Liebe Familien, Freunde und Spender,
seit unserer Abreise sind inzwischen gut drei Monate vergangen und der Alltag hat uns voll im Griff.
Ziemlich schnell hat man uns hier in die Herzen geschlossen, was nicht zuletzt von der Freundlichkeit und Warmherzigkeit der Ägypter zeugt. Auch die Kinder haben uns sehr geholfen hier sehr schnell heimisch zu werden. Mit ihrer offenen Art und ohne Scheu gehen sie auf Fremde zu – es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn 30 Kinder oder mehr auf Dich zu stürmen, Dich umzingeln und nach Deinem Namen, Deiner Herkunft und viele andere Dinge fragen, die man zuerst auf Grund fehlender arabisch Kenntnisse gar nicht versteht J
Schnell haben wir hier auch Freunde gefunden mit denen wir hin und wieder abends auf ein Glas frischen Mangosaft gehen. Es dauerte auch nicht lange, da erhielten wir von einer Familie unsere erste Einladung zu einem Abendessen.
Inzwischen waren wir auf mehreren Hochzeiten, Verlobungsfeiern und ähnlichen familiären Feierlichkeiten und wurden schnell mit ägyptischen Gewohnheiten, Lebensmitteln, Bräuchen und alltäglichen Dingen vertraut gemacht.
Nach unserer Ankunft hatten wir die Gelegenheit die verschiedenen Projekte der Jesuits & Brothers Association kennen zu lernen. Die Association möchte mit ihrer Arbeit Bildung und Kreativität fördern. Den Menschen eine Möglichkeit für eine bessere Zukunft geben, egal welcher Herkunft, Behinderung, Moslem oder Christ. Außerdem ist der Association wichtig eine Verbindung zwischen Christen und Moslems zu schaffen.
Thomas arbeitet 4 Tage/Woche in den Büros der Association, repariert dort die Computer der Mitarbeiter, behebt Fehler im internen Netzwerk und wird sich später um einen neuen Webauftritt der Association kümmern. Zudem bietet er den Mitarbeitern einen Computerkurs an, indem er speziell auf deren Bedürfnisse eingeht und seit kurzem schult er auch eine Jugendklasse.
Die anderen 2 Tage verbringen wir gemeinsam im Gad El Sid Center, einer Kindertagesstätte im ärmsten Stadtteil El-Minias und geben dort Englisch Unterricht.
Karin arbeitet in der Heba Class – Heba bedeutet im arabischen „Geschenk Gottes“. Dort werden 55 muslimische und christliche Kinder mit Kinderlähmung, Down-Syndrom und Autismus gefördert. Hauptaufgabe ist die Sprache, Motorik, Sozialverhalten und lebenspraktische Fähigkeiten zu verbessern. Die älteren Kinder werden in Lesen, Schreiben und in den Grundrechenarten unterrichtet.
Im April dieses Jahres gab es einen Gruppenleiterwechsel. Randa begann als neue Gruppenleiterin und mit Karins Unterstützung wollen sie viele Dinge ändern und stecken voller Tatendrang. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Die neun Trainer waren und sind noch oft überfordert, haben oft keine Ideen mehr oder es fehlt oft am richtigen Umgang mit den Kindern. Vor allem die autistischen Kinder leiden darunter keine geeigneten Trainer zu haben. Die Eltern und auch die Trainer sind froh, jemanden aus Deutschland zu ihrer Unterstützung bei sich zu haben.
Ganz typisch „deutsche Mentalität“ begann Karin den Schrank mit Spielen durchzusortieren und defekte Spiele auszumustern wobei sie schmerzlich feststellte, dass kaum geeignete Spiele vorhanden sind. Massenweise Holzpuzzle sind vorhanden in denen die Kinder sechs verschiedene Früchte in die richtige Form setzen müssen, defekte Handpuppen, 2 Bälle für 55 Kinder etc. Zum einen fehlt die finanzielle Möglichkeit neue Spiele zu kaufen, zum anderen haben wir gesehen was die Spielwarenhändler der Stadt im Sortiment führen – und das ist sehr mager.
Seit Anfang August wird Karin in die regelmäßigen Meetings mit einbezogen die zwischen dem Bereichsleiter, der Gruppenleiterin und den Trainern stattfinden. Ab Mitte September beginnt ein neues Schuljahr. Karin wurde sogar gebeten am neuen Jahres- und Monatsplan für die Kinder mitzuarbeiten. Von Juni bis September sind in Ägypten reguläre Sommerferien. In diesem Zeitraum kommen auch weniger Kinder zu uns und haben somit ein spezielles Sommerprogramm.
Jeder Trainer hat eine eigene Klasse, die nach Alter und Krankheit eingeteilt sind. Karin wird die nächsten Monate jeweils eine Woche mit einem Trainer verbringen und zweimal im Monat wird in einem Meeting über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert.
Zusätzlich möchte Karin noch einen Vortrag über Autismus halten, da die meisten Trainer kaum etwas über die Krankheit Autismus, Symptome, Entstehungsweise sowie therapeutischen Umgang wissen.
Wir haben gesehen, wie man in der Association verstärkt darauf achtet, den Kindern Hygiene etc. beizubringen und wie wichtig es allen ist, dass darauf geachtet wird. Allerdings mussten wir mit Schrecken fest stellen, in welchem Zustand sich das Bad der Heba Class befindet. Eine einzige Toilette für 55 Kinder. Die Kinder und Trainer haben drei kleine Räume zur Verfügung, was momentan noch Ihr Bad darstellt. In einem der Räume befindet sich eine Toilette, im anderen steht ein Gasofen und ein Waschbecken und der dritte Raum ist eine kleine Abstellkammer. (Siehe Bilder)
Daher ist es im kommenden Jahr unser Hauptanliegen das Bad komplett neu zu renovieren.
Alle bisherigen und auch alle zukünftige Spendengelder werden zur Umsetzung dieses Projekts verwendet.
Mit 30 Euro kann man zum Beispiel schon ein Waschbecken kaufen, Duscharmaturen kosten 25 Euro, eine Toilette kostet 90 Euro. Ein vorliegender Kostenvoranschlag für den gesamten Umbau beläuft sich auf 1250 Euro / 9000 Pfund. (Umrechnungsfaktor 1 Euro etwa 7,20 Ägyptische Pfund) Eine Trainerin verdient hier 750 Pfund pro Monat.
Wie ihr steht kann man mit 30 Euro schon viel in Ägypten erreichen.
Wir wissen um die unzähligen Naturkatastrophen, nach Haiti ist jetzt auch Pakistan. Und wir wissen auch, dass vielen das Geld und auch die Geduld zu Spenden verloren geht, aber bitte nehmt Euch ein Herz und spendet für unser Projekt, denn eines ist sicher: Eure Gelder kommen genau hier an – darauf geben wir unser Wort!
Wir würden uns sehr freuen wenn ihr uns hierbei unterstützt, vielen herzlichen Dank hierfür schon im Voraus.
Liebe Grüße
Karin & Thomas Fahn
Mehr Bilder sind auf unserem Blog www.ktfahn.bplaced.net zu sehen
