Archiv für September 2010

Erster Rundbrief aus Upper Egypt

Sonntag, 05. September 2010

Liebe Familien, Freunde und Spender,

seit unserer Abreise sind inzwischen gut drei Monate vergangen und der Alltag hat uns voll im Griff.

Ziemlich schnell hat man uns hier in die Herzen geschlossen, was nicht zuletzt von der Freundlichkeit und Warmherzigkeit der Ägypter zeugt. Auch die Kinder haben uns sehr geholfen hier sehr schnell heimisch zu werden. Mit ihrer offenen Art und ohne Scheu gehen sie auf Fremde zu – es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn 30 Kinder oder mehr auf Dich zu stürmen, Dich umzingeln und nach Deinem Namen, Deiner Herkunft und viele andere Dinge fragen, die man zuerst auf Grund fehlender arabisch Kenntnisse gar nicht versteht J

Schnell haben wir hier auch Freunde gefunden mit denen wir hin und wieder abends auf ein Glas frischen Mangosaft gehen. Es dauerte auch nicht lange, da erhielten wir von einer Familie unsere erste Einladung zu einem Abendessen.

Inzwischen waren wir auf mehreren Hochzeiten, Verlobungsfeiern und ähnlichen familiären Feierlichkeiten und wurden schnell mit ägyptischen Gewohnheiten, Lebensmitteln, Bräuchen und alltäglichen Dingen vertraut gemacht.

Nach unserer Ankunft hatten wir die Gelegenheit die verschiedenen Projekte der Jesuits & Brothers Association kennen zu lernen. Die Association möchte mit ihrer Arbeit Bildung und Kreativität fördern. Den Menschen eine Möglichkeit für eine bessere Zukunft geben, egal welcher Herkunft, Behinderung, Moslem oder Christ. Außerdem ist der Association wichtig eine Verbindung zwischen Christen und Moslems zu schaffen.

Thomas arbeitet 4 Tage/Woche in den Büros der Association, repariert dort die Computer der Mitarbeiter, behebt Fehler im internen Netzwerk und wird sich später um einen neuen Webauftritt der Association kümmern. Zudem bietet er den Mitarbeitern einen Computerkurs an, indem er speziell auf deren Bedürfnisse eingeht und seit kurzem schult er auch eine Jugendklasse.

Die anderen 2 Tage verbringen wir gemeinsam im Gad El Sid Center, einer Kindertagesstätte im ärmsten Stadtteil El-Minias und geben dort Englisch Unterricht.

Karin arbeitet in der Heba Class – Heba bedeutet im arabischen „Geschenk Gottes“. Dort werden 55 muslimische und christliche Kinder mit Kinderlähmung, Down-Syndrom und Autismus gefördert. Hauptaufgabe ist die Sprache, Motorik, Sozialverhalten und lebenspraktische Fähigkeiten zu verbessern. Die älteren Kinder werden in Lesen, Schreiben und in den Grundrechenarten unterrichtet.

Im April dieses Jahres gab es einen Gruppenleiterwechsel. Randa begann als neue Gruppenleiterin und mit Karins Unterstützung wollen sie viele Dinge ändern und stecken voller Tatendrang. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Die neun Trainer waren und sind noch oft überfordert, haben oft keine Ideen mehr oder es fehlt oft am richtigen Umgang mit den Kindern. Vor allem die autistischen Kinder leiden darunter keine geeigneten Trainer zu haben. Die Eltern und auch die Trainer sind froh, jemanden aus Deutschland zu ihrer Unterstützung bei sich zu haben.

Ganz typisch „deutsche Mentalität“ begann Karin den Schrank mit Spielen durchzusortieren und defekte Spiele auszumustern wobei sie schmerzlich feststellte, dass kaum geeignete Spiele vorhanden sind. Massenweise Holzpuzzle sind vorhanden in denen die Kinder sechs verschiedene Früchte in die richtige Form setzen müssen, defekte Handpuppen, 2 Bälle für 55 Kinder etc. Zum einen fehlt die finanzielle Möglichkeit neue Spiele zu kaufen, zum anderen haben wir gesehen was die Spielwarenhändler der Stadt im Sortiment führen – und das ist sehr mager.

Seit Anfang August wird Karin in die regelmäßigen Meetings mit einbezogen die zwischen dem Bereichsleiter, der Gruppenleiterin und den Trainern stattfinden. Ab Mitte September beginnt ein neues Schuljahr. Karin wurde sogar gebeten am neuen Jahres- und Monatsplan für die Kinder mitzuarbeiten. Von Juni bis September sind in Ägypten reguläre Sommerferien. In diesem Zeitraum kommen auch weniger Kinder zu uns und haben somit ein spezielles Sommerprogramm.

Jeder Trainer hat eine eigene Klasse, die nach Alter und Krankheit eingeteilt sind. Karin wird die nächsten Monate jeweils eine Woche mit einem Trainer verbringen und zweimal im Monat wird in einem Meeting über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert.

Zusätzlich möchte Karin noch einen Vortrag über Autismus halten, da die meisten Trainer kaum etwas über die Krankheit Autismus, Symptome, Entstehungsweise sowie therapeutischen Umgang wissen.

Wir haben gesehen, wie man in der Association verstärkt darauf achtet, den Kindern Hygiene etc. beizubringen und wie wichtig es allen ist, dass darauf geachtet wird. Allerdings mussten wir mit Schrecken fest stellen, in welchem Zustand sich das Bad der Heba Class befindet. Eine einzige Toilette für 55 Kinder. Die Kinder und Trainer haben drei kleine Räume zur Verfügung, was momentan noch Ihr Bad darstellt. In einem der Räume befindet sich eine Toilette, im anderen steht ein Gasofen und ein Waschbecken und der dritte Raum ist eine kleine Abstellkammer. (Siehe Bilder)

Daher ist es im kommenden Jahr unser Hauptanliegen das Bad komplett neu zu renovieren.

Alle bisherigen und auch alle  zukünftige Spendengelder werden zur Umsetzung dieses Projekts verwendet.

Mit 30 Euro kann man zum Beispiel schon ein Waschbecken kaufen, Duscharmaturen kosten 25 Euro, eine Toilette kostet 90 Euro. Ein vorliegender Kostenvoranschlag für den gesamten Umbau beläuft sich auf 1250 Euro / 9000 Pfund. (Umrechnungsfaktor 1 Euro etwa 7,20 Ägyptische Pfund) Eine Trainerin verdient hier 750 Pfund pro Monat.

Wie ihr steht kann man mit 30 Euro schon viel in Ägypten erreichen.

Wir wissen um die unzähligen Naturkatastrophen, nach Haiti ist jetzt auch Pakistan. Und wir wissen auch, dass vielen das Geld und auch die Geduld zu Spenden verloren geht, aber bitte nehmt Euch ein Herz und spendet für unser Projekt, denn eines ist sicher: Eure Gelder kommen genau hier an – darauf geben wir unser Wort!

Wir würden uns sehr freuen wenn ihr uns hierbei unterstützt, vielen herzlichen Dank hierfür schon im Voraus.

Liebe Grüße

Karin & Thomas Fahn

Mehr Bilder sind auf unserem Blog     www.ktfahn.bplaced.net zu sehen

nach 6 Wochen in Kakuma…

Sonntag, 05. September 2010

Einige wenige Woerter oder Phrasen (Danke, Guten Morgen, Hallo, wie geht’s) in verschiedenen Sprachen (Somali, Turkana-Kenia, Kibembe-Kongo, Aethipoien, wie die Sprache heisst, habe ich gerade nicht parat, Kiswahili), entlocken manchen hier ein Laecheln, vielleicht auch, weil ich ja ein “Mzungu” (Weisser/Europaeer),welch internationales Gemisch aus mittlerweile knapp 80.000 so unterschiedlichen ostafrikanischen Menschen und Kulturen…

Bemerkenswert die Gleichzeitigkeit von Widerspruechen oder einfach die grosse, nicht/schwer in meine Vorstellung (von “Fluechtling”) passende Realitaet:

“Fluechtling sein” in Kakuma =

= alles verloren haben (Familie, Heimat, Besitz, Papiere), in der Fremde unter Fremden leben muessen, auf Hilfe angewiesen sein, auf Genehmigungen, Essen, Feuerholz, Rationen warten, in Unsicherkeit und Unklarheit leben, wie und wann es wohin weitergeht und ob ueberhaupt…

= BesitzerIn eines Restaurants  sein, Geschaefte betreiben, Fernseher und DVD-player haben, viele Beziehungen pflegen, auf einen aethipischen Kaffee oder ein Cola gehen, ein Taxi nehmen von Kakuma 2 nach Kakuma 1, ca. 5 km), mit dem Handy im Internet surfen, vielsprachig und weltgewandt sein…

= heimatlos, einsam und voller Sehnsucht und Trauer sein nach Kindern, Frau, Geschwistern oder Eltern, nicht wissen, wer von ihnen ueberhaupt noch lebt, nicht wissen wo, seit Jahren keine Nachricht, wuetend sich zurueckziehen, gegen die Sinnlosigkeit fuer Hoffnung kaempfen…

= im Fluechtlingslager zuhause sein, hier geboren (ein-geborene/r), immer hier gelebt haben, ein-heimisch sein und doch keine Kenianerin, alles und Jede/n kennen, multikulturell und verwurzelt in der je eigenen “Community” (Somalia, Sudan, Congo, Aethiopien, Ruanda, Burundi), alles hier haben, Familie, FreundInnen, Kinder, Besitz, die alte Heimat nie gesehen haben…

= auf  “resettlement” (USA, Canada, Australien…) warten muessen, nicht mehr ins Heimatland zurueck koennen, nach 19 Jahren noch einmal ins absolute Unbekannte aufbrechen muessen, endlich kein Fluechlting mehr sein muessen, Traum?

Ich esse:

Bohnen, Reis, Karoffel, Ugali (Maisbrei), Gemuese, Ziegenfleisch, Eier, viel abgekochtes Wasser, weisses Toastbrot, Haltbarmilch und Instantkaffee oder Tee, Margarine und Marmelade, Fisch manchmal und Wassermelonen, Orangen oder Ananas und aethiopisch im Camp, mit der Hand und sehr lecker… eigentlich mehr als ich erwartet habe, weil Fluechltingslager klingt so karg…Ach ja, bin ja selbst kein Fluechlting…

Ich wohne:

nicht im Lager selbst, sondern in einem abgezaeunten und bewachten Bereich neben dem Lager, gemeinsam mit den MitarbeiterInnen von JRS und anderer Organisationen (UNHCR, WFP, LWF, GTZ, Windle Trust, Film Aid… ich mag die Abkuerzungen, ist wie im Krankenhaus, Geheimsprache…), auch unsere Bueros sind in diesem “compound” und zumeist gibt es Strom aus dem Generator und das Wasser ist kalt, wenn es kuehl ist und heiss, wenn es heiss ist, und ab 19 Uhr (nach Sonnenuntergang) ist es aus Sicherheitsgruenden nicht erlaubt, unseren Bereich zu verlassen, also lesen oder reden oder ein Bier im einzigen Lokal oder schlafen unter blauem Moskitonetz (weil Malaria). Auch die Fluechtlinge duerfen das Lager nur untertags verlassen, Es gibt im Lager immer wieder naechtliche Ueberfaelle, manchmal auch von einheimischen Turkanas, die selber bitterarm leben, Neid (?) auf die “gut versorgten” Fluechtlinge…

Ich arbeite:

professionell, Bueros und 2 Jeeps und 3 “Day-Care-Centres” mit unterschiedlichen Angeboten und ca. 15 Leuten aus Kenia, Tanzania, den USA, Australien und  Tschechien im “main office” gemeinsam mit 160-180 angestellten Fluechtlingen  (BetreuerInnen der psychisch kranken KlientInnen, BeraterInnen (“Community counselors”) unterwegs in den verschiedenen Teilen des Camps, “Guards” zum Schutz der von Gewalt oder Zwangsheirat gefaehrdeten Maedchen und Frauen, TrainerInnen fuer die Aus- und Weiterbildung der angestellten Fluechlinge, SonderpaedagogInnen, “alternative healers” fuer Koerper- und Fussreflexzonenmassage)

Danke fuer Eure Gedanken und Gebete!

Peter

PS: Wer fuer die Projekte von JRS-Kakuma spenden will:

Spendenkonto “Menschen für andere – Jesuitenaktion”

PSK KontoNr.: 7086 326

BLZ: 60 000

BIC: OPSKATWW

IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326

Verwendungszweck “Peter Hochrainer JRS Ostafrika”

Ahsante! Danke!

Grüße aus Piura, Peru

Donnerstag, 02. September 2010

Die Fahrt nach Piura mit dem Bus verlief reibungslos wenn auch mit 21 Stunden ein wenig anstrengend. Wer mich  besuchen möchte der fliegt vielleicht besser gleich nach Piura. Der Reiz der Landschaft nimmt nämlich nach der Grenze rapide ab und man fährt in die Wüste.

Zu Piura ist zu sagen: eine Stadt die man in einer Stunde einmal zu Fuß durchqueren kann, es nix touristisches zu sehen gibt und von Früh und Abend mal abgesehen immer die Sonne scheint. Im Moment ist “Frühling” und wir haben mollige 26 – 28°.

Meine Familie “Cruz” besteht aus Gastbruder mit 28 Jahren, Gastmutter mit 63 Jahren und der Großmutter mit 86 Jahren. Zum Abend kommt auch immer noch der Opa zum Essen vorbei. Nicht zu vergessen ist der sehr lebhafte Hund, eine scheue Katze und eine alte Schildkröte die ihre Zeit in einer Waschwanne ab fristen muss. Wohnen tue ich in einem eigenen ca.

8 Quadratmeter großen Zimmer mit Bett und Kommode. Aus dem Fenster schaue ich auf den Gang und dann auf die Hauswand vom nächsten Haus. An dieser Stelle sehr hervor zu heben ist die peruanische Küche die im Gegensatz zu Ecuador wirklich viel zu bieten hat. Tolle Soßen, viel Reis und super tollen Fisch der hier ganz viel in der Region gefischt wird.

An dieser Stelle auch zu erwähnen das Piura ein wenig mit Vorsicht zu genießen ist da immer wieder Leute überfallen werden und alle ihre Sachen abgeben müssen. Da gewöhnt man sich aber schnell dann einfach nix ein zu stecken, keine Uhr und keinen Schmuck zu tragen und meistens auch keine Kamera mit zu nehmen.

Busse gibt es hier zwar aber wesentlich häufiger wählt man die Mototaxis. Eine Art Rickscha mit dem Motorrad vorne dran. Kann aber auch mal vorkommen das ein privat Motorrad vor einem anhält und einen ein wenig günstiger wo hin fährt.

Bekanntschaft durfte ich dann auch schon mit den hiesigen Erdbeben machen. Eins mit ca. Stärke 5 empfing mich am zweiten Morgen hier, laut der Aussage der Leute hier ist es aber eher die Seltenheit und es war schon eins der stärkeren. Hat aber wirklich nicht heftig vibriert, ich lag grad im Bett.

Das Projekt in dem ich nun Arbeite gliedert sich in zwei Hauptsparten:

“Manitos Creciendo” und “Manitos Trabajando”. Ersteres kümmert sich um Jugendliche die schon auf dem Markt oder sonst wo arbeiten und am Abend für vier Stunden eine Ausbildung machen. Dort kann dann Schneider, Frisör, Koch und Mechaniker erlernt werden.

Manitos Trabajando kümmert sich um Kinder die noch zur Schule gehen aber Zuhause nicht die nötige Unterstützung bekommen. Dort gibt es Frühstück, Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Sportunterricht und für jeden eine Dusche da die Kinder meistens kein Wasser Zuhause haben.

Ausgelagert in den die Stadt umschließenden ärmeren Vierteln groß teils ohne Wasser und Licht gibt es 3 so genannte “Ludothekas” Spielotheken.

Dort in mitten vom “Slum” (ist vielleicht ein zu hartes Wort) steht dann also ein Raum mit Spielzeug, Malstiften und Bällen wo zwei Mal in der Woche Freiwillige hinkommen und mit den Kinder spielen und Hausaufgaben machen.

Aber auch die schon fertigen “Azubis” kommen zurück um noch mit zu helfen. Da gibt es dann eine Theatergrupper die Stücke mit verschiedenen lehrreichen Inhalten aufführt, oder Gruppen die mit Kleineren Aufklärungsunterricht macht.

Nach dem ersten Tag zum Ausruhen ging es zwei Tage nur darum sich alles mal an zu schauen. In der Kochklasse gabs als Willkommenstrunk gleich mal das nicht eben schwache Nationalgetränk: Pisco Sour. Jeder meint er kennt die richtigen Mischungsverhältnisse was zu folge hat da man es keinem recht machen kann. Hier das Schulbuchrezept: (2 Teile Pisco (Traubenschnaps), 1 Teil Eiweiß, 1 Teil Limettensaft, 1 Teil Zuckersirup und ein wenig Eis. Alles in der Mixer und am Schluss den Eischaum mit Zimt bestreuen.) Dann sind wir dann zum Beispiel auch mal über den recht großen Markt gelaufen um die ganzen Früchte der letzten Jahre zusehen. Ganz viele haben nach ihrer Ausbildung eine Arbeit gefunden und grüßten uns aus allen Ecken. Auch einen Einheit in der Ludotheka war dabei wo es dann so richtig ans spielen ging. Vor allem den kleinen Wilson hab ich sofort ins Herz geschlossen. Er ist noch ein bisschen zu klein um bei allem mit zu machen und auch recht schüchtern. Wirklich traurig mit anzusehen sind die häufig schlechten Zähne der Kids die auf Grund von fehlenden Bädern vernachlässigt werden. Auch der Nachhilfeunterricht ist nicht immer gerade einfach. Ein Junge aus den ersten Klassen hatte einfache Summenaufgaben bis 20 zu machen. Für seine Freunde aus der Klasse waren die auch echt kein Problem. Bei ihm hat es aber so gar nicht hin gehauen. Irgendwann hab ich ihn dann die Zahlen einfach nach einander aufschreiben lassen was auch nicht geklappt hat bis ich so langsam dahinter gestiegen bin, dass er nicht bis 5 zählen konnte. Dann folgte für mich eine äußerst frustige Stunde im Zählen bis 5 und einer Hand.

Was macht man wenn der Schüler nach der 50sten Wiederholung immer noch die 2 vergisst?

Das Wochenende war dann gefüllt mit einer wirklich schönen Taufe einer Tochter einer Mitarbeiterin der Projekts die im Freien im Sonnenuntergang nur mit einem Tisch und einer Tonschale stattfand.

Anschließend gings  ganz südamerikanisch feucht fröhlich wie in der Disco weiter. Mit der wirklich tollen Gruppe von vielleicht 12 – 15 Freiwilligen aus ganz Piura (ein großer Teil auch vom Deutschen Entwicklung Dienst) gings anschießend wirklich noch zum Tanzen.

Am Montag hab ich dann meinen ersten Arbeitsplan für die erste Woche bekomme. Frühs ab in die Küche und abends zu den Mechanikern. Mit der Küche ist aber nicht die Kochschule gemeint sondern die Küche wo für ca.

120 Schulkinder gekocht wird. Da kommen dann auch gleich ganz andere Sachen auf den Tisch. 90% Reis und Bohnen und ein klein wenig Tunfischsalat oder eine andere Beilage. Überhaupt das ganze kochen hier ist auf “Jeder Tropfen ist kostbar” ausgerichtet. Geleitet wird das Ganze von zwei wirklich herzlichen älteren Damen und von immer je nach Schulzeit wechselnden Kochschülern aus dem Projekt denen ich mich dann angeschlossen habe. Da man fürs Reiskochen aber bekanntlich keine 5 Leute braucht ist immer mal Leerlauf angesagt und es kann zu so tollen Beschäftigungen wie Reiskornzählen über gegangen werde. Man nehme sich einen 50 kg Sack Reis vom Markt und sortiere da dann 2 Stunden lang die schlechten Körner und die kleinen Ameisen aus. Tja, nicht so einfach wie in Deutschland das man den perfekt gewaschenen und einwandfreien Reis kaufen kann. Wusste ich vorher aber auch nicht, dass man den aussortieren muss.

Ein wenig spannender wird’s da dann schon am Abend bei den Mechanikern.

Hier werden 15 Jugendliche zwischen 16 und 19 ausgebildet die so wie ich das mitbekommen hab alle einen Gewalthintergrund haben und hier ihre zweite Chance bekommen. Die Ausbildung umfasst ein Jahr Abendschule und vormittags Praxis in Betrieben die Motorräder und Mototaxis reparieren.

Meine Chefin hier, eine super nette Powerfrau, hat sich riesig gefreut, da ich seit den 10 Jahren in denen es das Projekt wohl gibt der erste Freiwillige bin der zu den Mechanikern geht.

Alle super gut drauf und ein wenig mehr an mir als an der Arbeit interessiert. Da gabs dann auch gleich die erste Fragestunde was es denn so für Namen in Deutschland gibt, was da ein Auto kostet oder wie das mit der Sicherheit aussieht. Ganz lustig fand ich die Erklärung vom Lehrer als sie nicht verstanden haben was ich damit meine , dass es bei uns eigentlich keine Überfälle gibt und das man auch noch um 3 von der Disco nach Hause laufen kann. Die Erklärung vom Lehrer war dann: Wenn man da mit dem Fahrrad zum Bahnhof hin radelt und nach einer Woche mit dem Zug wieder kommt, dann steht das Fahrrad immer noch da. Das hat dann für ein großes Staunen gereicht. Die 4 Stunden Unterricht am Abend sind aber so wie so nicht wie bei uns immer dem Motorrad gewidmet. Gestern war eine einstündige Einheit über das Familienleben mit eingebunden. Da gab es  dann eine Geschichte über zwei streitende Brüder und Fragen wie: Wann hast du das letzte Mal deine Mutter gedrückt und ihr gesagt das du sie lieb hast? Und das in der Klasse von 16 – 19 Jährigen. Hier sieht man aber den ganzen Ansatz des Programms sehr gut. Jeder Jugendliche spricht einmal in der Woche mit einer Psychologin über seine Probleme. Fass diese das Leben zu Hause betreffen werden auch die Eltern hin zu gezogen. So kann sicher gestellt werden das die Eltern die Kinder auch weiter in den Unterricht gehen lassen und die Kids nicht mit psychischen Geschichten zusätzlich belastet sind.

Momentan schau ich da nur zu und versuche mal wieder mein großes Loch in den spanischen Motorradvokabeln zu stopfen. Ein Mechaniker der nicht mal weiß was Getriebe heißt, schon lustig.

Wirklich reizen tun mich aber die 6 Maschinen die da im Dornröschenschlaf vor sich hin rotten. 4 Drehmaschinen, eine Fräse und auch eine Säge. Eigentlich alles da um ein bisschen Schlosserausbildung mit dran zu hängen. Ich hab jetzt schon mal den Stein ins Rollen gebracht das ich vielleicht in den nächsten Wochen die ganzen Dinger wieder flott machen kann und es dann für die schon fertigen Jahrgänge einen Zusatzkurs geben wird. Das wäre natürlich richtig super weil ich dann was Sinnvolles zu tun hätte und auch viel von meinem Fachwissen weiter geben könnte. Auch der wohl ziemlich stiefmütterlich betriebene “Schweißkurs” könnte noch ausgebaut werden. Mal sehen, das Problem hier in Peru sind die langsamen Mühlen. Nach dem Ausbilder selber der dahinter stehen würde musste der Direktor des Programms gefragt werden.

Auch der fands gut, aber auch der muss wieder irgendeine Frau in der Administration um Erlaubnis fragen. Zeit hab ich ja nun ein wenig.

So viel also von meinen ersten zwei Wochen hier. Vielen Dank für die lieben Emails die ich bisher immer zurück bekommen hab. Falls es noch Frage gibt dann meldet euch, ich freu mich immer über Berichte aus der Heimat.

Kilian

Meine Adressen:

Kilian Lenz con Familia Cruz

C/ Amazonas N° 602 Castilla – Piura . Perú

Telefono: (073) 341779

oder vom Projekt:

Voluntario Kilian Lenz

Huancavelica 1134, Piura-Perú

Telefono: (073) 308400

Telefon aus Deutschland müsste dann sein: (0051) (073) 341779 vielleicht die Null von 073 weglassen!

*Der obligatorische Webeblock zum Schluss: *

Ich leiste meinen Zivildienst (Anderer Dienst im Ausland) von Juli 2010

bis August 2011 in Peru ab. Ich werde in der Stadt Piura

(320.000 Einwohner) ganz im Norden und in Küstennähe bei einer

Gastfamilien wohnen. Das Projekt in dem ich helfen werde

kümmert sich im weitesten Sinne im Kinder und Jugendliche. Von der

Hausaufgabenbetreuung über gemeinsame Ausflüge mit

den Kids bis zu einem ganzen Ausbildungsprogramm. Dort kann Frisör,

Koch, Schneider und Mechaniker gelernt werden.

Da ich bei einer gemeinnützigen Organisation helfen werde die sich

selber nur durch Spenden finanziert muss ein wenig Geld

für meinen Aufenthalt gesammelt werden. Das heißt im Klartext das ich

mit Versicherung, Haftpflicht und Taschengeld im Monat

ca. 130€ koste. Diese Kosten versuche ich also im Laufe des Jahres am

Spenden zusammen zu bekommen. Hierfür gibt es ein

eigens für mich eingerichtetes Spendenkonto bei dem man auch eine

Spendenquittung erhält wenn man bei der Überweisung

seine Adresse angibt. Falls das Spendenaufkommen den oben genannten

Betrag übersteigen sollte werde ich am Schluss des

Jahres zusammen mit Gabi, meiner peruanischen Chefin, entscheiden wo

dieses Geld möglichst sinnvoll im Projekt angelegt

werden kann.

Kontoinhaber:Jesuitenmission Nürnberg

Spendenkonto 5 115 582

Liga Bank, BLZ 750 903 00

Verwendungszweck: X38109 Kilian Lenz Peru

Für künftige Spenden meinen aller herzlichsten Dank.