Wo fange ich denn am besten an zu erzaehlen?
Vielleicht damit, wo und wie ich lebe:
Zurzeit lebe ich mit zwei amerikansichen Volunteers zusammen in einem grossen Haus in einer der besseren Gegenden Dodomas. Wir haben Wasser und meistens Strom und Gasplatten, was echt gut ist, wenn es mal wieder keinen Strom gibt! Kleidung muss ich mit der Hand waschen, aber das ist nicht schlimm. Nur mussten sich meine Haende erst daran gewoehnen. Bis vor kurzem hat auch noch eine andere deutsche Freiwillige, Jana, mit uns zusammen gelebt. Sie hat mit sehr geholfen, hier in Dodoma anzukommen und mich zuhause zu fuehlen. Fuer dieses guten Start bin ich ihr echt dankbar! Essen, also Gemuese, Obst, Reis und so weiter, kaufen wir direkt vom Markt oder von einem der kleinen Staende, die es an jeder Strassenecke gibt. Das ist echt toll, so frisches Gemuese und Obst zu bekommen! Und es kommt auch nicht von weit her: Dodoma ist zwar sehr trocken, aber in anderen Gegenden Tansanias kann gut Landwirtschaft betrieben werden. Und die meisten Leute leben hier von der Landwirtschaft, viele sind Subsistenzbauern und verkaufen die wenigen Ueberschuesse, die sie nicht brauchen. Also keine Massenproduktion! Und das gilt auch fuer das Fleisch hier. Viele haben ein paar Kuehe, Ziegen oder Huehner. Ich finde es gut zu wissen, dass das Fleisch auf deinem Teller von der Kuh vor deiner Tuer kommt! Weil die anonyme Fleischindustrie in Deutschland, wo Tiere nicht mehr wie Lebewesen behandelt werden, finde ich schrecklich! Die Jesuiten sind sehr nett und wir sind bei ihnen immer herzlich willkommen, das ist echt schoen. Die Gottesdienste hier sind wirklich Feste! Uebervolle Kirchen mit froehlichen Gesaengen! Leider verstehe ich noch nicht so viel, weil die Messen in Kiswahili sind, aber langsam aber sicher lerne ich immer mehr Kiswahili. Und die Kommunitaets-Abende bei den Jesuiten, die aus Messe, Abendessen und froehlichem Zusammensein bestehen sind auch immer sehr schoen.
So, jetzt komme ich zu meiner Arbeit:
Drei Tage in der Woche arbeite ich in der St. Ignatius Primary School, einer Grundschule. Ich unterrichte in Standard 2 und ein bisschen in Standard 1, das entspricht der 2. und 1. Klasse. Eigentlich gibt es genug Lehrer, aber jeder ist froh, wenn ich Arbeit von ihm oder ihr uebernehme, vor allem das Korrigieren! Leider schlagen die meisten Lehrer noch. Und da die Kinder daran gewoehnt sind, ist es echt schwer, ohne Schlagen zu unterrichten. Aber ich hoffe, dass es noch besser wird. Aber dass ich die Lehrer davon ueberzeugen kann, nicht mehr zu schlagen, bezweifel ich, da sie nicht so gut ausgebildet sind und keine anderen Wege des Unterrichtens kennen. Aber ich gebe mein bestes und versuche die Hoffnung nicht zu verlieren. Was ich jetzt versuche ueberwiegend zu machen, ist, Foerderunterricht zu geben. In der 2. Klasse gibt es immer noch ein paar, die nicht Lesen koennen. Sie nehme ich aus dem regulaeren Unterricht heraus und versuche ihnen zu helfen. Das macht sonst keiner und die anderen Lehrer kuemmert das nicht, “ist eben so”. Aber bei Klassen mit 50 Kindern ist das ja auch kein Wunder, dass nicht alle gleich schnell mitkommen. Ein paar andere koennen kaum Englisch und ihnen versuche ich, in Englisch zu helfen, da ja der ganze Unterricht in Englisch ist! Und wie sollen sie mitkommen, wenn sie den Lehrer nicht verstehen?
Die anderen zwei Tage arbeite ich im Cheshire-Home, einem Heim fuer geistig behinderte Kinder. Die Arbeit dort macht mir echt Spass, aber auch hier ist es nicht einfach. Die Kinder sind sehr verschieden, jeder braucht eigentlich Einzelfoerderung. Aber mit 10 Kindern in einem Klassenzimmer und einem anderen Lehrer ist das nicht moeglich. Und viele Lehrer und Mamas sind nicht so motiviert, mit den Kindern was zu machen, sie zu foerdern oder selbst etwas dazuzulernen. Im Moment ist noch eine neuseelaendlische Freiwillige da, die eigentlich die Lehrer dort weiterbilden soll, aber die verweigern die Hilfe und die Ideen, die sie ihnen geben koennte, das ist echt schade. Das andere Problem ist das Material. Es gibt zwar ein paar Spielsachen, aber die sind ziemlich kaputt (z.B. ein Dreirad mit nur einem Rad) und auch nicht wirklich geeignet fuer die Kinder. Aber es fehlt an Geld, um geeignetes Material zu kaufen.
So, jetzt habt ihr zumindest einen kleinen Eindruck von meinem Leben hier. Wenn jemand was genauer wissen will oder ueberhaupt Fragen hat, dann fragt mich einfach. Es ist nicht so einfach, einen Ueberblick oder Eindruecke von hier aufs Papier zu bringen. Ich bin sehr dankbar ueber eure Unterstuetzung, sei sie in Gedanken oder finanziell! Asante sana!
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