Einige wenige Woerter oder Phrasen (Danke, Guten Morgen, Hallo, wie geht’s) in verschiedenen Sprachen (Somali, Turkana-Kenia, Kibembe-Kongo, Aethipoien, wie die Sprache heisst, habe ich gerade nicht parat, Kiswahili), entlocken manchen hier ein Laecheln, vielleicht auch, weil ich ja ein “Mzungu” (Weisser/Europaeer),welch internationales Gemisch aus mittlerweile knapp 80.000 so unterschiedlichen ostafrikanischen Menschen und Kulturen…
Bemerkenswert die Gleichzeitigkeit von Widerspruechen oder einfach die grosse, nicht/schwer in meine Vorstellung (von “Fluechtling”) passende Realitaet:
“Fluechtling sein” in Kakuma =
= alles verloren haben (Familie, Heimat, Besitz, Papiere), in der Fremde unter Fremden leben muessen, auf Hilfe angewiesen sein, auf Genehmigungen, Essen, Feuerholz, Rationen warten, in Unsicherkeit und Unklarheit leben, wie und wann es wohin weitergeht und ob ueberhaupt…
= BesitzerIn eines Restaurants sein, Geschaefte betreiben, Fernseher und DVD-player haben, viele Beziehungen pflegen, auf einen aethipischen Kaffee oder ein Cola gehen, ein Taxi nehmen von Kakuma 2 nach Kakuma 1, ca. 5 km), mit dem Handy im Internet surfen, vielsprachig und weltgewandt sein…
= heimatlos, einsam und voller Sehnsucht und Trauer sein nach Kindern, Frau, Geschwistern oder Eltern, nicht wissen, wer von ihnen ueberhaupt noch lebt, nicht wissen wo, seit Jahren keine Nachricht, wuetend sich zurueckziehen, gegen die Sinnlosigkeit fuer Hoffnung kaempfen…
= im Fluechtlingslager zuhause sein, hier geboren (ein-geborene/r), immer hier gelebt haben, ein-heimisch sein und doch keine Kenianerin, alles und Jede/n kennen, multikulturell und verwurzelt in der je eigenen “Community” (Somalia, Sudan, Congo, Aethiopien, Ruanda, Burundi), alles hier haben, Familie, FreundInnen, Kinder, Besitz, die alte Heimat nie gesehen haben…
= auf “resettlement” (USA, Canada, Australien…) warten muessen, nicht mehr ins Heimatland zurueck koennen, nach 19 Jahren noch einmal ins absolute Unbekannte aufbrechen muessen, endlich kein Fluechlting mehr sein muessen, Traum?
Ich esse:
Bohnen, Reis, Karoffel, Ugali (Maisbrei), Gemuese, Ziegenfleisch, Eier, viel abgekochtes Wasser, weisses Toastbrot, Haltbarmilch und Instantkaffee oder Tee, Margarine und Marmelade, Fisch manchmal und Wassermelonen, Orangen oder Ananas und aethiopisch im Camp, mit der Hand und sehr lecker… eigentlich mehr als ich erwartet habe, weil Fluechltingslager klingt so karg…Ach ja, bin ja selbst kein Fluechlting…
Ich wohne:
nicht im Lager selbst, sondern in einem abgezaeunten und bewachten Bereich neben dem Lager, gemeinsam mit den MitarbeiterInnen von JRS und anderer Organisationen (UNHCR, WFP, LWF, GTZ, Windle Trust, Film Aid… ich mag die Abkuerzungen, ist wie im Krankenhaus, Geheimsprache…), auch unsere Bueros sind in diesem “compound” und zumeist gibt es Strom aus dem Generator und das Wasser ist kalt, wenn es kuehl ist und heiss, wenn es heiss ist, und ab 19 Uhr (nach Sonnenuntergang) ist es aus Sicherheitsgruenden nicht erlaubt, unseren Bereich zu verlassen, also lesen oder reden oder ein Bier im einzigen Lokal oder schlafen unter blauem Moskitonetz (weil Malaria). Auch die Fluechtlinge duerfen das Lager nur untertags verlassen, Es gibt im Lager immer wieder naechtliche Ueberfaelle, manchmal auch von einheimischen Turkanas, die selber bitterarm leben, Neid (?) auf die “gut versorgten” Fluechtlinge…
Ich arbeite:
professionell, Bueros und 2 Jeeps und 3 “Day-Care-Centres” mit unterschiedlichen Angeboten und ca. 15 Leuten aus Kenia, Tanzania, den USA, Australien und Tschechien im “main office” gemeinsam mit 160-180 angestellten Fluechtlingen (BetreuerInnen der psychisch kranken KlientInnen, BeraterInnen (“Community counselors”) unterwegs in den verschiedenen Teilen des Camps, “Guards” zum Schutz der von Gewalt oder Zwangsheirat gefaehrdeten Maedchen und Frauen, TrainerInnen fuer die Aus- und Weiterbildung der angestellten Fluechlinge, SonderpaedagogInnen, “alternative healers” fuer Koerper- und Fussreflexzonenmassage)
Danke fuer Eure Gedanken und Gebete!
Peter
PS: Wer fuer die Projekte von JRS-Kakuma spenden will:
Spendenkonto “Menschen für andere – Jesuitenaktion”
PSK KontoNr.: 7086 326
BLZ: 60 000
BIC: OPSKATWW
IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326
Verwendungszweck “Peter Hochrainer JRS Ostafrika”
Ahsante! Danke!