Archiv für die Kategorie ‘Argentinien’

Arbeit in Budge

Sonntag, 02. Januar 2011

Im November bin ich nach Iguazu gereist. Meine hohen Erwartungen an die Wasserfälle wurden nicht enttäuscht. Ein gewaltige, beeindruckendes Erlebnis.

Auf dem Rückweg habe ich noch ein paar erholsame Tage in San Pellegrino, ein kleines Dorf ohne Bank, Supermarkt und Restaurant, verbracht, Außer ein paar Lodges, wenigen Touristen, vielen Tiere, viel Wasser und unendlich viel Ruhe, gibt es dort gar nichts.

 

 

Gut erholt, wollte ich dann in meinem Einsatzort meine Ideen in Angriff nehmen.

Saubere Campo

Zunächst ein Eigenversuch. Auf meinen Weg in den Campo und zurück sammelte ich Plastikflaschen.

in 30 Minuten gesammelt

In einer halben Stunde hatte ich zwei große Tüten vollgestopft und bekam dafür 7 Pesos. Eine Putzfrau verdient in einer Stunde 10 Pesos. Es war schon ein etwas komisches Gefühl mich mit meinen Säcken auf den Recyclinghof zu wagen. Aber die Arbeiter waren total nett. Ich musste nicht einmal anstehen. Als „Kleinstverkäufer“ wird man sofort abgefertigt.

Mit dem Wissen, dass es sich lohnt Flaschen zu sammeln, verteilte ich dann Handzettel:

Das Geld liegt auf der Straße – 1 Kilo Plastik 1,50 Pesos – Aktion sauberer Campo“ und dann noch, weil die Kinder hier sehr wichtig sind „Denkt an eure Kinder – Plastik zu verbrennen ist giftig“. Ich hatte auch einen Treffpunkt und zwei Zeiten angeboten. Keiner kam. Ich hatte es schon vermutet. Also weiter Vorbild sein und im Campo immer mit Säcken für die Flaschen unterwegs. Zunächst wurde ich darauf hingewiesen: „Da liegt noch eine Flasche1“ und auch schon mal gefragt, warum ich das mache. Dann fingen die Kinder an, mir zu helfen.

Jetzt treffe ich mich regelmäßig mit zwei Jungen (7 und 10 Jahre alt) und wir sammeln gemeinsam.

Ale (7)                                         Juan (6)

Karton und Plastikflaschen für 27 Pesos

Lukas (10)

Die Jungen wollen alles mitnehmen, auch Glas und Karton. Gegen Glas habe ich mich gewehrt, weil ich das meiste tragen muss und das zu schwer wird. Ich versuche jetzt eine Karre zu kaufen, die im Campo in der Station der Caritas stehen kann und auch ausgeliehen werden kann.

Wenn wir in den Straßen Flaschen aufheben, rufen und oft Leute heran und geben und ihre gesammelten Flaschen. Den Cartoneros wird die Arbeit zum Teil auch erleichtert, weil viele Haushalte ihren Müll trennen und Plastik im extra Beutel an die Mülleimer hängen. Es trotzdem unglaublich dreckig.

Wenn ich täglich mit einer Karre ca, 4 Stunden Müll sammeln würde, könnte ich davon einigermaßen leben. Da verwundert es nicht, dass bei einigen Kartoneros neben der Pferdekarre noch ein Auto parkt.

Ein Nachmittag für Frauen

Mit den Frauen etwas zusammen zu machen gestaltet sich schwierig. Mein erster Anlauf scheiterte kläglich. Ich hatte Plakate gemalt und Villy, eine Señora, die viele Frauen im Campo besucht, gebeten Werbung für mein Projekt zu machen. Meine Plakate wurden am Tag des ersten Treffens ausgehängt. Es kam lediglich Julia, die ich angesprochen hatte, um mit mir zu malen.

Einen neuen Versuch startete ich mit Hermana Casimira. Diesmal gingen wir gemeinsam mit kleinen Handzetteln von Hütte zu Hütte. Die Frauen zeigten sich interessiert, erwähnten aber, dass sie wenig Zeit hätten.

Zum ersten Treffen erschienen zwei Frauen. Mit zwei Hermanas Azul, Villy, und mir, waren wir etwas überbesetzt. Noch kurzer Zeit wimmelte es von kleinen Kindern, die jetzt regelmäßig kommen.

Begegnung mit Nordargentinien

Donnerstag, 18. November 2010

Nun bin ich seit über sechs Wochen in Orán, Argentinien.

Nachdem ich ein paar Tage in Buenos Aires verbracht habe, konnte ich mit Pater Jose von der Hauptstadt bis Orán mitfahren. Seine Mitbrüder meinten angesichts des vollbepackten Wagens bei einem Stop durch die Polizei solle ich sagen, ich würde mit Sack und Pack umziehen. Wir machten auf der zweitägigen einen Zwischenstopp in San Francisco, wo wir bei seinen Freunden übernachteten. Nachdem ich den Mate-Tee mit den Gastgebern probieren konnte, gab es abends Asado, ein Festessen aus Fleisch vom Grill. Wie so üblich in Argentinien kam ich erst spät nachts nach Hause und nach nur wenig Schlaf ging es dann weiter. Wir beide und unser Gepäck kamen dann sicher in Orán an. Die Fahrt war leider sehr schweigsam, da mein Spanisch noch sehr zu wünschen übrig ließ, aber ich genoss die Fahrt und konnte einen ersten Eindruck von Argentinien gewinnen.

In Orán angekommen, gab es erst einmal eine nette Begrüßungsfeier, organisiert von meinen beiden Mitbewohnern hier in Orán. Der nächste Tag war Sonntag. Also hatte ich Zeit etwas von der Stadt zu sehen. Zunächst war ich leicht schockiert von den vielen Schlüsseln, die mir überreicht wurden. Leider ist die Gegend, in der ich wohne, sehr unsicher und so muss man beim Verlassen des Grundstückes immer alles abschließen.

Die Straßen sind nur teilweise geteert und man trifft nicht nur Hunde, Katzen und Hühnern, sondern auch Pferde, die auf der Straße stehen. Je näher man an das Stadtzentrum gelangt, desto schöner werden die Häuser und die Straßen der Stadt. So reicht die Bandbreite von fast schon einer Art Villen, über einstöckige Steinhäuser, zu Holz- und schließlich Wellblechhütten.

Am Montag ging es dann los zu meinem neuen Arbeitsplatz. Ich lernte die „Casa Divina Providencia“ kennen, wo ich vormittags arbeiten sollte. Die Kinder hatten einen Willkommenstanz einstudiert und so wurde aus der Besichtigung ein kleines Willkommensfest. Später wurde mir erklärt, dass dort Kinder vor der Schule beschäftigt werden. Sie kommen morgens zum frühstücken in die „Casa“. Danach werden sie in kleinere Gruppen aufgeteilt. Dort wird ihnen bei den Hausaufgaben geholfen und es wird versucht, ihnen etwas beizubringen. Danach wird dann gespielt und gegen halb eins Mittag gegessen. Nach dem Mittagessen werden die Kinder zurück nach Hause gefahren. Nachmittags sind die Kinder dann in der Schule. Deshalb gehe auch ich nach dem Mittagessen.

Mittags bin ich dann im „Hogar“. Das ist ein Heim für Kinder und Jugendliche, die aus Problemfamilien kommen. Die wenigstens sind tatsächlich Waisen, sondern leben dort, weil sie bei ihren Eltern nicht leben können. Da es nur sehr wenige Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, freuen sich die Kinder immer, wenn man dort auftaucht und etwas Zeit mit ihnen verbringt. Auch im „Hogar“ versuche ich so gut es geht bei den Schulaufgaben zu helfen und mit den Kindern zu spielen. Leider gibt es kaum Spielsachen und gerade im „Hogar“ fehlt es an allen Ecken, sodass es manchmal nicht leicht ist eine Beschäftigung zu finden. Aber ich denke, wenn mein Spanisch besser wird und ich den Alltag in Orán besser kennen gelernt habe, wird sich mehr finden.

Was mich am meisten beeindruckt hier im Armenhaus Argentiniens, dass die Menschen so offen und lebensfroh sind. Trotz der Armut sind die Menschen meist freundlich. Es ist schön, dass sie mich so gut aufnehmen und so habe ich keinen Grund Heimweh zu bekommen.

Die Daten zu meinem Projektkonto sind:

Kontoinhaber: Jesuitenmission; Konto- Nr.: 5115582; BLZ: 750 903 00; Ligabank Nürnberg; Verwendungszweck: X 38102 Strittmatter, Sophia (Spendenbescheinigung wird ab 50 € zugeschickt, dazu ist Ihre vollständige Anschrift nötig)

Buenos Aires-Budge

Freitag, 15. Oktober 2010

Seit zwei Monaten lebe ich jetzt in Budge, einem Stadtteil von Buenos Aires Federal etwa eine Stunde vom Zentrum entfernt. Die erste Zeit habe ich zum Loslassen, was schwieger war als ich mir vorgestellt hatte und zum Ankommen gebraucht.

Die ersten beiden Wochen war ich bei einer 10-köpfigen Familie untergebracht. In „meiner“ Wohnung gab es leider noch kein fließendes Wasser, da die Pumpe kaputt war.

Nach zwei Wochen habe ich darauf bestanden umzuziehen und erst mal Wasser mit Eimern in meine Wohnung zu tragen. Dann ging alles plötzlich ganz schnell! Die Wohnung ist groß, hell und gehört zu einer kleinen Kirche, deren Vorbau meine Terrasse ist. Direkt gegenüber von meiner Wohnung liegt eine Art Recyclinghof. Der Ausblick zur Straße ist abwechslungsreich, da die Cartoneres mit ihren Handkarren, Fahrradanhängern und Pferdewagen anstehen um ihren gesammelten Müll abzugeben.

 

Leider sitze ich hier in allen Funklöchern, die man sich vorstellen kann. Telefon funktioniert nur manchmal und an internet ist gar nicht zu denken. Also bin ich regelmäßig im „Ciber“ um meine e-mails zu lesen und schreiben.

Arbeit

Ein grundlegendes Gefühl zu meiner Arbeit ist:

Ich werde nicht wirklich gebraucht. Mein Begleiter (leider nur per e-mail und Telefon), hat mir dazu geschrieben:

  “…Das ist nicht das Entscheidende, sondern das,was einfach passiert, weil ich da bin und weil ich ganz da bin. Ich weiss nicht, wie das jetzt für dich klingt. Aber das ist immer mehr meine Lebensphilosophie geworden. Begegnung ist nur auf Augenhöhe möglich. Und solange wir “gebraucht” werden, sind wir nicht auf Augenhöhe. Irgendwie so!”

Das zu lesen, hat mir gut getan.

Ein  Projekt im herkömmlichen Sinn gibt es hier nicht auch keine feste Einrichtung mit der ich zusammen arbeite aber viele hilfsbereite Menschen.

Padre José ist mein Ansprechpartner. Er hat mir z.B. Nora vorgestellt, die mit ihrer Familie im Campo wohnt und dort für ein Haus der Caritas (Modulor) zuständig ist. Außerdem betreibt sie dort noch einen kleinen Laden.

Mit den Kinder

Im Modulor biete ich zwei Mal in der Woche Malkurse für Kinder an. Zuerst war der Ansturm groß. Ca. 12 Kinder im Alter von 3 bis 15 Jahren kamen. Ein sinnvolles Arbeiten bei großem Altersunterschied und auf geringem Raum war nicht möglich und ich richtete zwei Klassen pro Nachmittag an, von 15 – 17 Uhr und 18 – 20 Uhr. Das klappte überhaupt nicht, die Kinder, groß und klein, kamen jetzt irgendwann und das Durcheinander war größer als vorher. Also verkürzte ich die Zeit auf drei Stunden, jeder kann kommen wann er will. Meinen Anspruch auf sinnvolle Arbeit habe ich heruntergeschraubt. Die Kinder freuen sich, etwas zusammen zu machen. Die großen unterhalten sich manchmal nur.

   

Comedor

Mittwochs betreiben einige Frauen einen Comedor. Hier gibt es nicht nur frisch zubereitet Essen, das allerdings mitgenommen wird, sonder auch Kleidung und Lebensmittel. Letztens wurden Impfungen durchgeführt. Hier helfe ich beim Verpacken. Beim Austeilen der Milch an die wartenden Kinder fühle ich mich nicht sehr wohl. Die Milch wird mit Schokoladenpulver und Unmengen von Zucker angereichert.

   

Sozialstation der Caritas

Zwei bis dreimal helfe ich in der Woche in einer Station der Caritas.Ich bessere Kleidung aus und nähe Patchworkdecken.

 Hier wird einmal in der Woche Secondhand-Kleidung für Kinder verteilt und an zwei weitern Tagen können sich hilfsbedürftige Lebensmittel abholen.

Frauen

Kristina,

eine 25 jährige Mutter mit fünf Kindern besuche ich regelmäßig und versorge sie mit dem Nötigsten. Eigentlich geht es darum den Menschen in die Selbständigkeit zu helfen und nicht nur Windeln und Lebensmittel zu besorge. Deshalb versuche ich Kristina dazu zu bringen in den Comedor und zur Caritas zu gehen, um sich dort Lebensmittel zu holen. Ein schwieriges Unterfangen, weil ihre kleinen Kinder oft krank sind und sie ins Krankenhaus gehen muss.

Julia

bat mich, ihr das Malen mit Ölfarben zu zeigen. Wenn sie Zeit hat, treffen wir  uns, um kleine Ölbilder zu malen, die sie verkaufen will. Farben habe ich gekauft und als Malgrund Holzplatten aus Obstkisten ausgesägt und geschliffen.

Ideen

Ich plane einen Nachmittag für Frauen einzurichten. An dem wir zusammen malen und Handarbeiten machen. Möglichst Sachen, die sich verkaufen lassen.

Dabei hoffe ich auf Hilfe von Viyi, eine Señora ein bisschen älter als ich, die immer für mich da ist, wenn ich Fragen habe oder Hilfe brauche. Bei ihr kann ich  auch sonntags immer zum Essen kommen.

Mein Wunschtraum: ein sauberer Slum!

 

Für den vielen Plastikmüll gibt es Geld. Also: Leute finden, die Handwagen bauen, Müll einsammeln und wegbringen. Abfallbehältnisse aufstellen und eine regelmäßige „Müllabfuhr“ einrichten…..

 Mehr Fotos und Infos auf facebook und www.m-wollny.de/wordpress

Spendenkonto: Jesuitenmisson, Liga Bank, BLZ 750 903 00, Konto 5115582, Verwendungszweck: „X38114 Wollny Maria“

Despedida – Abschied

Sonntag, 03. Oktober 2010
Hola Ihr Lieben,
in Lima ist heut der 2.10., jetzt haben wir 17.00 Uhr – ich sitze auf der Terrasse in einem Innenhof des Hotels Espania, einem sehr interessanten und beindruckenden Haus im Kolonialstil, einer umfangreichen Bildergalerie, sehr verwinkelt, auf jeder Etage ein Innenhof  mit Bidern und Skulpturen. Microsoft Word – Rundbrief_5
 

 
 

 
 
 

 

 

Mehr als 8 Monate lebe ich nun schon in Orán

Dienstag, 15. Juni 2010
die Tage und Wochen scheinen mir immer schneller zu vergehen. In Deutschland ist der  Sommer gekommen, und in Orán hält der Winter Einzug – für mich die 4. Jahreszeit, die ich hier erlebe, der Jahreskreis schließt sich somit. De facto gibt es hier aber nur zwei Jahreszeiten – den Sommer (September/Oktober bis Februar/März) und den Winter (März bis August/September). Seit Ende März hat sich die Schwüle, die uns auch nachts „gequält“ hat, verabschiedet. Am Morgen sind… Microsoft Word – Rundbrief_4