Da ich seit langem mal wieder eine Rundmail schreibe, macht euch am besten eine Tasse Schwarztee mit Milch und (das wichtigste) gaaaaanz viel Zucker, setzt euch gemütlich hin und nehmt euch zeit zum lesen!Das letzte mal, dass ihr von mir gehört hab, war, bevor wir losgefahren sind auf unsere große Reise durch den Süden Indiens…als erstes ging es für uns nach Mysore, mit der Hostelleiterin Meena, in deren Familie wir vorhatten eine Woche zu verbringen.Für 3 tage hatten wir eine wirklich schöne Zeit.Wir waren in vielen Tempeln und haben im Palastgarten das erste Mal, seitdem wir nach Indien gekommen sind, eleganten und Kamele gesehen, ganz nah!Nach diesen tagen haben wir von Linda, einer anderen deutschen Freiwilligen, mit der wir nach der Woche in Mysore unseren Urlaub zusammen fortsetzen wollten, gehört, dass sie nicht weg kann, da in der Gegend um Raichur (im Norden Karnatakas), in der sie wohnt und arbeitet, der Monsun so stark gewütet hat, dass sie den Menschen aus den zerstörten Dörfern helfen muss. Irmi und ich haben uns dann dazu entschlossen, unseren Urlaub zu verkürzen und sind für einige Tage auch in den Norden gefahren. (mit dem Bus in einer Nachtfahrt, die uns ins Todesangst versetzt hat! aber so war Fortan jede Busfahrt…)Als wir in dem Dorf Pannur ankamen, von wo aus die Hilfe organisiert war, wurden wir auf Gruppen aufgeteilt, die jeweils in ein Dorf gingen und aus Krankenschwestern, katholischen Schwestern und Helfern bestanden.Mein Dorf hieß Holuguntshie und als wir am nächsten morgen losgingen, hat mich eine Schwester erst noch zu dem platz geführt, an dem das Dorf sich vor dem monsunregen, bevor der Fluss so gewaltig über die Ufer getreten ist, befand.
Es war wirklich schockierend. Die meisten Häuser waren nur noch als Steinhaufen zu erkennen, manche auch gar nicht, die die aus Lehm gebaut waren. bei einem haus stand nur noch die Türe.In einem anderen Dorf, das hat mir eine Schwester erzählt, sind insgesamt 300 Tiere umgekommen, oft die einzige Verdienstgrundlage der dort lebenden Familien!Doch die Menschen dort haben so offen auf uns reagiert, sie waren nicht wütend, weil ihnen dieses schreckliche Schicksal zugestoßen ist, sondern haben uns mit einem Lächeln begrüßt, waren dankbar, dass wir kurz mit ihnen gesprochen haben.
Als wir weitergingen, kamen wir nach einer Weile zu den ersten (von insgesamt über 300) zelten, die notdürftig aus plastikplanen zusammen gehalten, am Straßenrand aufgestellt wurden. Manche zelte, bei denen die Bewohner es geschafft hatten, viele Kleider/ decken/ essen/ Stoffe,… von den Hilfslieferungen der Regierung zu ergattern, waren schon stabiler und mit essen angefüllt. dann gab es aber auch zelte, vor allem die, in denen ältere Leute lebten, denen die kraft für die schlacht an den Hilfslastern fehlte, die leer und kalt waren. Aber selbst dort war die erste frage, die uns gestellt wurde “uta aita?” was bedeutet, “hast du gegessen?” und ob wir etwas von ihnen essen wollen. Beeindruckend war für mich auch, das Hilfsnetzwerk, das Father Eric dort aufgestellt hat.
Es kamen so viele Helfer, sogar welche, die 2 tage aus Mangalore hingefahren sind!Das Netzwerk war auch sehr gut. im Gegensatz zu den Hilfen, die die Regierung geleistet hat (Güter mit Lastern herkarren, verteilen und abends wieder fahren), die sicher auch wichtig waren, war die Hilfe von der Kirche so organisiert, dass wirklich jeden tag in jedem Dorf eine Gruppe da ist, auf die die Leute sich verlassen können, denen sie ihre sorgen erzählen und von denen sie medizinische Hilfe bekommen. und die auch darauf achten, dass die Kleider und andere Güter sinnvoll verteilt werden!
Die Helfer, zu denen auch ich Gehörte, haben mit den Kindern des Dorfes gespielt. Es war so wundervoll zu sehen, wie glücklich die Kinder wurden, obwohl wir “nur” ein paar Plastikbälle dabei hatten!
Dort habe ich mich wirklich dazugehörig gefühlt, nicht “weiß”, wie es auf der Straße oft der fall ist; dazugehörig zu den Menschen, als wir alle zusammen bangend bei einem Regenguss unter einem provisorischen Zelt in der “Dorfmitte” standen- von den Kindern angenommen, die mich ‘auntie, auntie’ genannt haben. die paar tage die ich dort verbringen durfte, erfüllen mich wirklich mit Dankbarkeit!
(es gibt auch eine Homepage über die flut dort, leider auf Englisch, die Adresse schicke ich in den nächsten tagen!)
Anschließend sind wir dann nach Süden runter gefahren, nach Kerala, einen Staat südlich von Karnataka. die Zeit dort war wundervoll.
Vorher hatte ich noch nie erlebt, dass es in Indien auch einmal ganz leise sein kann! solch ein Genuss! in Varkala einmal nichts zu hören als das zirpen der grillen oder am strand das rauschen des Meeres…
Kerala ist ein wunderbarer Ort um Urlaub zu machen, es ist so vielseitig! in Munnar, in den Kardammonbergen haben wir 2 tage inmitten von Kilometerlangen Teeplantagen verbracht, soweit das Auge reicht! ich hab mir auch ein Teepflaenzchen gekauft (um meine eigene Plantage in Deutschland zu eröffnen!)
in Kumily im Nationalpark waren wir das erste Mal im Dschungel und kamen uns vor wie in koenig der Löwen! Löwen haben wir aber leider keine gesehen, nur eine Schlange und Affen! Und dann zum Abschluss eine entspannende fahrt durch die Backwaters in der nähe von Allepey mit dem Hausboot. (Backwaters: die Gegend um Allepey/ Kochin ist durchzogen von hunderten kleinen Kanälen, die irgendwann auch ins Meer führen.)
Wir haben die Zeit auf jeden fall sehr genossen!
So hatte ich mir Indien vorgestellt, ruhig. um Bangalore herum ist alles schon sehr am fortschritt und am Zeit nutzen/ etwas im leben erreichen…orientiert.( Bangalore ist DIE Stadt der Computer, des Westens, des Fortschritts!)
Deswegen war es auch etwas schwer, sich wieder hier einzugewöhnen. aber mittlerweile sind wir wieder mitten im ‘Alltag’ und schwer damit beschäftigt den ‘Childrens day’ am Sonntag vorzubereiten!
einen lieben Gruß an euch alle!
und auch ein ganz grosssen Dankeschön an die, die so grosszügig gespendet haben! wer gerne noch für mein Projekt hier spenden würde, unten noch einmal die Adresse!
Die Spenden fließen wirklich ausschließlich hierhin, in was genau, das werde ich noch schreiben, wenn ich was gefunden habe, wo Hilfe nötig ist. Ich habe schon einige Ideen, aber der Entschluss ist noch nicht gefasst!
Jesuitenmission Nürnberg
Spendenkonto 5115582
Liga Bank Nürnberg
BLZ 75090300
Antonia Rummel 3899
lieber Gruß, eure Antonia
Da, wie ihr ja sicher gemerkt habt, heute schon Dienstag ist und ich die Mail somit erst nach dem children’s day losschicke, noch ein Satz dazu:
ich fand das Wochenende wundervoll, vor allem weil ich das Gefühl habe, dass es den Kindern wirklich als etwas ganz besonderes in Erinnerung bleiben wird. vor allem der Abschluss am Sonntagabend war ein Highlight in ihrem alltäglichen leben: ein Feuerwerk!
wundervoll war es, die Begeisterung in ihren Gesichtern zu sehen, als sie alle Wunderkerzen in den Händen hielten… |