Notsituation in Manvi

05. Oktober 2009 geschrieben von Linda Illner

Pannur-Manvi 2Hallo ihr alle,

in diesem Bericht habe ich leider keine guten Neuigkeiten fuer euch. Aber am besten ich fang einfach mal an zu erzaehlen:

Vergangene Woche sind Regenmassen gefallen, wie sie hier noch niemand erlebt hat. Selbst zu Monsunzeiten hat die Region nie so viel Wasser erlebt. Die Flüsse sind überflutet und haben ganze Dörfer zerstört. Glücklicherweise hat es mittlerweile aufgehört zu Regnen und es wird uns langsam möglich, die betroffenen Dörfer zu besuchen.

So haben wir uns am Samstagnachmittag vollgepackt mit Kleidungsstücken, die wir den Dorfbewohnern mitbringen wollten, auf den Weg in die Dörfer gemacht. Das jedoch stellte enorme Probleme dar. Der Regen hat die Straßen unbefahrbar gemacht. Teilweise sind ganze Straßenabschnitte weggespült und auch die Brücken sind zerstört.
Pannur2.Tag 189 kleinEinige Dörfer waren Tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, da sie von den Fluten umgeben waren.
Nachdem wir mit dem Jeep die Straße nicht weiter fahren konnten, haben wir unseren Weg zu Fuß fortgesetzt. Auch das erwies sich als äußerst schwierig, da und Wasserfluten immer wieder den Weg versperrten. Das Wasser stand uns bis zum Oberschenkel. Ab und zu lagen gestürzte Strommasten auf dem Weg. Nach zwei oder mehr Stunden haben wir schließlich eines der Dörfer erreicht. Der Anblick war schockierend. Wo ehemals Häuser standen befanden sich nur noch Trümmer.

Pannur2.Tag 250 kleinDie Situation dort ist katastrophal. Die Menschen haben nichts zu Essen und kein sauberes Wasser zu trinken. Die Versorgung mit Strom ist durch die eingestürzten Masten nicht möglich und es wird wohl Wochen dauern bis diese wieder hergestellt ist. Die sowieso schon armen haben nun nichts mehr. Das was sie am Leib tragen ist alles was sie besitzen. Die Wasserfluten haben deren ganzes Hab und Gut weggespült.

Pannur2.Tag 290 kleinDie Menschen leben im Moment am Wegrand und haben sich mit Planen provisorisch Zelte gebaut, um wenigstens ein „Dach“ über dem Kopf zu haben. Bei unserem gestrigen Besuch haben wir erfahren dass schon fünf Frauen von Kobras gebissen wurden. Eine davon befindet sich in einem kritischen Zustand. Die Schlagen stellen besonders für die Kinder eine Gefahr dar, da diese in den Trümmern und in den Schlammresten spielen und ihnen somit ausgeliefert sind. So haben wir bereits 17 Kinder mitgenommen, die erstmal bei uns im Heim wohnen können. Dort bekommen sie sichere Versorgung mit Nahrung und Wasser und sind vor Schlagen und anderen Gefahren geschützt. Es ist schön zu sehen wie unsere Kinder im Heim sie willkommen heißen und so gut sie können unterstützen. Die Heimkinder besitzen in der Regel selbst nur zwei bis drei Kleidungsstücke und teilen ihre wenigen Besitztümer ohne zu zögern mit den betroffenen Kindern.

Ein weiteres Problem das sich ergibt ist die langfristige Versorgung mit Lebensmitteln. Die Reisfelder sind zerstört und es stellt sich die Frage: Wie sollen die Menschen, die sonst nur von den Erträgen der Landwirtschaft gelebt haben, ihren Lebensunterhalt verdienen?

Pannur2.Tag 338 kleinIch denke keiner von uns kann sich richtig vorstellen was die Menschen in diesen Tagen durchmachen müssen und wie sie sich fühlen. Auch ich habe so etwas zuvor noch nie so hautnah miterlebt. Da ich mir aber nun selbst ein Bild von der Notlage machen konnte, ist mir bewusst wie dringend unsere Hilfe benötigt wird.

Es ist schon herzzerreißend wenn man immer wieder Mütter mit ihren Kindern am Wegrand sieht, die nach Möglichkeiten suchen Nahrung für sich und die Babys zu beschaffen.

Was wir hier tun können, ist zu den Menschen in die zerstörten Dörfer zu gehen, für sie da zu sein, mit ihnen reden und ihnen das Gefühl zu geben dass jemand da ist, der ihnen jetzt beisteht. Wir haben unsere Schule mittlerweile geschlossen und ein Camp gebildet, von dem Lehrerteams in die verschiedenen Dörfer gehen um die Tage dort mit den Familien zu verbringen.

Wenn auch Du helfen willst, ist die einfachste Möglichkeit hierfür eine Geldspende. Die Nächte hier sind kalt wenn sie man im Freien ohne warme Kleidung und Decke und zudem mit leerem Magen verbringt.
Für umgerechnet 2 Euro können wir schon einen Sari, das Kleidungsstück das die indischen Frauen tragen, für 20 Cent Seife und für 30 Cent ein Essen einkaufen. Und ich kann versichern dass die Spendengelder ausschließlich für die Hilfe dieser Menschen verwendet werden.

Die regionalen Zeitungen berichten täglich aus dieser Region. Online kann man diese zum Beispiel im Deccan Herlad unter http://www.deccanherald.com/content/28755/lull-deluge-raichur.htm lesen.

Im Namen aller hier sage ich schon mal herzlichen Dank für Deine Hilfe.

Liebe Grüße, Linda Illner

Spendenkonto: Jesuitenmission Nürnberg
Bank: Liga Bank, BLZ 750 903 00
Kontonummer: 5115582
Verwendungszweck: 3359 Flut Pannur-Manvi

Zur Online-Spende geht’s hier: -> Online-Spende

9 Antworten zu “Notsituation in Manvi”

  1. Sr. Margit sagt:

    Liebe Linda,
    sei herzlich gegrüßt. Ich finde es großartig, wie Du Dich in Indien engagierst.
    Gottes Segen für Dich und Deine Freunde, Freundinnen und für alle Menschen die dort leben.
    Deine Sr. Margit

  2. Amelie sagt:

    Hallo Linda!
    Ich bin froh, dass ich Deinen Blogg gefunden habe, da ich jetzt mit Dir in Kontakt treten kann.
    Als ich die Nachricht von Father eric erhalten habe war mein erster Gedanke: Da muss ich hin, um zu helfen. Leider geht das natürlich nicht und es schmerzt mich sehr, jetzt in Pannur nicht helfen zu können.
    Ich vermisse Indien sehr und natürlich vor allem die Kinder.
    Ist es möglich mit Dir zu telefonieren? Dann würde ich gerne anrufen, um noch mehr über die Situation zu erfahren.
    Bitte grüße Father Eric, Father Maxim, Father Ambrose und von den Kindern ganz besonders Sachin.
    Sag ihnen, dass ich für sie beten und in Gedanken sehr oft bei ihnen bin. Natürlich hat auch meine Familie für Pannur gespendet.
    Ich wünsche Euch ganz viel Kraft, den Menschen in dieser Situation beizustehen.
    Vielen Dank von Amelie

  3. Anita sagt:

    Liebe Linda,ich hoffe dir geht es gut.Ich wollte dir sagen,dass der Frühschoppenkreis 200euro an dein Kennwort überwiesen hat.Wahrscheinlich nur ein Tropfen auf heissen Stein,aber du kannst es sicher gut gebrauchen.Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen bei all deinen Vorhaben.Lb.Grüsse aus Waldbüttelbrunn

  4. Linda sagt:

    Hallo Anita, vielen Danke fuer eure Hilfe. Auch ein Tropfen auf dem heissen Stein ist ein Anfang. Viele Liebe Gruesse an den Fruehschoppenkreis. Bis bald, eure Linda

  5. Sonja sagt:

    Linda, ich bewundere Deinen Mut
    Hut ab vor dem was Du Dich getraut hast und alles, alles Gute weiterhin.
    Leider habe ich noch nicht sehr viele (finanzielle) Helfer finden können.
    Liebe Grüsse aus Mutzenroth
    Sonja mit Jana

  6. Anna Vogl sagt:

    hallo linda,

    ich bin die schwester vom sebastian,
    dem hast du in einem brief diesen link gegeben, da er aber ja da kein internet nutzen kann hat er mich gebeten hier mal reinzusehen!
    ich soll dir ganz liebe grüße von ihm sagen und fragen wies dir geht bzw wo er dich erreichen kann eventuell oder das das dir mir ne mail adresse gibst um das ihr über mich kommunizieren könnt wäre nett
    lg anna

  7. Linda sagt:

    Hallo Anna,

    ich geb dir am besten einfach mal die Adresse, dann kann Sebastian mal einen Brief schreiben wenn er Lust hat:

    Linda Illner
    St. Xaviers School
    Loyola Nagar
    Raichur Road, P.B. No. 8
    Manvi-584123
    Raichur District
    Karnataka
    India

    Sag ihn mal liebe Grüße von mir!
    Danke,

    Linda

  8. Anna Vogl sagt:

    Danke gebe ich weiter habe ihm schon mal n bissi was aus deinem blog geschrieben!
    und bald wir er es tun!
    wünsche dir eine schöne zeit !

    lg anna

  9. Martin sagt:

    Hallo Linda,

    habe gerade deinen Bericht über die katastrophalen Regenfälle gelesen.
    Vor über sechs Jahren war ich selbst in Karnataka (Mundgod, Bijapur…) und habe die Menschen und Kinder dort sehr in mein Herz geschlossen.
    P. Rossi hatte mich bereits über die Fluten informiert – habe meine Freunde “alarmiert” – ich hoffe, es kommt zumindest genügend finanzielle Unterstützung…

    Ich wünsche euch allen viel Kraft und Durchhaltevermögen – hoffentlich bessert sich die Situation baldmöglichst….

    ein namaste aus Nürnberg, Martin

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