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Ein Zwischenbericht aus West Bangalen – oder was ich hier eigentlich den ganzen Tag treibe

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Jeden Tag fahre ich mit dem Fahrrad eine halbe Stunde von Parasmani richtung Ghosaldanga. Mein Weg fuehrt mich vorbei am Markt, wo die Haendler lauthals ihre Waren preisen, die Hunde um den Fisch schleichen der auf dem Boden zum Verkauf bereit liegt, vorbei an Fahrradwerkstaetten in denen die Reperateure auf die erste Kundschaft warten. Daneben ist ein Teeladen wo ein paar Maenner stehen, ihren Chai schlurfen und dabei gestenreich diskutieren. Beim Anblick des weissen Maedchens auf dem Fahrrad werden stolz die Englischkenntnisse herausposaunt: “Hello Mam! Hello! Hello!“ Manchmal rufen sie auch “Bye, Bye”. Anfangs hat mich das verunsicht, wie solllte ich reagieren? Einfach ignorieren und weiter fahren? Heute freue ich mich, laechel freundlich, gruesse zurueck und aller meistens sind sie dann zufrieden und gehen ihrer Wege, waehrend ich weiter fahre. Jetzt geht es ueber einen Fluss an dessen Ufern die Reisfelder geerntet liegen, ein Paar Ziegen und Kuehe grassen waehrend sich die Menschen in der Kopai baden, ihre Klamotten und die Toepfe waschen. Dann geht es links, nichtmehr weit ist es bis zu meinem Ziel: die RSV school in Ghosaldanga.

Freudige Kinderschreie empfangen mich, sobald einer der Kinder Alika di erspaeht hat die auf ihrem Fahrrad ankommt. Manche rufen: “Alika di, amar class!” (Aliki, grosse Schwester, nimm meine Klasse) die anderen Gruessen mich mit “Johar”, halten ihre geballte Faust an die Stirn, die traditionelle Shantalbegruessung. Ich mache meine Runde, angefangen bei den Koechen Donna und Shoushila die jeden Tag super Essen fuer die ganze hungrige Kinderbande kochen, ueber die Lehrer und Kinder in jeder Klasse, gruesse und frage nach dem Befinden. “Johar, kaemon acho? Ami cu bhalo achi!” Dabei schaue ich ob ein Lehrer fehlt und springe Notfalls fuer ihn ein. Es kommt oefters mal vor, das eine Klasse Freistunden hat weil einer der Lehrer krank ist oder andersweitig beschaeftigt ist. Klasse 1-4 bekommen in der RSV Schule die Moeglichkeit umsonst Bengali zu lernen.

Die Shantals sprechen in ihren Doerfern Shantali, somit haben die Kinder es doppelt schwer wenn sie in den government Schulen ploetzlich auf Bengali unterrichtet werden, was sie nicht verstehen und erstmal als Fremdsprache lernen muessen. Die government Schulen sind auch masslos ueberfuellt, es ist an der Tagesordnung dass ein Lehrer fuer 100 Kinder zustaendig ist . Da ist kein Raum und keine Zeit um einzelne Kinder extra zu foerdern, da wird geschlagen wenn die Hausaufgaben nicht gemacht sind und die richtige Antwort nicht parat liegt. Faules Ei ist bei den Kiddies sehr beliebt. Hauptsache Action!

In der RSV Schule werden die Kinder in kleinen Klassen unterrichtet, werden langsam an Bengali gewoehnt und lernen zusaetzlich viel ueber ihre eigene Kultur, lernen Lieder und Reime in Shantali. Ein Ziel ist es, die Kinder auf die government Schulen vorzubereiten und die drop out Rate zu verringern, ein anderes ist es die Shantalkultur die reich an Taenzen, Lieder und Rhythmen ist, trotz modernem Input zu erhalten. Die Kinder sind oft die erste lernende Generation, koennen also von zuhause keine Unterstuetzung bei den Hausaufgaben bekommen, weshalb es fuer die Klassen 5-10 Hausaufgabenhilfe sowie das Hostel gibt, wo ca.25 Maedchen und Jungen wohnen um sich voll ihrer Bildung widmen zu koennen. Finanziert wird das Ganze von Freunden in Deutschland, die Eltern steuern ihren Beitrag dazu bei, indem sie im Schulgarten helfen, kochen oder andere Arbeiten uebernehmen.

Monotosh der Gaertner versucht fleissig durch Marmeladenverkauf aus Schuleigenen Guaven und Papaya Geld zu erwirtschaften, sodass der Verein sich eines Tages vielleicht selbst tragen kann.
Jede Woche kommt Satya da, der Gesundheitshelfer und checkt die Kinder auf Krankheiten, die kraenkeren werden am Samstag nach Ghosaldanga ins Gesundheitszentrum geordert, dort schaut ein Arzt nach ihnen, wenn sie gluecklich sind vielleicht sogar Dr. Monika selbst, die die Gesundheitsvorsorge ins Leben gerufen hat. Sumoti, einer der Lehrerinnen, guckt auch nach den Kindern, jeden Monat krigen die Klassen ein Nimbad, das ist gut fuer die Haut, schuetzt vor Wuermern und ist lustig, wenn die Kiddies in Unterhose in der Sonne stehen und gruen sind wie Froesche. Hygiene und Fuersorge fuer den eigenen Koerper sind hier nicht selbstverstaendlich, sondern muessen fleissig trainiert und erlernt werden.

Boro da, der Schulleiter und Sona Murmu, der Sozialarbeiter aus Ghosaldanga sind die treibende Kraefte der Schule, sie haben das Projekt Bildung begonnen, nachts im Schein einer Kerosinlampe die Kinder einzeln in den Haeusern abgeholt um ihnen Bengali nachhilfe zu geben und bei den Hausaufgaben zu helfen. Sona war selbst noch Schueler von 17 Jahren, hatte jedoch den Ehrgeiz und die Willenskraft sich durch die harten Schuljahre zu kaempfen, indenen ihm die Mitmenschne nicht nur freundlich gesinnt waren. “Shantals gehoeren aufs Feld, nicht auf die Schulbank Es sei keine richtige Arbeit was er da mache, dasitzen und in ein Buch schauen! Ha! Arbeiten tut wer auf dem Feld die Aehren erntet”. Doch die Muehe hat Fruechte getragen, immerhin 89 Shantalkinder der Klassen 1-4, plus die 25 Hostelstudents gehen in die RSV Schule und krigen jeden Tag eine deftige, leckere Mahlzeit vorgesetzt, wodurch sie gedeihen und Kraft haben zum lernen.

Es ist wirklich beeindruckend wie viel hier schon entstanden ist und wie viel noch im enstehen ist. Ich habe wirklich grossen Respekt vor den Menschen, die dazu einen Teil beigetragen habe, da ich selbst erlebe wie viel schwerer, langwieriger und komplizierter es ist in Indien Dinge zu organisieren und zu planen verglichen mit Deutschland.

Nilu ist Kleinbauer in Ghosaldanga und backt jeden Samstag deutsch-indisches Brot im Schulofen, der von Nico Golembiewski und Silvia Mangatter gebaut wurde. Als wir ihn treffen, erzaehlt er uns, dass sein Land Zwangsenteignet wird, da auf seinen Feldern Bahnschienen gelegt werden sollen. Die Abfindung ist gering, er kriegt bedeutsam weniger als sein Landlord, der ihm die Felder vermietet. Was er nun tun moechte,fragen wir ihn, er weiss es nicht. Alles scheint schwierig und aussichtslos, neues Land gibt es in der Naehe nicht, bleibt nur noch als Tageloehner sein Geld zu verdienen. Solche Situationen gibt es hier immer wieder, Menschen denen Ueberlebenswichtige Dinge genommen werden ohne dafuer Ersatz zu erhalten. Es fehlt ein Sprachrohr, jemand der sich fuer die Rechte der Armen einsetzt und einsteht. Es gehoert einiges an Kraft und Willen dazu sich nicht gleichgueltig seinem Schicksal zu ergeben und aufzugeben, sondern wieder anzufangen sich etwas aufszubauen, weiter zu machen.

Donnerstag nachmittags mache ich Circus mit den Kindern in Rindanga, einem Koradorf. Kora sind ebenfalls Adivasis, sprich Ureinwohner Indiens. Hier gibt es jeden Donnerstag und Sonntag ein Ernaehrungsprogramm fuer alle unterernaehrten Kinder, vor allem die unter 2-jaehrigen sind wichtig, da wie ich von Dr.Monika Golembiewski lernen durfte, in dieser Zeit die Hirnreife stattfindet und somit die Grundvorraussetzung fuer alle kommenden Jahre gelegt werden. Ich ueberbruecke die Wartezeit bis es was zwischen die Zaehne gibt etwas. Von den ganz Kleinen die gerade mal auf ihren wackligen Beinen stehen bis zu den schon grossen Geschwistern wird fleissig Ball werfen und fangen geuebt, das einzige bengalische Liedchen getraellert, dass ich kann, Pois geschwungen, wild herumgetollt, so manche Gallionsfigur erprobt… Die Kinder frei und unbefangen Spielen zu sehen, zu sehen dass es ihnen Freude bereitet, was ich ihnen zeige und was ich mit ihnen Spiele, mit ihnen ueber ungeschickte Situationen zu lachen ist Grund genug jeden Donnerstag wieder aufs Fahrrad zu steigen um in das Koradorf zu fahren.

Auch im Krankenhaus habe ich seit dem Besuch von Monika und Silvie im November eine Aufgabe. Zweimal die Woche werde ich mit Satya da, dem Gesundheitshelfer ins Kinderkrankenhaus nach Makrampur fahren um Patientenreports zu schreiben und ein wenig Beschaftigungstherapie mit den Langzeitpatienten zu betreiben. Heute bin ich das erste mal hin und ich freue mich schon auf diese verantwortungsvolle Aufgabe. Mit einer Patientin habe ich schon fleissig das Englische ABC geuebt, sie ist von der Huefte ab gelaehmt, als Folge von Polyo (Kinderlaehmung) und hat ganz ueble Wunde gahabt, als wir sie in ihrem Dorf zur Gesundheitsvorsorge besucht haben. Die Wunden waren durch staendige Druckstellen entstanden und waren sehr tief, Monsumi hatte schon Fieber, da sich die Wunden infiziert hatten. Im Krankenhaus geht es ihr nun besser, sie hat ein Wasserbett bekommen und die Wunden werden gereinigt und versorgt, sodads sie gut abheilen koennen. Monsumi ist total wissbegierig und fit und freut sich so sehr, wenn sie etwas lernen darf. Am liebsten haette sie die Karten mit dem ABC und einem passenden Begriff fuer jeden Buchstaben (A= apple) gleich behalten.
Es geht mir wirklich gut hier und ich bin sehr dankbar dafuer hier sein zu duerfen. Die Menschen begegnen mir mit sehr viel Herzlichkeit und Offenheit und lassen mich teilhaben an ihrem Leben wodurch ich sehr viel erleben, sehen und fuehlen darf. Mit meinem Taschengeld kaufe ich Bastelsachen fuer die Kinder in der Schule und im Krankenhaus. Letzten Samstag habe ich mit den Hostelboys und girls leckere, nahrhafte Weihnachtskekse im Holzofen fuer die ganze Schulgemeinschaft gebacken. Mit Nuessen, Datteln, Rosinen und viiieeel Zucker, damit die Kinder ja nicht von der Stange fallen. Die fanden alle lecker und deshalb wird naechsten Samstag gleich nochmal gebacken.

Euch allen wuensche ich eine gesegnete Weihnachtszeit, erfuellte und besinnliche Stunden wo auch immer in der Welt! Vielen Dank fuer eure finanzielle und mentale Unterstuetzung!

Eure Aliki

PS: Bilder gibts unter: http://aliki-in-indien.jimdo.com/bericht

JMV-Gruesse in die Welt

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Happy-Diwali von Josefine und Katha aus Indien!

www.myindianproject.wordpress.com

www.josefine-in-indien.jimdo.com

Von Kalimpong (Nordindien) nach Nepal

Montag, 10. Januar 2011

Rahel – sonst als Musiklehrerin in Kalimpong - berichtet in ihrem Blog über ihre ersten Tage in Nepal. Hier macht sie für zwei Monate Zwischenstation, bevor sie wieder nach Indien an die Gandhi Ashram School zurückgeht.

mehr unter: http://rahel-in-kalimpong.jimdo.com/aktuelles

Volunteer-Alltag in Indien & Ägypten

Dienstag, 21. Dezember 2010

Viele neue Impressionen, spannende Erlebnisse und regelmäßige Informationen gibt es auch auf den individuellen Blogseiten unserer Volunteers in Indien und Ägypten:

Damian Glania in Pune: http://jmv.iblogger.org

Rahel Landolt in Kalimpong: http://rahel-in-kalimpong.jimdo.com

Thea Seifert http://thea-in-indien.jimdo.com und Sarah Federbusch http://sarah-india.jimdo.com in Anekal

 Karin und Thomas Fahn in El Minia / Ägypten: http://www.ktfahn.bplaced.net

viel Spaß beim Lesen und Mitfiebern!

Den enormen Kulturschock zu überwinden.

Mittwoch, 29. September 2010

Ich dachte ich melde mich mal wieder. Aber es ist schwer alles erlebte und gesehene in eine E-Mail bzw. ueberhaupt in Worte zu fassen. Aber ich will euch ja nicht im Trockenen stehen lassen und trotzdem ein wenig berichten.

Nach anfaenglichen Einlebungs/Eingewoehnungsschwierigkeiten geht es mir inzwischen schon viiieeelll besser.  Es ist zwar immer noch schwierig alleine, aber was heisst schon alleine. Hier sind schliesslich sooooo viele Kinder und Jugendliche. Es war nur erst mal schwer den enormen Kulturschock allein zu ueberwinden.

Am einfachsten ist es fuer mich mit den juengeren umzugehen. Ich spiele oft verschiedene Ballspiele mit ihnen, Hascher, Stille Post, Kartenspiele, singe und tanze. Ich finde ihre Tanzart ja faszinierend. Ich werde das auch lernen und dann zeig ich es euch!!!

Tagsueber wenn die Kinder in der Schule sind, lerne ich oder bessergesagt versuche ich mich an Kannada (das ist die Sprache des Bundesstaates Karnaraka). Und sie ist nicht ganz einfach. Die haben ja keine Buchstaben wie wir. Fuer uns wirjkt ds eher wie eine geheime Zeichensprache. Aber gerade deswegen ist es schwer sie zu erlernen, aber unglaublich wichtig, da viele Kinder verschiedene indische Sprachen beherrschen, aber kaum Englisch. Das heisst es handelt sich im Moment mehr um ein Hand- und Fuss Training. J Nach dem Kannadaunterricht geht es dann zum Naehen. Ich und naehen… manche warden sich jetzt ins Faeustchen lachen. Und ihr habt auch Recht. Ich bin immer noch genauso undgeschickt und ungeduldig wie als kleines Kind. Hab in dieser Hinsicht leider gar nichts von meiner Mama geerbt. Aergerlich, aber ich gebe trotzdem mein  Bestes um es zu erlernen. Wie gesagt, auch das ist nicht gerade einfach. Normaler Weise laufen wir von A nach B, aber meine persoenliche Begleiterin, Sawitri, ist hingefallen und kann jetzt kaum mehr auftreten. Also haben wir in den letzten Tagen die Rikschaw genommen. Ich habe euch noch nie erklaert, was eine Rikshaw – die Inder bezeichnen es als Auto – ueberhaupt ist. Das ist ein dreiraedriges Gefaehrt, das mit einem Motor betrieben wird und massen Abgase in die Luft pumpen. Sie haben weder Tueren noch Fenster, sind also total offen, sodass man die ganze Zeit den Schadstoffen und Abgasen von draussen ausgesetzt ist und fuer unser Verstaendnis denkt man, dass sie bald auseinanderfallen. Normaler Weise passen ca. 3 Personen dahinein. Man darf natuerlich nicht mit grossartiger Beinfreiheit rechnen, aber wenn die Schule zu Ende ist, sieht man oft an die 10 Kinder in so ein Ding gequetscht und die Ranzen und Rucksaecke sind draussen dran gebaumelt. Ich mag die Teile, die sind echt exotisch. Schade ist es trotzdem ein bisschen gewesen, dass wir nicht zum Tailoring Center (das ist dort, wo der Naehkurs und das Office vom Pater Anil ist) gelaufen sind, denn das war in letzter Zeit so ziemlich die einzige Bewegung, die ich genossen habe. Gestern jedoch habe ich auf der Terasse geturnt und abends war ich joggen! Und dann habe ich mich gleich besser gefuehlt. Die Terasse ist der schoenste Ort hier. Da weht immer eine leichte Brise, man wird vom Rauch verschont und morgens ist sie sogar schattig. Zu dem Rauch: Da sie ja immerzu ueber offenem Feuer heizen und kochen und alles und das den ganzen Tag hindurch, da sie 4 warme scharfe Mahlzeiten pro Tag zu sich nehmen, brennt unablaessig mindestens die Glut. Der ganze Hof wird zugeraeuchert und morgens dringt es sogar ab und zu in mein Zimmer, das wohlgemerkt auf der anderen Seite liegt. Das ist nicht so eine angenehme Art, geweckt zu werden, wie ihr euch sicher vorstellen koennt. Ja ich weiss Fenster schliessen waere ne Option, aber das haelt man nachts in der schwuelen Hitze hier mit geschlossenem Fenster nicht aus.

Danach gehts zurueck ins Hostel, wo allmaehlich alle von der Schule zurueckkehren. Dann wird entweder Holz zum trocknen ausgelget ode res gibt andere Aufgaben fuer die Kinder, aber oft ist das Spielzeit. Da kann ich mich dann endlich mal mit den Kleinen und Grossen beschaeftigen. Das ist ausser eine halbe Stunde am Abend auch schon fast alles an Freizeit, die sie haben. Ansonsten gibt es entweder essen oder sie muessen lernen. Das ist echt Wahnsinn, wie viel Zeit sie mit ihrer Bildung verbringen. Das habe ich nicht mal waehrrend des Abiturs gemacht. Der Tagesablauf in der Woche ist folgender Massen:

5:30 Uhr aufstehen

6:00 Uhr Yoga

6:30 Uhr Studytime

7:30 Uhr Putzen

8:00 Fruehstueck

Dann fertig machen fuer die Schule, die beginnt fuer alle unterschiedlich. Da gehoert naturelich auch das Mittagessen mit rein.

16:00 Uhr Rueckkehr aus der Schule

16:30 Uhr Spielzeit oder Aufgaben

17:30 Uhr teatime

18:15 Uhr Studytime

20:30 Uhr Abendessen

21:00 Uhr Singen, Tanzen, Spiele

21:30 Uhr Studytime

22:30 Uhr schlafen gehen (das gilt genauso fuer die Kleinen)

Und dann sollen sie am naechsten Tag Examen schreiben und Hoechstleistung erzielen. Ist ganz schoen hart das Leben, aber gleichzeitig auch faszinierend, den sie gehen gern zur Schule und lernen gern. Sie wollen etwas erreichen. Dieser enorme Ehrgeiz und Wille ist in Deutschland so manchem fremd. Sie muessen kaempfen. Das sind, in den Augen der Inder Dhalits (Unberuehrbare), sie kommen aus der untersten Kaste, ihnen ist nichts in die Wiege gelegt.

 Es ist kaum vorstellbar, dass es so einen Ort auf der Welt ueberhaupt gibt. Indien scheint eine eigene kleine Welt zu sein. Hier laeuft alles verkehrt herum.

Ich dachte ja am Anfang alle Jungs sind hier schwul oder so. Die laufen Hand in Hand herum, als ob es das alltaeglichste von der Welt ist. Paerchen hingegen sieht man nie in der Oeffentlichkeit, zumindest keinerlei Koerperkontakt. Die Fahrraeder dienen hier oftmals nicht als Fortbewegungsmittel fuer Personen, und wenn dann sitzt selten jemand alleine drauf, vorausgesetzt das Ding hat einen Sattel, ansonsten wird der Gepaecktraeger als solcher umfunktioniert ode rim Stehen gefahren. Das Fahrrad wird jedoch auch oft als Transportmittel fuer Fruechte, Gemuese und andere Waren verwendet. Da kann es schon mal sein, dass an die 50 Kokosnuesse draufpassen. Ein anderes Transportmittel sind ganz einfache aus Holz gebaute Wagen, die man vor sich herschiebt oder Ochsenkarren.

 Man sieht auch viele schreckliche Dinge: Viele haben offenbar keine Toilette, geschweige den Papier, die erledigen das ja mit der Hand, deswegen muss ich echt aufpassen, dass ich nicht mal meine linke Hand zum Essen benutze. Aber da sieht man eben auch haeufig, dass so manchereins am Strassenrand seine Geschaefte erledigt. Das ist nicht gerade lecker, aber was will man machen?

Ich habe so viel Gesellschaft, dass ich nicht mal diese Mail in Ruhe schreiben kann. Aber ich will mich auch nicht erst um 11 abends hinsetzen. Die kommen staendig an und wollen Computerspiele spielen – haha als ob ich das erlauben wuerde. Bisschen streng muss man manchmal mit den sein, sonst verscherzt man es sich. Ausserdem wollen die immer ein ekliges Video sehen von einer Frau, die zu einer Schlange gemacht wurde, weil sie sich weigerte den Koran zu lessen. Sie lebt in Bangalore und sieht total gruselig aus. Buah, aber das Video zeige ich den Kinning mit Sicherheit nicht. Ich wollte es auch nicht sehen, aber irgendwie haben die sich erst ein Tanzvideo angesehen und da stand ich grade mit dabei. Das sind echt Gruselgeschichten hier. Aber sowas scheint es hier ab und zu zu geben. Es gibt noch mehr Geschichten, die ich euch erzaehlen koennte, aber ich find das so grausam, ich will euch jetzt damit verschonen.

Reden wir lieber von was Schoenem. Trotz allem Leid und allen Schrecklichkeiten lachen sie immer – den ganzen Tag strahlken sie wie der Sonnenschein hoechstpersoenlich.

Ich bin so froh, dass ich morgens und nachmittags was anderes essen kann. Mir faellt es aber echt schwer morgens schon irgendwelches scharfes Zeug zu essen.  Da become ich immer ein Ei und Toastschnitten. Das ist lecker. Vielleicht werde ich mich irgendwann dran gewoehnen, aber dazu brauche ich meine Freudensgefaehrtin J Nachmittags esse ich eine oft eine Banane, Apfel oder Kokosnuss und trinke, wie alle hier einen Tee mit Milch oder einen bombastisch leckeren Kaffee. Kokosnuesse essen die hier uebrigens gar nicht. Die nutzen die nur zum Kochen. Die haben gelacht, als ich ihnen sagte, ich liebe Kokosnuss und Kokosnusswasser. Das ist hier wohl nicht so ueblich, aber sie geben es mir jetzt trotzdem ab und zu, was mich natuerlich freut. Hihihihihi

Ich habe mich mal erkundigt. Der Bindi auf der Stirn ist einfach nur culture, den haben alle. Manche haben an der Stelle auch ein Tatoo, in Form eines Punktes. Manchmal sieht man auch Frauen mit einem richtig hellroten Punkt zusaetzlich. Das heist, sie sind verheiratet, aber das machen nicht alle. Christen ueberhaupt nicht, nur manche Hindus und Muslime. Zehenringe bedeuten ebenfalls verheiratet. Ich habe mir schon welche zugelegt fuers Reisen, dann werde ich hoffentlich in Ruhe gelassen ;)

Bald geht es ja schon auf zur ersten Reisestation: Hampi! Da muss ich mal noch ein bisschen was planen. Freu mich schon drauf. Jetzt bin ich ja erst mal nur noch 5 Tage hier. Die Kinder haben bald Ferien und da werde ich hier nicht gebraucht – also werde ich Indien erkunden!!!

So ich denke mal, jetzt hattet ihr vorerst genug zu lesen. Ich habe noch vieles zu erzaehlen, aber ich verspreche: Die Fortsetzung folgt!!! Fuer heute wars das.

Liebste Gruesse von Sarah