PROJEKTBESCHREIBUNG
Nun bin ich im 8. Monat in Paraguay und die musikalische Arbeit hat einen Rhythmus gefunden. Meine Aufgaben sind u.a. Vocalizacion (Gesangsunterricht) in kleinen Gruppen. Zur Zeit hab ich ca. 40 Schueler im Alter von 10 bis 20 Jahren. Ich musste die Schueler selber suchen und abklaeren wer wann Zeit hat. Die ersten Monate waren chaotisch. Mit Ohnmacht hab ich das Chaos ertragen und versucht aus jeder Stunde das Beste zu machen. Ab Mai hab ich alle Schueler nach Alter, Geschlecht, musikalischer Erfahrung und nach gemeinsamen Freunden neu eingeteilt. Die Kleingruppen bestehen aus 2 – 4 Teilnemer. Eine Unterrichtszeit betraegt 60 Minuten. In jedem Fall gehoert Mut dazu als Schueler der Stimme “freien Lauf” zu geben, doch genau das ist der Moment der auf beiden Seiten, Schueler wie Lehrer so viel Freude geben kann.
CHOR – MARANGATU
Jeden Freitag besuch ich den Chor “Marangatu”. Ich fahr mit dem Bus ca. 12 km zur Capilla “Santa Rosa de Lima”. Der kleine Chor singt in drei Stimmen Kirchenlieder in Guarani. Carlos, der Chorleiter uebt mit Hilfe seiner Gitarre die Stimmen ein. Die Teilnehmer haben nur einen Text in den Haenden. Meine Aufgabe ist es, den Chor mit “Chorischer Stimmbildung” zu begleiten. Der Chor probt in einer einfach gebauten Kirche. Das Dach besteht nur aus Wellblech. In Abstellraeumen gibt Claudio Kindern und Jugendlichen Gitarren- und Harfenunterricht. Diese begleiten den Chor bei den Messen.
Der Chor mit Instrumenten ergeben einen durchaus beachtlichen, typischen und etwas archaischen Klang. Ca. alle drei Wochen singen sie in verschiedenen Kirchen ihre Guarani Messe.
JUGENDCHOR MIT INSTRUMENTALENSEMBLE
Eine weitere Aufgabe ist, den Chorleiter Catalino Ferreira zu unterstuezen. 10 Jahre hat Catalino den Kinder- und Jugendchor versucht aufzubauen. Das Ergebnis: Im Febr. 2010 gibt es keinen Kinder- und Jugenchor. Catalino sagt: “Ich fang jedes Jahr neu an.” Im Febr. beginnt Catalino (33 Jahre, 3 Kinder) ein vierjaehriges Jurastudium und beendet die Arbeit als Chorleiter. Ebenso beendet die Gesangslehrerin Monserrat Maldonado ihre Arbeit. Im Juli 2010 wird dem Koordinator Felipe Cubilla gekuendigt.
Nun soll ich den Jugendchor, der nicht existiert weiterfuehren. Mir bleibt nichts uebrig, als bei “Null” anzufangen. Ueber Den Gesangsunterricht mach ich Werbung fuer den Chor. Zur gleichen Zeit such ich in “ganz PY” nach Noten. Leider hab ich bis heute kein einziges FNotenblatt der vergangenen 10 jaehrigen Chorarbeit (Repertoire) erhalten oder gesehen!
Mit viel Muehe stell ich fuer den Chor ein Instrumentalensemble zusammen. 4 Viol., 1 Cello, 1 Klar., 1 Git., 2 Perc.)
Fuer die letzte Auffuehrung, am 5. Aug. hab ich ohne Noten suchen, Noten schreiben etc. fuer nur 5 Lieder ca. 200 Stunden gearbeitet. Das Ergebniss war erfreulich, doch dieser unglaubliche Aufwand. 8 vom Chor haben gefehlt, zwei Geigen sind nicht zur Hauptprobe gekommen und der Gitarrist ist ueberhaupt nicht erschienen.
Erzaehle mir und ich vergesse…
Zeige mir und ich erinnere…
Lass es mich tun und ich verstehe…
Mir erscheint es fast unmoeglich in dieser Kultur, an diesem Konservatorium (ist Musikschule) eine ziel- und erfolgsorientierte Erziehung umzusetzen. Der Geiger und Dirigent Gustavo Barrientos sagt. “En Py no hay un cultura de coro (in PY gibt es keine Chorkultur). Ein weiteres Problem, fast alle reden vom Geld, doch was nichts kostet ist nichts wert. Mein Unterricht ist fuer alle Schueler gratis.
Diese persoenlichen Erfahrungen beziehen sich auf Chormusik. Im instrumentalen Bereich, gibt es sehr schoene Ergebnisse.
Conservatorio Municipal de Musica “Ciudat de Luque”
Luque mit seinen 320.000 Einwohnern , nennt sich stolz “Capital de la Musica”. Das Conservatorium (www.cmml.edu.py) an dem ich arbeite hat jedoch keinen Leiter, keinen Chef. Der Musiklehrer, Javier Maidana hat die Direccion General (Gesamtleitung). Er arbeitet jedoch nur an 3 Std. in der Woche; am Sonntag von 9 – 12 Uhr im SOS Kinderdorf. Neun Musiklehrer arbeiten am Conservatorium. In der Regel ein bis zwei Nachmittage. Ich erkenne in dieser Institution kein System. Wer wann fuer was zustaendig ist bleibt ein Geheimnis. Auffuehrungen werden beschlossen und wieder abgesagt. (z.B. fKonzert am 28.8.2010 im teatro municipal Asuncion. Werbung fuer einen Maraton Sinfonico Internacional 3.7. – 10.07.2010 wird gedruckt und verteilt, doch kein einziges Konzert findet statt.
Besprechungen werden sehr kurz angesetzt, verschoben oder entfallen wieder. Es gibt kein Lehrerzimnmer. Der Unterricht findet in vier verschiedenen Hauesern statt.
Der Traum von einem musikalischen Zentrum -einem Conservatorium wurde mit einer Art “Grundsteinlegung” am 5.8.2010 durch die Schirmherrin Berta Rojas
(Git. in Py) besiegelt. Der Bauplatz ist vorhanden, doch das Geld fehlt.
Von Ludwig Wittgenstein ist ueberliefert:”Wovon man nicht sprechen kann darueber muss man schweigen”. So werde ich erst am Ende meiner Py Zeit von meinen persoenlichen Erfahrungen von dem Projekt Traeger “Sondios de la tierra” berichten.
Zum kommenden “Fruehlingskonzert” am 17.09.2010 um 19.00 Uhr seid ihr alle herzlich eingeladenl. U.a. wird der Chor mit dem Instrumentalensemble Lieder singen , wie: “Cielito lindo, Melodia de America, Bingo, La cucaracha, Cantamos y tocamos, La niña que a mi me quiera…
Ja, wenn bei Euch der goldene Herbst beginnt, faengt hier der Fruehling an.
Saludos Hermann













Der Schlußakkord in der Kirche St. Michael in Peiting ist verklungen. Nun ist Raum und Zeit für einen Auftakt zu etwas Neuem. Das Jahr 2009 geht zu Ende. Noch drei Tage , dann beginnt mein Sabbatjahr, die Reise nach Paraguay. Nach 25 Jahren Kirchenmusiker in München und Peiting ist die Zeit reif, das gewohnte Leben, den Lebensrahmen und damit auch gewohnte Sicherheiten für 12 Monate aufzugeben. Ein Freund sagte mir: Wer nie vom Weg abkommt bleibt auf der Strecke.