“Herberge gesucht?!”

14. Dezember 2009 geschrieben von Beate Ringwald

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In Norduganda ist es viel zu heiß, um auch nur annähernd in Adventsstimmung zu kommen. Ich kenne nur Tannenzweig-Butterplätzchen-Advent. Und dass es im Acholi-Land quasi keine Adventskultur gibt, das hilft mir nicht viel weiter. Was heißt das jetzt? Eine gewisse Leere aushalten? Oder kurz vor Weihnachten doch noch ein paar „Tannenzweige“ suchen?
Es ist nicht so, dass Weihnachten („karama“) unwichtig wäre, im Gegenteil. Alle freuen sich schon auf die Familienbesuche an Weihnachten und auf das üppige Essen mit Fleisch, das es sonst eben selten gibt. Es gibt einfach nicht diese ausgeprägte Vorbereitungskultur wie daheim. Hier sind die Menschen auch noch mit dem Einholen der Ernte beschäftigt, was in diesem Jahr durch den für die Jahreszeit ungewöhnlichen Regenfall noch erschwert wird.
Was tun? Spontan habe ich eine Freundin in Kitgum besucht. Geschichten in Deutsch erzählen, ausgedehnte Frühstücks, zusammen kochen… das hatte etwas Gewohntes, ja Heimeliges. Und das Wochenende konnte ich innerlich als ein Adventswochenende verbuchen.
Die Heimreise aus dem gut 80km entfernten kleinen Städtchen zurück nach Gulu erstreckte sich dann über 22 Stunden. Denkt Ihr: Oh Schreck! Weit gefehlt! Der 30-Sitzer, der hier Coaster heißt, fuhr gegen zwei Uhr nachmittags in Kitgum ab. Ich hatte Glück und ergatterte den vorletzten freien Platz. An der Tankstelle wurde noch etwas am Coaster gewerkelt und dann ging es los. Es fing an zu regnen – schön eine Abkühlung. Doch dann Panne #1 der Fahrer kann nicht mehr schalten. Er sagt etwas von beten und verschwindet unter dem Bus. Sein Assistent muss unentwegt die Kupplung treten und wieder los lassen und dabei berichten, wie das geht – leicht oder schwer. Das zieht sich dann über einige Minuten und die Fahrt geht weiter. Schon bald versagt der Coaster wieder: Wir kriechen langsam dahin und das Beschleunigen will so gar nicht klappen. Also wieder eine Pause einlegen für Reparatur #2. Wie alle anderen verziehe ich mich irgendwo ins Feld zu dem, was hier alle „short call“ nennen. Heute traue ich mich auch ein paar Erinnerungsbilder zu machen. Bisher haben meine Busfahrten immer gut geklappt und von solchen habe ich eben nur gehört.

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Der Fahrer taucht wieder von unterm Bus auf und sagt: „wachito!“ (Wir fahren!) Wir kommen in Atanga vorbei, wo einer der beiden Gemeindepfarrer am Straßenrand steht, ich winke ihm zu. Zwei Tage zuvor auf meinem Weg nach Kitgum (in einem Privatfahrzeug) hatten wir hier Frühstückspause gemacht. Schon im nächsten kleinen Ort gibt es einen erneuten Halt, zusammen mit meinen Mitreisenden habe ich ein echt spätes Mittagessen – sie laden mit zu gekochten und „rohen“ Bananen ein und helfen mir das köstliche „Sheanutbutteroil“ von den Händlerinnen zu kaufen. Mittlerweile bin ich schon sehr skeptisch, ob wir das noch nach Gulu schaffen. Alle sind gelassen und das bin ich dann eben auch.
Es ist Viertel nach fünf als es wieder weiter geht. Wir können Gulu noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, denke ich mir. Doch dann verlangsamt sich die Geschwindigkeit unseres Coasters wieder… keine Chance. Endstation! Alle packen ihre Taschen und machen sich bereit zum Marsch ins nächste Dorf. Ich weiß, dass Atanga näher ist als Gulu und dass ich dort bestimmt wieder willkommen bin. Deshalb halte ich einen anderen Minibus an, der zurück in Richtung Kitgum geht und bitte mich bis Atanga mitzunehmen. Kein Problem, wenn ich stehend mitfahre, und das wiederum ist kein Problem für mich! So verbrachte ich also eine Nacht auf halbem Weg im Pfarrhaus in Atanga. Die Köchin bezog mir rasch das Bett im Gästezimmer, Kartoffeln und Bohnen reichten auch noch für eine Esserin mehr und willkommen ist hier ohnehin jede/r. Wir unterhielten uns blendend – zuerst beim Essen und später unterm Sternenhimmel. Dieser ist um diese Jahreszeit besonders toll und etwas mehr, da es in Atanga noch keinen Strom gibt.

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Am Morgen früh um sieben habe ich den Gottesdienst in der Gemeinde mitgefeiert. Zum Frühstück gab es Chapatti, die ich so liebe. Danach konnte ich sogar mit einem der beiden Gemeindepfarrer nach Gulu zurück fahren.
Wow! Ich hatte also ein echtes Herbergserlebnis – Ankommen, Willkommen sein. Ist es nicht das, worum es im Advent oder bei Weihnachten geht? Auf jeden Fall fühlt es sich heute in Gulu schon wesentlich mehr nach Advent an!

Ich wünsche allen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest!
Mit lieben Grüßen, Beate

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