit interessiert. Da gabs dann auch gleich die erste Fragestunde was es denn so für Namen in Deutschland gibt, was da ein Auto kostet oder wie das mit der Sicherheit aussieht. Ganz lustig fand ich die Erklärung vom Lehrer als sie nicht verstanden haben was ich damit meine , dass es bei uns eigentlich keine Überfälle gibt und das man auch noch um 3 von der Disco nach Hause laufen kann. Die Erklärung vom Lehrer war dann: Wenn man da mit dem Fahrrad zum Bahnhof hin radelt und nach einer Woche mit dem Zug wieder kommt, dann steht das Fahrrad immer noch da. Das hat dann für ein großes Staunen gereicht. Die 4 Stunden Unterricht am Abend sind aber so wie so nicht wie bei uns immer dem Motorrad gewidmet. Gestern war eine einstündige Einheit über das Familienleben mit eingebunden. Da gab es dann eine Geschichte über zwei streitende Brüder und Fragen wie: Wann hast du das letzte Mal deine Mutter gedrückt und ihr gesagt das du sie lieb hast? Und das in der Klasse von 16 – 19 Jährigen. Hier sieht man aber den ganzen Ansatz des Programms sehr gut. Jeder Jugendliche spricht einmal in der Woche mit einer Psychologin über seine Probleme. Fass diese das Leben zu Hause betreffen werden auch die Eltern hin zu gezogen. So kann sicher gestellt werden das die Eltern die Kinder auch weiter in den Unterricht gehen lassen und die Kids nicht mit psychischen Geschichten zusätzlich belastet sind.
Momentan schau ich da nur zu und versuche mal wieder mein großes Loch in den spanischen Motorradvokabeln zu stopfen. Ein Mechaniker der nicht mal weiß was Getriebe heißt, schon lustig.
Wirklich reizen tun mich aber die 6 Maschinen die da im Dornröschenschlaf vor sich hin rotten. 4 Drehmaschinen, eine Fräse und auch eine Säge. Eigentlich alles da um ein bisschen Schlosserausbildung mit dran zu hängen. Ich hab jetzt schon mal den Stein ins Rollen gebracht das ich vielleicht in den nächsten Wochen die ganzen Dinger wieder flott machen kann und es dann für die schon fertigen Jahrgänge einen Zusatzkurs geben wird. Das wäre natürlich richtig super weil ich dann was Sinnvolles zu tun hätte und auch viel von meinem Fachwissen weiter geben könnte. Auch der wohl ziemlich stiefmütterlich betriebene “Schweißkurs” könnte noch ausgebaut werden. Mal sehen, das Problem hier in Peru sind die langsamen Mühlen. Nach dem Ausbilder selber der dahinter stehen würde musste der Direktor des Programms gefragt werden.
Auch der fands gut, aber auch der muss wieder irgendeine Frau in der Administration um Erlaubnis fragen. Zeit hab ich ja nun ein wenig.
So viel also von meinen ersten zwei Wochen hier. Vielen Dank für die lieben Emails die ich bisher immer zurück bekommen hab. Falls es noch Frage gibt dann meldet euch, ich freu mich immer über Berichte aus der Heimat.
Kilian
Meine Adressen:
Kilian Lenz con Familia Cruz
C/ Amazonas N° 602 Castilla – Piura . Perú
Telefono: (073) 341779
oder vom Projekt:
Voluntario Kilian Lenz
Huancavelica 1134, Piura-Perú
Telefono: (073) 308400
Telefon aus Deutschland müsste dann sein: (0051) (073) 341779 vielleicht die Null von 073 weglassen!
*Der obligatorische Webeblock zum Schluss: *
Ich leiste meinen Zivildienst (Anderer Dienst im Ausland) von Juli 2010
bis August 2011 in Peru ab. Ich werde in der Stadt Piura
(320.000 Einwohner) ganz im Norden und in Küstennähe bei einer
Gastfamilien wohnen. Das Projekt in dem ich helfen werde
kümmert sich im weitesten Sinne im Kinder und Jugendliche. Von der
Hausaufgabenbetreuung über gemeinsame Ausflüge mit
den Kids bis zu einem ganzen Ausbildungsprogramm. Dort kann Frisör,
Koch, Schneider und Mechaniker gelernt werden.
Da ich bei einer gemeinnützigen Organisation helfen werde die sich
selber nur durch Spenden finanziert muss ein wenig Geld
für meinen Aufenthalt gesammelt werden. Das heißt im Klartext das ich
mit Versicherung, Haftpflicht und Taschengeld im Monat
ca. 130€ koste. Diese Kosten versuche ich also im Laufe des Jahres am
Spenden zusammen zu bekommen. Hierfür gibt es ein
eigens für mich eingerichtetes Spendenkonto bei dem man auch eine
Spendenquittung erhält wenn man bei der Überweisung
seine Adresse angibt. Falls das Spendenaufkommen den oben genannten
Betrag übersteigen sollte werde ich am Schluss des
Jahres zusammen mit Gabi, meiner peruanischen Chefin, entscheiden wo
dieses Geld möglichst sinnvoll im Projekt angelegt
werden kann.
Kontoinhaber:Jesuitenmission Nürnberg
Spendenkonto 5 115 582
Liga Bank, BLZ 750 903 00
Verwendungszweck: X38109 Kilian Lenz Peru
Für künftige Spenden meinen aller herzlichsten Dank.







