Reise in den Regenwald

20. Oktober 2009 geschrieben von Sophia

Imagen Sophia L. 360_kleinHallo ihr Lieben,

heute gibts mal einen Bericht ueber meine Reise in den Regenwald. War von letzter Woche Mittwoch Abend bis Dienstag Frueh mit den anderen 5 Freiwilligen (4 Spanierinnen und mein deutscher Gastbruder) in Jaén und Nieva. Haben spott guenstig in Jesuitenherbergen geschlafen und waren Ewigkeiten unterwegs. Doch die Reise hat sich wirklich gelohnt. In Deutschland hoert sich der Slogan “Rettet den Regenwald” abgedroschen an, doch nach meinen Eindruecken kann ich das nur zu 100% unterstueten. So schoene Natur darf einfach nicht aussterben!
Bevor ich jedoch mit dem Erzaehlen beginne, wie immer die Kurzinfos:

Wie IMMER bin ich krank, muss jetzt auch 3 Tage wieder mal Antibiotika nehmen, weil sich Schnupfen und Husten ausgebreitet haben und jetzt auch noch ne Ohrenentzuendung dazugekommen ist. Seelisch gehts mir dafuer um so besser. Die Arbeit mit den Kindern ist genial. Auch wenn man ab und zu an seine Vorstellungsgrenzen stoesst, wie schrecklich die Vergangenheit der Kindern hier war, freut man sich, wenn man sie gluecklich machen kann und ihnen Geborgenheit vermitteln kann. Ich mach mir schon jetzt Gedanken, wie ich den Abschied wohl ueberstehen soll.

Imagen Sophia L. 258_kleinSo nun zur Reise. Ich versuche mich kurzzuhalten und die Bilder, die ich mitschicke, sprechen zu lassen.
Jaén ist eine Kleinstadt (aehnelt etwas Wuerzburg in der peruanischen Ausgabe) in den Auslaeufen der Anden. Haben dort eine Querfeldein-tour gemacht und durften so Reisfelder und eine Reisfabrik besichtigen. Hier wird unheimlich viel Reis gegessen. Ein Essen ohne Reis ist kein richtiges Essen, sagt man. Mit einem bekannten Jesuitenpater waren wir auch in einer Kaffeefabrik der Caritas und in einer Radiostation.
Am naechsten Tag ging es dann nach Nieva, einer Dorf-stadt gelegen an 2 Fluessen, die den Amazonas mitbilden.  Sind mit Taxis 10 Stunden durch den Dschungel gefahren. Die erste Stunde war die Strasse noch geteert, danach wars Schotterweg oder quasi gar kein Weg. In einem Abschnitt von 5 Stunden, gabs 17 Bruecken. 3 von 17 waren geteert, der Rest Bleche oder Holzlatten. Um das Klischee aufrecht zu erhalten. Unser Taxi hatte ein Einschussloch in der Frontscheibe, da der Taxist vor 4 Monaten einem Ueberfall ausweichen wollte.
Wenn wir durch Baeche und Fluesse gefahren sind, hab ich jedesmal noch eine Fussdusche bekommen, da das Auto Imagen Sophia L. 292_kleinnicht ganz wasserdicht war oder wie austeigen mussten, weil der Regen den Boden so vermatscht hat, dass ein halbes Dorf das Taxi den Berg hochschieben musste. In Nieva sind wir heil und dank des Klimas durchgeschwitzt angekommen. Zufaelliger Weise sind wir uebrigens auch genau an dem Ort des Erdoelkonflikts vorbeigefahren. Haben die Kreuze fuer die verstorbenen Polizisten gesehen und ich konnte heimlich aus dem Auto raus einen Oeltank fotographieren (alles mit Militaer bewacht). Apropo Militaer, das hat hier einen sehr speziellen Rang. Am Hauptplatz von Nieva beispielsweise ist direkt ein Militaerlager und so stehen neben fussballspielenden Kindern, Haendlern, Mototaxis, stillenden Muettern und uns, bewaffnete Soldaten, die jeden Augenblick losschiessen koennten. “Leider” passiert doch aber in einem kleinen Doerfchen an 2 Fluessen mitten im Regenwald nicht allzu viel spannendes und so kann man es doch fast verstehen, dass die Soldaten und die Polizei “dankbar” sind, wenn sich mal eine Gelegenheit zum Waffengebrauch bietet. Geld regiert die Welt, Korruption fuellt die Taschen des Staates (dort wo es nicht gebraucht wird) und Inogene haben dann halt leider mal kein Mitspracherecht.

Imagen Sophia L. 327_kleinDoch ansonsten ist Nieva wirklich idyllisch und schoen gelegen. Sind auch auf Pece-peces (Gondel aehnlich) den Fluss entlang zu einem sehr natuerlich angelegten Tier- und Pflanzenpark gefahren und konnten dort Freundschaft mit einem zutraulichen Tapir machen. Die Bewohner von Nieva kennen uns jetzt auch fast alle, da wir bei der Wahl der Virgin des Jahres 2009 dabeiwaren und als Gringos und Touristen per Mikrofon vorgestellt wurden. Die Leute in Nieva leben also um Vorurteile auszuschalten sehr normal. Tragen Kleidung wie wir und gehen auch zur Schule. Ein Unterschied der allerdings vorhanden ist, ist, dass dort alles einen bestimmten Geruch hat (auch die Menschen) und zwar den Geruch des Regenwaldes, wie ich glaube. Der Geruch erinnert mich an suesses Lagerfeuer, morsches Holz und Waschpulver. Aber genau beschreiben kann man den nicht. Fuer mich war es jedoch kein angenehmer Geruch, aber da ich den ganzen Urlaub ueber nicht schmecken konnte, hat mich das nicht gestoert.
Zum Schluss ein kleines Schmankerl: Waehrend wir am Hauptplatz auf Jonathan gewartet haben, kamen zwei Frauen mit Plastikbeuteln zu uns und wollten uns Suris verkaufen. Suris sind weisse, fette Maden mit schwarz-roten Koepfen, die die Leute im Dschungel bei lebendigen Leib essen. Waehrend man reinbeisst tritt ekliger Saft aus dem Koerper, der dann mit Erde an den Mundwinkeln des Verzehrers klebt. 5 fuer einen Sol war das Angebot, das wir dankend abgelehnt haben. Laut den 2 Frauen sollen Suris aber sehr lecker sein!

Nun schaut euch die Fotos an… die schildern die Reise nochmal in einem andern Licht!
Euch alles Liebe, einen schoenen Winter (nachdem der Herbst ja nur eine Woche gedauert hat?!) und fuer alle Erstis einen guten Studienstart!!!

Eure SophiaImagen 3 Sophia L. 94_klein

Eine Antwort zu “Reise in den Regenwald”

  1. Sehr interresant und schockierend was du in Peru erlebt hast.
    Freue mich schon auf den nächsten Blog.
    Viele Grüße James

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