…für Weihnachts- und Neujahrsgeschichten, oder?
Während viele ‘muzungus’ für Weihnachten nach Hause geflogen, in die Hauptstadt oder einen Nationalpark gefahren sind, wollte ich Weihnachten da feiern, wo ich auch die meiste Zeit des Jahres lebte – in Gulu! Das habe ich auch getan. Das Haus war im Dezember recht voll und leerte sich bis zum Heiligen Abend sehr. Ich blieb mit den beiden Priestern zurück. Die Tage vor Weihnachten waren mit Arbeit noch reichlich gefüllt und so kam ich erst am Nachmittag des 24. zum Plätzchen backen. So spät habe ich noch nie gebacken oder es eben dann ganz bleiben lassen… doch wenigstens diese deutsche Weihnachtskultur musste sein!
“Wo zwei oder drei…” – Die Christmette feierten wir zu Dritt quasi im kleinsten Kreise, die Lesungen teilten wir unter uns auf, sangen “silent night” und mir andere bekannte Weihnachtslieder in ihrer englischen Version … ja und dann war Weihnachten.
Die Feiertage verbrachte ich mit Familienbesuchen, wie ich es zu Hause auch tun würde. Für die Menschen hier war dieses Weihnachtsfest ein besonderes. Denn viele haben es nach vielen Jahren in so genannten Camps für “Internally Displaced People” erstmals wieder zu Hause, auf dem Land der Familie gefeiert. Während für mich die Plätzchen das kulturelle Muss war, so ist es den Menschen hier wichtig, dass es an diesem Tag Fleisch, “ringo“, zu essen gibt. Das steht ansonsten eben nicht auf dem Speiseplan. Die meisten Feier- und Festtage sind wie gewöhnliche Tage – Weihnachten ist da eine echte Ausnahme. Da wird mit der Familie gefeiert, gegessen, getanzt! Und daran durfte ich teilhaben!
Es gibt unter den Acholis nicht die ausgeprägte Geschenkkultur wie bei uns. Die gemeinsame Zeit, das bereits erwähnte Essen von Fleisch und “bongo karama” machen den Tag aus. Direkt übersetzt heißt das Weihnachtskleidung, gemeint ist damit eine neue Hose, ein neues T-Shirt, ein geschneidertes Kleid… das kurz vor und für Weihnachten gekauft wurde. Wie Ihr sehen könnt, auch ich gönnte mir “bonga karama“. Zum Dank für die Einladungen brachte ich Bilder aus der gemeinsam verbrachten Zeit ich als Geschenke mit. Und das kam natürlich gut an, denn Fotos werden mir auch immer gezeigt, wenn ich irgendwo zu Besuch bin.
Über Silvester fuhr ich nach Mbale (Südosten), um mit einer Freundin bei ihrer Familie mitzuleben. Auch das war eine besondere Zeit: In Gulu wohne ich eben in einem Gästehaus und in Mbale hatte ich wieder die Chance, an ugandischem Familienleben teilzuhaben und dabei die Lebensrealität direkter mitzuerleben. Das Viertel außerhalb des Stadtzentrums ist vorwiegend von Acholis, die ursprünglich und auch heute vorwiegend im Norden leben, bewohnt. Das Einkommen verdienen sich die Menschen mit der Herstellung von Waragi, einem Schnaps destilliert aus Molasse, dem Abfallprodukt der Zuckerherstellung. Der Arbeitstag beginnt früh um fünf oder sechs, wenn das Feuer unter den Fässern entzündet wird. Von da gibt es immer etwas zu tun, aufzupassen, dass nichts überkocht, die Mischungen zum dreitägigen Gären ansetzen usw. Dabei ist man dem ganzen Tag dem Rauch ausgesetzt. Die Arbeit ernährt die Familie und ermöglicht die Kinder in die Schule zu schicken. Das ist viel wert.
Silvester wurde an einigen zentralen Orten im Viertel gefeiert. Wir waren bei der von der Familie organisierten Party. Von DVDs wurde lokale Musik gespielt und die dazugehörigen Videos auf einem kleinen Fernsehgerät vorgeführt. Das unterhielt und erfreute Jung und Alt. Kurz vor Mitternacht verteilte ich die mitgebrachten Wunderkerzen, die aus dem Geburtstagspaket meiner Schwester noch übrig waren. Was zuerst alle für Räucherstäbchen hielten, entpuppte sich dann als kleines Feuerwerk. Große Begeisterung, denn scheinbar hatte das niemand zuvor je gesehen. Als in den Hotels der Stadt die Feuerwerke gezündet wurden, war dies für die Kinder und Jugendlichen wie ein Startsignal: Sie liefen jubelnd, kreischend voll Freude in die Gärten, um Zuckerrohr zu ernten und genüsslich zu verspeisen. Das wurde wohl zu einer Tradition über die vergangenen Jahre. Dann wurde das gemeinsame Tanzen zur Musik aus der Anlage fortgesetzt… ich machte mit und hielt ein bisschen durch, doch nicht bis zum nächsten Morgen wie einige andere.
Ein Highlight des Mbale Aufenthaltes war der Besuch der Sipi Fälle. Mit einem Taxi, das wir in der Stadt anheuerten, fuhren wir – drei Erwachsene und vier Kinder – in die Berge. Verreisen heißt hier eben meist, dass man Familie besucht und dann die Zeit mit der Familie verbringt und da mithilft, wo man gebraucht wird. “Touring” wie unser Ausflug hier genannt wurde, ist nicht Teil der Kultur und können sich die meisten schlicht nicht leisten.
Wir legten 30 km und etwa 600 Höhenmeter zurück. In Sipi kletterten wir auf einen Hügel, um den tollen Blick auf die Wasserfälle und die wunderbare Aussicht bis nach Kenia zu genießen. Bei Keksen und Soda stärkten wir uns für die Heimfahrt. Für die Kinder war die Schaukel, die es in dem Gästehaus gab, ein weiteres Highlight.
Ein echtes Happy New Year! Und das wünsche ich auch Euch und Ihnen.
Aus Gulu, Beate







Palmen im Sonnenschein und noch immer spielen die Kinder barfuss alle Sommerspiele, die sie auch im Juni schon gespielt haben. Keine Weihnachtschoräle in Fussgängerzonen – stattdessen rhythmische Gesänge von Tempelfesten hier und da und das gleiche bunt-hektische Treiben, das indische Städte das ganze Jahr über auszeichnet. 
