Archiv für Dezember 2009

Wer los lässt, hat zwei Hände frei

Dienstag, 29. Dezember 2009

hermann_blog-229x300Der Schlußakkord in der Kirche St. Michael in Peiting ist verklungen. Nun ist Raum und Zeit für einen Auftakt zu etwas Neuem. Das Jahr 2009 geht zu Ende. Noch drei Tage , dann beginnt mein Sabbatjahr, die Reise nach Paraguay. Nach 25 Jahren Kirchenmusiker in München und Peiting ist die Zeit reif, das gewohnte Leben, den Lebensrahmen und damit auch gewohnte Sicherheiten für 12 Monate aufzugeben. Ein Freund sagte mir: Wer nie vom Weg abkommt bleibt auf der Strecke.

Ein besonderer Tag  01.01.2010

Zum Jahreswechsel und kurz vor meiner Abreise kommen mir viele Gedanken. Vor uns liegt der Rest des Lebens. Wir verbrauchen unser Leben mit jedem Atemzug. Unentwegt nähern wir uns  dem Endpunkt. Die Zeit ist unser wertvollstes Gut, der Rohstoff des Lebens sozusagen. Wir stehen -wer weiß- eher am Anfang, in der Mitte oder schon am Ende der uns zugemessenen Zeit. Ich denke loslassen und verlassen ist immer ein Wagnis, doch wenn es positiv geschieht, kann für Alle Wertvolles daraus werden. Ich danke meiner Frau Christine, unseren vier Kindern Julia, Felicitas, Johanna und Benedikt, dass sie mich ziehen lassen. Der Abschied und Anflüge von Wehmut sind deutlich zu spüren.
Ich danke der Jesuitenmission in Nürnberg, dass wir 21 Volunteers im Jahr 2009  auf unsere Einsätze so gut vorbereitet wurden. Nun bin ich der letzte aus diesem Kurs der in die Welt hinausgeht.

Warum Paraguay?

Vor 30 Jahren war ich in Kenia auf vier verschiedenen Missionsstationen. Die Bilder und Erinnerungen waren der Auslöser, mich für das Musikprojekt in Paraguay zu bewerben. Das Mitwirken bei “Weltweite Klänge” 2008 gab mir die Bestätigung, dass das “Lebensmittel Musik” eine tief bewegende, wunderbare Kraft in sich trägt. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit “Sonidos de la Tierra” (www.sonidosdelatierra.org.py) und vor allem auf die Menschen in Süd Amerika.

Zum Nachdenken ein Text von Mutter Teresa (1910-1997)

Das Leben ist eine Chance, nutze sie.
Das Leben ist Schönheit, bewundere sie.
Das Leben ist ein Traum, mach daraus Wirklichkeit.
Das Leben ist eine Pflicht, erfülle sie.
Das Leben ist ein Spiel, spiele es.
Das Leben ist kostbar, gehe sorgfältig damit um.
Das Leben ist Reichtum, bewahre ihn.
Das Leben ist Liebe, erfreue dich an ihr.
DAS LEBEN IST EINE HYMNE, SINGE SIE.
Das Leben ist eine Herausforderung, stelle dich ihr.
Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.
Das Leben ist Glück, verdiene es.
Das Leben ist das Leben, verteidige es.

In drei Tagen am 1.1.2010 geht es los, dann heißt es…..un abrazo, abrazo…..

HABARI ZA DODOMA? Was gibt es Neues aus Dodoma?

Dienstag, 15. Dezember 2009

Bild1.jpgNach einer ganzen Weile, die vergangen ist, melde ich mich nun wieder aus Tanzania. Ich kann mir gut vorstellen, wie es derzeit in Deutschland aussieht. Die Tage rennen dem Jahresende entgegen und die Adventszeit ist wie immer doch stressiger als geplant. 

In Dodoma dagegen läuft alles gewohnt polepole. Weihnachten ist hier noch kein Thema und so wird man höchstens von den Kirchenchören daran erinnert, bei deren Proben schon die ersten Weihnachtslieder eingesungen werden. 

Viel eher kommt es einem wie ein Scherz vor, wenn jemand tatsächlich von einer besinnlichen Adventszeit spricht (habe ich allerdings erst einmal erlebt). Advent? Surreal, während man verzweifelt nach Schatten sucht. Rundmail 2 rot P

 
 
 
 
 
 
 
 

 

 
 
 

 

 

Vielen Dank aus Indien!

Montag, 14. Dezember 2009

ArbeitWieder liegen erlebnisreiche Wochen hinter uns, die durch besondere schulische Aktivitaeten, religiöse Festivitaeten und durch den lang ersehnten Monsunregen geprägt waren.

Heute möchten wir zu Beginn unseres Berichts allen lieben Menschen zu Hause für die großherzige Unterstützung unseres Einsatzes danken. Dank der Spenden sind nicht nur die Kosten der Jesuitenmission für unseren Einsatz gedeckt, sondern wir können darüber hinaus einzelne Vorhaben realisieren.

Hierzu haben wir mit unserer Jesuitengemeinschaft Bedarf, Dringlichkeit und Prioritäten eruiert. Es ist von wirklich kinder tanzengroßem Vorteil, dass wir das Leben hier vor Ort teilen und deshalb auch „hinter die Kulissen“ sehen können. Nach längerer Diskussion haben sich mehrere Vorrangprojekte herauskristallisiert, deren Notwendigkeit wir zu 100 % unterstreichen. Zwischenzeitlich ist Folgendes geschehen:  5 Rundbrief Dezember 09

“Herberge gesucht?!”

Montag, 14. Dezember 2009

Portrait_Beate

In Norduganda ist es viel zu heiß, um auch nur annähernd in Adventsstimmung zu kommen. Ich kenne nur Tannenzweig-Butterplätzchen-Advent. Und dass es im Acholi-Land quasi keine Adventskultur gibt, das hilft mir nicht viel weiter. Was heißt das jetzt? Eine gewisse Leere aushalten? Oder kurz vor Weihnachten doch noch ein paar „Tannenzweige“ suchen?
Es ist nicht so, dass Weihnachten („karama“) unwichtig wäre, im Gegenteil. Alle freuen sich schon auf die Familienbesuche an Weihnachten und auf das üppige Essen mit Fleisch, das es sonst eben selten gibt. Es gibt einfach nicht diese ausgeprägte Vorbereitungskultur wie daheim. Hier sind die Menschen auch noch mit dem Einholen der Ernte beschäftigt, was in diesem Jahr durch den für die Jahreszeit ungewöhnlichen Regenfall noch erschwert wird.
Was tun? Spontan habe ich eine Freundin in Kitgum besucht. Geschichten in Deutsch erzählen, ausgedehnte Frühstücks, zusammen kochen… das hatte etwas Gewohntes, ja Heimeliges. Und das Wochenende konnte ich innerlich als ein Adventswochenende verbuchen.
Die Heimreise aus dem gut 80km entfernten kleinen Städtchen zurück nach Gulu erstreckte sich dann über 22 Stunden. Denkt Ihr: Oh Schreck! Weit gefehlt! Der 30-Sitzer, der hier Coaster heißt, fuhr gegen zwei Uhr nachmittags in Kitgum ab. Ich hatte Glück und ergatterte den vorletzten freien Platz. An der Tankstelle wurde noch etwas am Coaster gewerkelt und dann ging es los. Es fing an zu regnen – schön eine Abkühlung. Doch dann Panne #1 der Fahrer kann nicht mehr schalten. Er sagt etwas von beten und verschwindet unter dem Bus. Sein Assistent muss unentwegt die Kupplung treten und wieder los lassen und dabei berichten, wie das geht – leicht oder schwer. Das zieht sich dann über einige Minuten und die Fahrt geht weiter. Schon bald versagt der Coaster wieder: Wir kriechen langsam dahin und das Beschleunigen will so gar nicht klappen. Also wieder eine Pause einlegen für Reparatur #2. Wie alle anderen verziehe ich mich irgendwo ins Feld zu dem, was hier alle „short call“ nennen. Heute traue ich mich auch ein paar Erinnerungsbilder zu machen. Bisher haben meine Busfahrten immer gut geklappt und von solchen habe ich eben nur gehört.

blog_beate_dec01

Der Fahrer taucht wieder von unterm Bus auf und sagt: „wachito!“ (Wir fahren!) Wir kommen in Atanga vorbei, wo einer der beiden Gemeindepfarrer am Straßenrand steht, ich winke ihm zu. Zwei Tage zuvor auf meinem Weg nach Kitgum (in einem Privatfahrzeug) hatten wir hier Frühstückspause gemacht. Schon im nächsten kleinen Ort gibt es einen erneuten Halt, zusammen mit meinen Mitreisenden habe ich ein echt spätes Mittagessen – sie laden mit zu gekochten und „rohen“ Bananen ein und helfen mir das köstliche „Sheanutbutteroil“ von den Händlerinnen zu kaufen. Mittlerweile bin ich schon sehr skeptisch, ob wir das noch nach Gulu schaffen. Alle sind gelassen und das bin ich dann eben auch.
Es ist Viertel nach fünf als es wieder weiter geht. Wir können Gulu noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, denke ich mir. Doch dann verlangsamt sich die Geschwindigkeit unseres Coasters wieder… keine Chance. Endstation! Alle packen ihre Taschen und machen sich bereit zum Marsch ins nächste Dorf. Ich weiß, dass Atanga näher ist als Gulu und dass ich dort bestimmt wieder willkommen bin. Deshalb halte ich einen anderen Minibus an, der zurück in Richtung Kitgum geht und bitte mich bis Atanga mitzunehmen. Kein Problem, wenn ich stehend mitfahre, und das wiederum ist kein Problem für mich! So verbrachte ich also eine Nacht auf halbem Weg im Pfarrhaus in Atanga. Die Köchin bezog mir rasch das Bett im Gästezimmer, Kartoffeln und Bohnen reichten auch noch für eine Esserin mehr und willkommen ist hier ohnehin jede/r. Wir unterhielten uns blendend – zuerst beim Essen und später unterm Sternenhimmel. Dieser ist um diese Jahreszeit besonders toll und etwas mehr, da es in Atanga noch keinen Strom gibt.

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Am Morgen früh um sieben habe ich den Gottesdienst in der Gemeinde mitgefeiert. Zum Frühstück gab es Chapatti, die ich so liebe. Danach konnte ich sogar mit einem der beiden Gemeindepfarrer nach Gulu zurück fahren.
Wow! Ich hatte also ein echtes Herbergserlebnis – Ankommen, Willkommen sein. Ist es nicht das, worum es im Advent oder bei Weihnachten geht? Auf jeden Fall fühlt es sich heute in Gulu schon wesentlich mehr nach Advent an!

Ich wünsche allen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest!
Mit lieben Grüßen, Beate

Mein Freiwilligendienst bei einem Kinderheim in dem heißen Oran, Argentinien.

Montag, 14. Dezember 2009

sophia internetNach einem fast  13-stündigen Flug bin ich endlich gut in Buenos Aires angekommen und von Andrea, einer  Freiwilligen, die in einem Vorort von Buenos Aires arbeitet, ganz herzlich empfangen worden. Am nächsten Tag hat Andrea mir einen Einblick in ihre Arbeit gegeben und mir schon viel über die Probleme in Argentinien erzählt und mich somit sehr gut mental auf die Zeit in Orán, meinen Einsatzort, vorbereitet.

Am Nachmittag ging es gleich los zur Busstation um mit dem Bus nach Orán zu fahren. Leider war der Tag von mir schlecht gewählt, weil es der Tag vor dem Muttertag war und alle Argentinier unterwegs zu ihren Müttern waren. Dementsprechend voll war der Busbahnhof und es herrschte reinstes Chaos. Deswegen hatte mein Bus erstmal 2 Stunden Verspätung aber  immerhin habe ich den richtigen Bus, nach vielen unterschiedlichen Auskünften, gefunden. Und schon ging es los auf eine „Abenteuerfahrt“ in den Nordwesten Argentiniens… Rundbrief # 1 Dez 09