Archiv für die Kategorie ‘Argentinien’

Die ersten Wochen in Orán!

Dienstag, 04. Oktober 2011
Hola an alle!
Und wieder einmal sind (nur?) fast zwei Wochen vergangen, doch ich habe das Gefühl, als ob ich schon ewig hier bin. Jeden Tag komme ich mehr und mehr an und lerne die Stadt und die Leute immer besser kennen. Bei einem Krankenhausbesuch, bei dem mir eine Nebenhöhlenentzündung diagnostiziert wurde (aber mir geht’s schon wieder sehr gut), habe ich die Stadt auch wieder besser kennengelernt und begreife so langsam das Straßensystem. Die Stadt ist schachbrettartig aufgebaut und in „cuadras“ unterteilt. Die Straßen gehen immer abwechselnd in die eine und in die andere Richtung, wobei manche auch in beide Richtungen befahrbar sind. Zu meinem Leidwesen steht nicht immer angeschrieben, in welche Richtung es erlaubt
ist und so bin ich also auch schon ab und zu „contramano“ (also als Geisterfahrer) gefahren. Aber dann muss man einfach „doblar“(abbiegen) und schon passt (meistens) alles wieder.

Ich habe mich schon länger gefragt, ob es in Orán denn auch richtig reiche Menschen gibt. Bei meiner Rundfahrt durch die Stadt habe ich bemerkt: es gibt sie. Mittendrin stehen dann richtig große und luxuriöse Häuser, die natürlich auch alle mit einem Zaun umschlossen sind. Hier fällt der Kontrast zwischen arm und reich dann sehr auf.
Ich habe in den letzten Tagen viel Zeit in der Casa Divina Providencia verbracht, wobei ich hauptsächlich mit ihnen Hausaufgaben gemacht habe. Für mich eine gute Gelegenheit, Kopfrechnen zu wiederholen und außerdem die spanischen Begriffe für mal, geteilt, plus und minus zu lernen. Viele der Kinder tun sich sehr schwer mit sowohl lesen als oft auch rechnen, wobei sich andere dann schon leichter tun. Für mich ist es dann oft schwer, weil ständig jemand neues frägt und außerdem ist meiner Meinung nach die Atmosphäre zum Lernen und Hausaufgaben machen nicht so optimal. Wahrscheinlich würde man viel mehr Betreuer brauchen und auch mehr Räume, wo die Kinder mal in Ruhe sind.
Nach dem Mittagessen werden die Kinder immer nach Hause gefahren, bevor sie dann am Nachmittag in die Schule gehen. In den letzten Tagen bin ich auch immer nach Hause gebracht worden, und ich fand es sehr interessant, zu sehen, wie die Kinder leben und wie ihre Häuser aussehen. Die meisten wohnen in
Holzhäusern und ein paar in Häusern aus Stein.
Ich werde wahrscheinlich in der Casa Divina Providencia zwei Vormittage und drei Nachmittage verbringen. Am Nachmittag kommen immer die „chicos especiales“ in die Casa. Als „chicos especiales“ werden hier generell behinderte Kinder und Jugendliche genannt. Mit ihnen habe ich jetzt auch schon ein paar Nachmittage verbracht. Hier werde ich versuchen, mit ein paar von ihnen lesen und v.a.
schreiben zu lernen. Die meisten waren nur kurz in der Schule für „chicos especiales“ und können daher weder lesen noch schreiben.
Am Freitag (23. September) waren wir mit zwei der Hermanas (also Ordensschwestern der Franziskaner), deren Auto wir mitbenutzen dürfen, einen Tag in der Umgebung hier unterwegs. Wir haben ein paar ihrer Mitschwestern in anderen Dörfern und Städten besucht, wobei wir verschiedene Dörfer und kleine
Städte gesehen haben. (Hierzu habe ich ein paar Fotos reingestellt) Bei dieser Gelegenheit waren wir auch zum ersten Mal in Bolivien. Die Stadt, durch die die Grenze verläuft, wird im Volksmund „Pocitos“ genannt. Es gibt einen argentinischen und einen bolivianischen Teil. Der Fluss, der durch die Stadt
läuft, dient soz. als Grenze und wenn man die Brücke überquert, ist man in Bolivien. Dort haben wir dann einen Markt besucht und ein bisschen die Stadt angeschaut. Viele Argentinier hier gehen nach Bolivien zum Einkaufen, da dort so gut wie alles billiger ist als hier.
Ich erlebe hier viele schöne Momente, aber auch Momente in denen mir die Armut, die hier zum Teil herrscht, ganz bewusst wird. Oft kommen Menschen zu uns, die ein „prestamos“ wollen und erzählen ihre Geschichte und ihre Probleme. Sie erzählen dann, wie sie wohnen und dass sie kaum genug Geld haben, um ihren Kindern Essen oder Medikamente zu kaufen. Meistens sind es Frauen, die mit ihren
Kindern herkommen. Sie können nicht arbeiten gehen, da sie auf ihre kleinen Kinder aufpassen müssen.
Es fällt mir schwer, alles hier zu beschreiben.
Vieles ist so anders als in Deutschland. Angefangen beim Klima, das schon ziemlich warm ist. Doch wenn man
die Oranenser von hier frägt, dann lachen diese nur über das Wetter und sagen, im Vergleich zum Sommer sei das noch gar nichts.

Dann die Menschen hier. Obwohl ich ja nun wirklich nicht als blond zu bezeichnen bin, falle ich hier auf wie ein bunter Hund. Natürlich liegt das auch an meiner Hautfarbe, meiner
Kleidung und meiner Größe. Ich werde eigentlich immer auf mit zwanzig geschätzt
(hihi J), was auch an meiner Größe liegt. In Menschenmassen habe ich den perfekten Überblick, weil ich auch die meisten der argentinischen Männer um ein paar Zentimeter überrage. Dann die ganze Art zu leben. Es läuft eigentlich den ganzen Tag irgendwo Musik. Im Moment ist hier eine Band sehr gefragt und egal wo man hinkommt, heißt’s immer: „wachiturro!“ Hier habe ich mal den Link dazu:

http://www.youtube.com/watch?v=PWpGG7xZgNo
Am Abend riecht es hier immer überall nach Rauch, da die Leute hier ihren Müll verbrennen bzw. auch andere Sachen, die ziemlich stinken.
Es gefällt mir hier unglaublich gut und ich fühle mich sehr wohl. Es macht mir Spaß mit den
Kindern. Mal sehen wie sich generell noch so alles weiterentwickelt.
Am Wochenende wollen wir vielleicht einen Ausflug in die Berge machen, da
berichte ich dann das nächste mal drüber.
Bis dahin alles Liebe
Chau!
Eure Eva

News aus Orán

Samstag, 10. September 2011

Mein Name ist Peter Winkeljohann, auch ich bin mittlerweile im Norden Argentiniens “gelandet”. Erste Eindrücke und auch schon ein paar Bilder finden Sie/ findet ihr unter http://peter.winkeljohann.de und vielleicht auch ab und an hier…

Neuigkeiten aus Orán

Freitag, 20. Mai 2011

Das neue Schuljahr hat begonnen. Mit dem neuen Pater kamen Veränderungen für die Casa Divina Providencia und mich. Zum einen wurden dort ungefähr doppelt so viele Kinder als im letzten Jahr aufgenommen, zum anderen gab es andere „feine“ Veränderungen was die Aktivitäten betrifft.

Letztendlich heißt das für mich, dass ich etwa 4 Stunden Englischunterricht gebe zusätzlich zu meinen anderen Aktivitäten wie Hausaufgabenbetreuung . Die Kinder freuen sich sehr darüber, was mich enorm motiviert. Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr, wobei ich drei Tage in der Woche bis 18 Uhr abends in der Divina Providencia arbeite. Eine Kollegin und ich bereiten das Frühstück für die Kinder, während Pater Cecilio und Pater Silvano die Kinder abholen. Nach dem Frühstück werden die Kinder in vier Gruppen aufgeteilt. Dort werden gemeinsam mit einem Lehrer die Hausaufgaben besprochen, bei Aufgaben geholfen und Schulaufgaben gestellt. Um 11 Uhr beginnen verschiedene Aktivitäten wie Vorbereitung für Kommunion/ Firmung, Tanzunterricht, Religionsunterrich, Sport oder mein Englischunterricht. Gegen halb eins gibt es dann Mittagessen. Dienstag bis Donnerstag geht die Arbeit für mich weiter. Die Kinder gehen nach dem Essen nach Hause und von dort nachmittags in die Schule. In der Casa Divina Providencia kommen dann die Senioren zum Mittagessen. Etwa um halb drei werden Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung von mir und anderen Mitarbeitern abgeholt. Dora, eine Mitarbeiterin der Divina Providencia und ich arbeiten nachmittags mit ihnen. Es wird gezeichnet, gebastelt und gewerkelt. Bis schließlich nach dem gemeinsamen Tee, alle wieder nach Hause gebracht werden. Jetzt ist auch mein Arbeitstag in der Casa Divina Providencia zu Ende.

Da das Personal gleiche blieb, allerdings doppelt so viele Kinder aufgenommen wurden, ist die Arbeit etwas schwieriger geworden. Insgesamt sind es momentan 56 Kinder die morgens zur Betreuung und zum Essen kommen. Das wirft nicht nur das Problem auf, wie man die Kinder mit nur vier Lehrern ausreichend fördern kann, sondern es fehlt auch an Essen. Momentan ist noch keine Lösung des Problems in Sicht.

Es gefällt mir immer noch super in der Divina Providencia und ich genieße, dass ich mich immer besser in Oran und bei der Arbeit zurecht finde und ich werde zunehmend selbständiger. Die Arbeit im Hogar geht dabei allerdings ein bisschen unter. Doch da im Februar eine neue Freiwillige angekommen ist, die den halben Tag im Hogar arbeitet, ist das ein Ausgleich für die Kinder.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen/Euch ein Einblick in meine Arbeit und mein Leben hier in San Ramon de la Nueva Orán geben. Für Interesse und Spenden bedanke ich mich auch im Namen der Kinder schon mal jetzt recht herzlich.

Liebe Grüße

Sophia Strittmatter

Weihnachten in Nordargentinien

Dienstag, 18. Januar 2011

Seit mehr als drei Monaten lebe ich in Orán. So langsam kehrt auch für mich der Alltag ein. Ich ordne und verarbeite die vielen neuen Eindrücke. Nun also mein zweiter Eintrag über meine bisherige Zeit aus einer Stadt Argentiniens an der Grenze zu Bolivien.

Anfang Dezember liefen die Vorbereitung für Weihnachten in vollem Gange. Für mich war es nicht leicht in Weihnachtsstimmung zu kommen, weil es doch anders ist bei 30, 40 Grad Plätzchen zu backen, als bei Kälte und Schnee. Da halfen auch die kitschigen Plastikweihnachtsbäume und die bunt beleuchteten Krippen nicht weiter.

Trotzdem bastelten die Kindern gemeinsam mit mir eifrig Weihnachtsschmuck und eine Krippe. Ende Dezember haben die Schulsommerferien begonnen. Sie dauern bis Ende Februar. Da auch das alte Schuljahr endete, fand  in der letzen Schulwoche fast täglich eine Abschlussfeier statt.

Ich wurde unter anderem zum „Acto“ in der Escuela Especial eingeladen. Diese Schule ist die einzig Möglichkeit in Orán für Kinder und Jugendliche mit Behinderung eine Schulausbildung zu erhalten. Der Grad der Behinderung der Schüler ist sehr       unterschiedlich. So gibt es eine Klasse mit tauben oder stummen Schülern, die Unterricht in der Zeichensprache bekommen. Andere Klassen sind nach Alter aufgeteilt. Die Schule ist mit etwa 200 Schülern recht groß, allerdings reichen die Plätze bei Weitem nicht aus, alle behinderten Kinder aus Orán aufzunehmen. Außerdem gibt es für Körperbehinderte kaum Platz. Was mir sehr gefallen hat, in der Schule gibt es eine kleine Bäckerei, in der ab und zu Schüler backen. Ansonsten gibt es leider nur eine beschränkte Anzahl von Klassenräumen, die nicht ausreichend für die Kinder ausgestattet sind. Trotzdem haben mir die Abschlussfeiern sehr gefallen. Die Kinder haben getanzt, gesungen und danach  gab es ein kleines Essen.

In der Schule gibt es, wie fast an allen Schulen, zwei „Unterrichtsphasen“, das bedeutet Vormittags- und Nachmittagsunterricht. Zwei meiner Arbeitskollegen aus der Casa Divina Providencia arbeiten nachmittags an der Escuela Especial. Einer davon ist der einzige Lehrer für Gehörlose/ Stumme in Orán. Da die Jugendlichen die Schule mit bereits neunzehn Jahren verlassen müssen, sie weder Arbeit in Orán finden, noch sonstige Aktivitäten oder Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden, nimmt die Casa Divina Providencia einige wenige der Menschen mit Behinderung auf. Leider gibt es nur eine Erzieherin in der Casa Divina Providencia, die nachmittags mit den Jugendlichen zusammen arbeitet. Ich möchte sie nach den Ferien bei dieser Tätigkeit unterstützen und hoffe, dann ab Februar zwei oder drei Nachmittage mit den Jugendlichen mit Behinderung zusammen arbeiten zu können. Was mich sehr stört und aufwühlt, ist die Tatsache, dass es für  Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen hier in Orán keinerlei Möglichkeiten gibt, sie zu beschäftigen. In der Stadt befindet sich nur die oben erwähnte Schule, die nicht alle aufnehmen kann und für die Schüler, die dort unterrichtet werden, gibt es nur begrenzt Unterrichtsmöglichkeiten. Es fehlt der Schule an geeignetem Personal und an der Ausstattung. Ansonsten gibt es noch das Centro San José mit dem Angebot der  Physiotherapie. Hier wohne ich. Fabian, ausgebildeter Physiotherapeut, der hier als Freiwilliger arbeitet, bietet Therapien an, die die Eltern nicht bezahlen müssen. Nach meinen Kenntnissen gibt es zu wenig Anlaufstellen für Menschen mit Behinderung. Die Menschen mit Behinderung finden nach dem Schulabgang keine Arbeit. Es wurde mir erzählt, bisher arbeite nur ein ehemaliger Schüler der Escuela Especial in einer Bäckerei und die gehöre seinen Eltern. Die meisten Kinder mit Behinderung sind den ganzen Tag zu Hause und machen „nichts“. Schade ist, dass man die Schüler der Sonderschule nach einer erfolgten Schulausbildung ins „nichts“ laufen lässt und dadurch die Erziehung und die Schulbildung innerhalb wenigen Jahren abflacht.

Nun aber zurück zu meinen „Hauptaufgaben“. Auch in der Divina Providencia war in den letzter Wochen vor den Ferien viel Basteln angesagt. Leider mussten wir in dieser Zeit den sehr beliebten Hermano Carlos verabschieden. Er wurde nach Buenos Aires versetzt. Er hat zwei Jahre in der Casa Divina Providencia gearbeitet und ist in der kurzen Zeit, in der ich hier arbeite, auch mir ans Herz gewachsen. Da momentan nur zwei Brüder in der Casa arbeiten, wird seine Versetzung ein Verlust sein. Er hat dort sehr viel gearbeitet und wer zukünftig seine Aufgaben übernimmt, ist noch unklar. Wir haben seine Verabschiedung gebührend gefeiert. Es gab zum Abschied ein Krippenspiel, Weihnachtsgeschenke sowie Abschiedsgeschenke und ein Festessen.

Ein Wochenende waren drei meiner Kollegen der Casa, die anderen zwei deutschen Freiwilligen und eine Bekannte gemeinsam mit elf Kindern auf dem Land. Etwa fünf Stunden  von Orán entfernt haben wir das Wochenende  auf einer „Finca“ verbracht. Das ist ein Bauernhof. Allerdings muss man sich das anders als in Deutschland vorstellen. Die Fincas sind oft Villen, die mitten im Nichts errichtet worden sind oder aber bescheidene Hütten. Auch wir mussten nach längerer Fahrt noch etwa eine Stunde auf einer Schotterpiste über Land fahren bis wir an dem Haus angekommen sind. Dort gab es weder Strom noch Wasser. Duschen mussten wir uns mit Flusswasser und das Licht wurde von einem Motor erzeugt, der nachts abgeschaltet wurde. Die Besitzer der Finca haben zurzeit etwa 100 Rinder auf diesem Land. Außerdem gibt es Pferde und jede Menge Hunde. Ein Arbeiter, der neben der Finca wohnt, hält das Haus instand. Auf dem Weg ins etwa eine Stunde entfernte Dorf Rosario de la Frontera habe ich Nandus gesehen, die dort wild leben. Mit den Kindern haben wir am Fluss gebadet und ich konnte in das Leben auf einer Finca hinein schnuppern. Das Asado und Ziegenfleisch haben das Gefühl von „Abenteuer und Freiheit“ untermalt. Das Wochenende zeigte mir eine ganz andere Seite des Lebens hier im Norden Argentiniens. Auf einer Finca leben, draußen in den weiten der Natur, kiloweise Fleisch grillen und abends den anderen beim Singen und Gitarrespielen lauschen. Natürlich war es nicht „nur“ Urlaub, da es noch elf Kinder zu beschäftigen galt, aber es war ein kontrastreiches Wochenende und ich hatte manchmal Zeit, die frische, klare Luft ohne Müllgestank und das ruhige Leben auf dem Land zu genießen. Die Kinder „müssen“ weder für Benzinkosten noch für das Essen bezahlen. Da solche Aktivitäten für einige der Kinder die einzige Möglichkeit ist, aus Orán „raus“ zu kommen, werde ich den Landausflug mit Spenden unterstützen.

Auf der Heimfahrt ging dann leider noch der Kleinbus der Casa Divina Providencia kaputt, sodass wir erst spät nachts nach Hause gekommen sind. Dort haben wir erfahren, dass über das Wochenende das reinste Chaos in Oran herrschte. Bei 51°C im Schatten gab es zwölf Stunden weder Strom noch Wasser. Ein Glück, dass wir weit weg waren und davon nichts mitbekommen haben.

Nach ein paar Urlaubstagen und nachdem ich die Festtage gut verbracht habe, bin ich  wieder in Orán.

Ich  wünsche Ihnen/Euch ein glückliches Neues Jahr

Liebe Grüße

Sophia Strittmatter



Arbeit in Budge

Sonntag, 02. Januar 2011

Im November bin ich nach Iguazu gereist. Meine hohen Erwartungen an die Wasserfälle wurden nicht enttäuscht. Ein gewaltige, beeindruckendes Erlebnis.

Auf dem Rückweg habe ich noch ein paar erholsame Tage in San Pellegrino, ein kleines Dorf ohne Bank, Supermarkt und Restaurant, verbracht, Außer ein paar Lodges, wenigen Touristen, vielen Tiere, viel Wasser und unendlich viel Ruhe, gibt es dort gar nichts.

 

 

Gut erholt, wollte ich dann in meinem Einsatzort meine Ideen in Angriff nehmen.

Saubere Campo

Zunächst ein Eigenversuch. Auf meinen Weg in den Campo und zurück sammelte ich Plastikflaschen.

in 30 Minuten gesammelt

In einer halben Stunde hatte ich zwei große Tüten vollgestopft und bekam dafür 7 Pesos. Eine Putzfrau verdient in einer Stunde 10 Pesos. Es war schon ein etwas komisches Gefühl mich mit meinen Säcken auf den Recyclinghof zu wagen. Aber die Arbeiter waren total nett. Ich musste nicht einmal anstehen. Als „Kleinstverkäufer“ wird man sofort abgefertigt.

Mit dem Wissen, dass es sich lohnt Flaschen zu sammeln, verteilte ich dann Handzettel:

Das Geld liegt auf der Straße – 1 Kilo Plastik 1,50 Pesos – Aktion sauberer Campo“ und dann noch, weil die Kinder hier sehr wichtig sind „Denkt an eure Kinder – Plastik zu verbrennen ist giftig“. Ich hatte auch einen Treffpunkt und zwei Zeiten angeboten. Keiner kam. Ich hatte es schon vermutet. Also weiter Vorbild sein und im Campo immer mit Säcken für die Flaschen unterwegs. Zunächst wurde ich darauf hingewiesen: „Da liegt noch eine Flasche1“ und auch schon mal gefragt, warum ich das mache. Dann fingen die Kinder an, mir zu helfen.

Jetzt treffe ich mich regelmäßig mit zwei Jungen (7 und 10 Jahre alt) und wir sammeln gemeinsam.

Ale (7)                                         Juan (6)

Karton und Plastikflaschen für 27 Pesos

Lukas (10)

Die Jungen wollen alles mitnehmen, auch Glas und Karton. Gegen Glas habe ich mich gewehrt, weil ich das meiste tragen muss und das zu schwer wird. Ich versuche jetzt eine Karre zu kaufen, die im Campo in der Station der Caritas stehen kann und auch ausgeliehen werden kann.

Wenn wir in den Straßen Flaschen aufheben, rufen und oft Leute heran und geben und ihre gesammelten Flaschen. Den Cartoneros wird die Arbeit zum Teil auch erleichtert, weil viele Haushalte ihren Müll trennen und Plastik im extra Beutel an die Mülleimer hängen. Es trotzdem unglaublich dreckig.

Wenn ich täglich mit einer Karre ca, 4 Stunden Müll sammeln würde, könnte ich davon einigermaßen leben. Da verwundert es nicht, dass bei einigen Kartoneros neben der Pferdekarre noch ein Auto parkt.

Ein Nachmittag für Frauen

Mit den Frauen etwas zusammen zu machen gestaltet sich schwierig. Mein erster Anlauf scheiterte kläglich. Ich hatte Plakate gemalt und Villy, eine Señora, die viele Frauen im Campo besucht, gebeten Werbung für mein Projekt zu machen. Meine Plakate wurden am Tag des ersten Treffens ausgehängt. Es kam lediglich Julia, die ich angesprochen hatte, um mit mir zu malen.

Einen neuen Versuch startete ich mit Hermana Casimira. Diesmal gingen wir gemeinsam mit kleinen Handzetteln von Hütte zu Hütte. Die Frauen zeigten sich interessiert, erwähnten aber, dass sie wenig Zeit hätten.

Zum ersten Treffen erschienen zwei Frauen. Mit zwei Hermanas Azul, Villy, und mir, waren wir etwas überbesetzt. Noch kurzer Zeit wimmelte es von kleinen Kindern, die jetzt regelmäßig kommen.