Der Wahnsinn begann mit einem Obstsalat…

30. August 2010 geschrieben von Carolin Auner

Dennoch soll dies hier keine kulinarische Ausführung werden. Schließlich schien es auch für mich unglaublich, dass ein Obstsalat schwere Folgen nach sich ziehen konnte. Zumindest beschränkte er sich darauf, mich nur vier Tage lang mit Bauchschmerzen ans Bett zu fesseln und mir so zu ermöglichen, mein kleines Zimmerchen besser kennen zu lernen. 10m2 und stahlgraue, leere Wände konnten durchaus eine beruhigende Wirkung entfalten. Doch dann ging es wieder aufwärts. Ich erhob mich aus den schier endlosen Tagen meiner Lethargie, um zu neuen Taten aufzubrechen.

Wie jeden Tag begann es mit einem halbstündigen Morgenspaziergang durch die wunderbar motorisierte Innenstadt Piuras. Wenn man gerade nicht drohte, überfahren zu werden, war es dennoch möglich, denn unzähligen Marktständen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei reichte das Repertoire von tropischen Früchten über mechanischen Ersatzteilen bis zu Hühnerfüssen, die hier mit Freude als Suppeninhalt auslutscht  werden.  Aber auch Stände mit Affen, Gänsen und Nackthunden verströmen manchmal hier ihr bezauberndes Odeur und laden dennoch nicht weiter dazu ein, etwas zu verweilen.

Schließlich bei Manitos angekommen beginnt der Wahnsinn des Alltags. Der Abwechslung Willen gibt es verschiedene Stundenpläne  für die Wochentage, die weitere aufregende Ergänzungen nicht verwehren: Sei es eine Geburtstagsfeier, ein Sportfest mit anderen Schulen oder wieder einmal die suzidefährdeten Zwilline davon abzuhalten, sich von einer morschen Holzleiter zu stürzen. Sind diese Ereignisse bewältigt, kann es weitergehen mit den alltäglicheren Aufgaben. Ich lernte, dass man hier zum Volleyball geboren wird, man auch beim fünften Male nicht bereifen kann, dass neun minus eins acht sind und das Cajonunterricht bei Grundschulkindern doch einen bagestumpften Gehörsinn und eine große Portion Geduld erfordert. Dafür konnte das Fach der Karten und Pralinenproduktion auch schon einmal den Tag versüßen. Dabei können die Kinder sich mit dem Verkauf sogar noch ein Zubrot verdienen.

Ist der Nachmittag vorbei, ging es dann manchmal noch in die Ludothekas in den Armenviertel Piuras, wo es weder Strom noch Wasser gibt. Dennoch konnte man den Kindern mit Bewegungsspielen, Malsachen und Hilfe bei den Hausaufgaben immer wieder eine Freude machen. Eine andere Variante des Nachmittags war aber auch der Besuch der Peluqueria, wo ich den Mädchen, die hier eine Friseurinnenausbildung absolvieren, ab und an als Modell zur Verfügung stand.

Abends dann traf man sich gelegentlich mit anderen Freiwilligen, ging aus, genoss die immer wieder kehrenden Leichen  Salsarhytmen. Oder man beliebte, die Gastfamilie über Bräuche, Sitten, Gesellschaft und Politik Perus auszufragen, um dann schließlich erschöpft  ins Bett zu fallen.

Liebe Grüße sendet  euch,

Eure Anne

PS: Falls ihr mal Lust haben solltet, mir einen Brief zu schicken, meine Adresse ist Las Carolinas 181, Miraflores, Piura, Peru =)

Eine Antwort zu “Der Wahnsinn begann mit einem Obstsalat…”

  1. Martina Hornung sagt:

    Hallo Anne,

    habe deinen Erfahrungsbericht mit Interesse gelesen. Bin seit 2 Wochen hier in Piura als Freiwilligenhelferin, allerdings ohne Organisation, somit ziemlich auf mich alleine gestellt.

    Ich freue mich hier zu lesen, dass hier in Piura noch mehr Freiwilligenhelfer sind. Und würde mich freuen wenn du dich mal bei mir melden würdest, dann könnten wie uns vielleicht mal treffen? Du/Ihr bist/seid ja schon ne Weile hier in Piura.

    Vielen Dank!!

    LG
    Martina

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