Archiv für Oktober 2009

GULU WALK 2009

Sonntag, 25. Oktober 2009

gulu_walk03An diesem Wochenende sind tausende Menschen weltweit für den GULU WALK auf die Straße gegangen – und ich in Gulu!

Diese Initiative wurde 2005 von zwei Kanadiern – Adrian Bradbury und Kieran Hayward – gestartet, nachdem sie von der Lebensrealität der Kinder in Norduganda erfuhren. Tausende Kinder gingen täglich während jener Zeit des Krieges zwischen der Regierungsarmee UPDF und der Rebellengruppe LRA viele Kilometer. Als so genannte „night commuters“ suchten sie abends in Gulu einen sicheren Platz zum Schlafen und machten sich am Morgen wieder auf den Weg nach Hause und/ oder vielleicht in die Schule – Tag für Tag für Tag. Denn ihr zu Hause war zum Schlafen zu unsicher. Sie suchten in Kirchen, Schulen, Krankenhäusern… Unterschlupf und Schutz vor den Rebellen, die mit der Entführung von Kindern Kämpfer rekrutierten.

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Der GULU WALK 2009 in Gulu stand unter dem Motto „Child Protection; a culture of peace“ (Kinderschutz – eine Kultur des Friedens). In der ganzen Stadt sind Schilder mit verschiedenen Slogans zu sehen, die dem Motto ein Gesicht geben, Kinderrechte einfordern und auf die Bedürfnisse von Kindern aufmerksam machen.

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Kindergruppen, z.B. einer der Undugu Family Gruppen, Schulklassen sowie Mitarbeitende und Freiwillige der Hilfsorganisationen nahmen am GULU WALK teil. In einem orange-farbenen Demonstrationszug gingen wir auf den wichtigen und belebten Straßen durch die Innenstadt. Der Abschluss fand auf dem Festplatz, dem so genannten Kaunda Ground, statt. Neben zwei Tänzen und Musikstücken der Blaskapelle (hier gibt es tatsächlich auch Blasmusik, bestimmt ein Überbleibsel der Kolonialzeit) gab es einige Reden, die leider viel zu lang waren.

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Kinderrechte standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Und alle teilnehmenden Kinder bekamen ein GULU WALK T-Shirt. Doch die Bedürfnisse von Kindern und ihre Stimmen und Meinungen hätte ich gerne mehr berücksichtigt gesehen: Es haben nur Erwachsene gesprochen, der Walk wurde durch einige Stopps für Reden ziemlich in die Länge gezogen und Getränke wurden zuerst an Erwachsene und dann an Kinder verteilt. Es hat trotzdem Freude gemacht mit der Undugu Kindergruppe dabei zu sein. Sie konnten einen ihrer traditionellen Tänze zum Auftakt des Programms zeigen und waren somit einige der wenigen Kinder, die im Programm mitwirken konnten.

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Seit 2006 ist Gulu und Norduganda Frieden, doch das Kämpfen jenseits der Landesgrenzen geht weiter. Weiterhin werden Kinder entführt und sind in Gefangenschaft der LRA (Lord’s Resistance Army). Um sie nicht zu vergessen, sind wir und Tausende weltweit an diesem Samstag auf Straßen gegangen für den GULU WALK.

Viele Grüße aus Norduganda
Beate

Mein Leben in Paraguay

Dienstag, 20. Oktober 2009

hannah-frost-blogNun sind schon 2 Monate vergangen, seit ich ins Flugzeug gestiegen bin- seitdem ist unglaublich viel passiert und jeden Tag wurde und werde ich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Eine ganze Weile bin ich bereits hier und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit erzählen. Langsam, aber sicher, werde ich mit der Mentalität und dem hiesigen Lebensstil vertraut, aber ich kann sagen, dass ich durch viele Höhen, aber auch mindestens genauso viele Tiefen und Rückschläge gegangen bin in den letzten Wochen. Leben in Paraguay Email (zum Lesen der Rundmail klicke auf den Titel des Artikels, erst dann wird der link aktiviert)

Reise in den Regenwald

Dienstag, 20. Oktober 2009

Imagen Sophia L. 360_kleinHallo ihr Lieben,

heute gibts mal einen Bericht ueber meine Reise in den Regenwald. War von letzter Woche Mittwoch Abend bis Dienstag Frueh mit den anderen 5 Freiwilligen (4 Spanierinnen und mein deutscher Gastbruder) in Jaén und Nieva. Haben spott guenstig in Jesuitenherbergen geschlafen und waren Ewigkeiten unterwegs. Doch die Reise hat sich wirklich gelohnt. In Deutschland hoert sich der Slogan “Rettet den Regenwald” abgedroschen an, doch nach meinen Eindruecken kann ich das nur zu 100% unterstueten. So schoene Natur darf einfach nicht aussterben!
Bevor ich jedoch mit dem Erzaehlen beginne, wie immer die Kurzinfos:

Wie IMMER bin ich krank, muss jetzt auch 3 Tage wieder mal Antibiotika nehmen, weil sich Schnupfen und Husten ausgebreitet haben und jetzt auch noch ne Ohrenentzuendung dazugekommen ist. Seelisch gehts mir dafuer um so besser. Die Arbeit mit den Kindern ist genial. Auch wenn man ab und zu an seine Vorstellungsgrenzen stoesst, wie schrecklich die Vergangenheit der Kindern hier war, freut man sich, wenn man sie gluecklich machen kann und ihnen Geborgenheit vermitteln kann. Ich mach mir schon jetzt Gedanken, wie ich den Abschied wohl ueberstehen soll.

Imagen Sophia L. 258_kleinSo nun zur Reise. Ich versuche mich kurzzuhalten und die Bilder, die ich mitschicke, sprechen zu lassen.
Jaén ist eine Kleinstadt (aehnelt etwas Wuerzburg in der peruanischen Ausgabe) in den Auslaeufen der Anden. Haben dort eine Querfeldein-tour gemacht und durften so Reisfelder und eine Reisfabrik besichtigen. Hier wird unheimlich viel Reis gegessen. Ein Essen ohne Reis ist kein richtiges Essen, sagt man. Mit einem bekannten Jesuitenpater waren wir auch in einer Kaffeefabrik der Caritas und in einer Radiostation.
Am naechsten Tag ging es dann nach Nieva, einer Dorf-stadt gelegen an 2 Fluessen, die den Amazonas mitbilden.  Sind mit Taxis 10 Stunden durch den Dschungel gefahren. Die erste Stunde war die Strasse noch geteert, danach wars Schotterweg oder quasi gar kein Weg. In einem Abschnitt von 5 Stunden, gabs 17 Bruecken. 3 von 17 waren geteert, der Rest Bleche oder Holzlatten. Um das Klischee aufrecht zu erhalten. Unser Taxi hatte ein Einschussloch in der Frontscheibe, da der Taxist vor 4 Monaten einem Ueberfall ausweichen wollte.
Wenn wir durch Baeche und Fluesse gefahren sind, hab ich jedesmal noch eine Fussdusche bekommen, da das Auto Imagen Sophia L. 292_kleinnicht ganz wasserdicht war oder wie austeigen mussten, weil der Regen den Boden so vermatscht hat, dass ein halbes Dorf das Taxi den Berg hochschieben musste. In Nieva sind wir heil und dank des Klimas durchgeschwitzt angekommen. Zufaelliger Weise sind wir uebrigens auch genau an dem Ort des Erdoelkonflikts vorbeigefahren. Haben die Kreuze fuer die verstorbenen Polizisten gesehen und ich konnte heimlich aus dem Auto raus einen Oeltank fotographieren (alles mit Militaer bewacht). Apropo Militaer, das hat hier einen sehr speziellen Rang. Am Hauptplatz von Nieva beispielsweise ist direkt ein Militaerlager und so stehen neben fussballspielenden Kindern, Haendlern, Mototaxis, stillenden Muettern und uns, bewaffnete Soldaten, die jeden Augenblick losschiessen koennten. “Leider” passiert doch aber in einem kleinen Doerfchen an 2 Fluessen mitten im Regenwald nicht allzu viel spannendes und so kann man es doch fast verstehen, dass die Soldaten und die Polizei “dankbar” sind, wenn sich mal eine Gelegenheit zum Waffengebrauch bietet. Geld regiert die Welt, Korruption fuellt die Taschen des Staates (dort wo es nicht gebraucht wird) und Inogene haben dann halt leider mal kein Mitspracherecht.

Imagen Sophia L. 327_kleinDoch ansonsten ist Nieva wirklich idyllisch und schoen gelegen. Sind auch auf Pece-peces (Gondel aehnlich) den Fluss entlang zu einem sehr natuerlich angelegten Tier- und Pflanzenpark gefahren und konnten dort Freundschaft mit einem zutraulichen Tapir machen. Die Bewohner von Nieva kennen uns jetzt auch fast alle, da wir bei der Wahl der Virgin des Jahres 2009 dabeiwaren und als Gringos und Touristen per Mikrofon vorgestellt wurden. Die Leute in Nieva leben also um Vorurteile auszuschalten sehr normal. Tragen Kleidung wie wir und gehen auch zur Schule. Ein Unterschied der allerdings vorhanden ist, ist, dass dort alles einen bestimmten Geruch hat (auch die Menschen) und zwar den Geruch des Regenwaldes, wie ich glaube. Der Geruch erinnert mich an suesses Lagerfeuer, morsches Holz und Waschpulver. Aber genau beschreiben kann man den nicht. Fuer mich war es jedoch kein angenehmer Geruch, aber da ich den ganzen Urlaub ueber nicht schmecken konnte, hat mich das nicht gestoert.
Zum Schluss ein kleines Schmankerl: Waehrend wir am Hauptplatz auf Jonathan gewartet haben, kamen zwei Frauen mit Plastikbeuteln zu uns und wollten uns Suris verkaufen. Suris sind weisse, fette Maden mit schwarz-roten Koepfen, die die Leute im Dschungel bei lebendigen Leib essen. Waehrend man reinbeisst tritt ekliger Saft aus dem Koerper, der dann mit Erde an den Mundwinkeln des Verzehrers klebt. 5 fuer einen Sol war das Angebot, das wir dankend abgelehnt haben. Laut den 2 Frauen sollen Suris aber sehr lecker sein!

Nun schaut euch die Fotos an… die schildern die Reise nochmal in einem andern Licht!
Euch alles Liebe, einen schoenen Winter (nachdem der Herbst ja nur eine Woche gedauert hat?!) und fuer alle Erstis einen guten Studienstart!!!

Eure SophiaImagen 3 Sophia L. 94_klein

Afrika! Afrika!

Dienstag, 20. Oktober 2009

mira-ballmaier-blog1 ½ Monate Afrika – so sagt es jedenfalls mein Kalender. Die Zeit hier ist wie im Flug vergangen, es wird also dringend Zeit, euch mit Neuigkeiten von der Südhalbkugel zu versorgen… rundmail no 1 (zum Lesen der Rundmail klicke auf den Titel des Artikels, erst dann wird der link aktiviert)

Notsituation in Manvi

Montag, 05. Oktober 2009

Pannur-Manvi 2Hallo ihr alle,

in diesem Bericht habe ich leider keine guten Neuigkeiten fuer euch. Aber am besten ich fang einfach mal an zu erzaehlen:

Vergangene Woche sind Regenmassen gefallen, wie sie hier noch niemand erlebt hat. Selbst zu Monsunzeiten hat die Region nie so viel Wasser erlebt. Die Flüsse sind überflutet und haben ganze Dörfer zerstört. Glücklicherweise hat es mittlerweile aufgehört zu Regnen und es wird uns langsam möglich, die betroffenen Dörfer zu besuchen.

So haben wir uns am Samstagnachmittag vollgepackt mit Kleidungsstücken, die wir den Dorfbewohnern mitbringen wollten, auf den Weg in die Dörfer gemacht. Das jedoch stellte enorme Probleme dar. Der Regen hat die Straßen unbefahrbar gemacht. Teilweise sind ganze Straßenabschnitte weggespült und auch die Brücken sind zerstört.
Pannur2.Tag 189 kleinEinige Dörfer waren Tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, da sie von den Fluten umgeben waren.
Nachdem wir mit dem Jeep die Straße nicht weiter fahren konnten, haben wir unseren Weg zu Fuß fortgesetzt. Auch das erwies sich als äußerst schwierig, da und Wasserfluten immer wieder den Weg versperrten. Das Wasser stand uns bis zum Oberschenkel. Ab und zu lagen gestürzte Strommasten auf dem Weg. Nach zwei oder mehr Stunden haben wir schließlich eines der Dörfer erreicht. Der Anblick war schockierend. Wo ehemals Häuser standen befanden sich nur noch Trümmer.

Pannur2.Tag 250 kleinDie Situation dort ist katastrophal. Die Menschen haben nichts zu Essen und kein sauberes Wasser zu trinken. Die Versorgung mit Strom ist durch die eingestürzten Masten nicht möglich und es wird wohl Wochen dauern bis diese wieder hergestellt ist. Die sowieso schon armen haben nun nichts mehr. Das was sie am Leib tragen ist alles was sie besitzen. Die Wasserfluten haben deren ganzes Hab und Gut weggespült.

Pannur2.Tag 290 kleinDie Menschen leben im Moment am Wegrand und haben sich mit Planen provisorisch Zelte gebaut, um wenigstens ein „Dach“ über dem Kopf zu haben. Bei unserem gestrigen Besuch haben wir erfahren dass schon fünf Frauen von Kobras gebissen wurden. Eine davon befindet sich in einem kritischen Zustand. Die Schlagen stellen besonders für die Kinder eine Gefahr dar, da diese in den Trümmern und in den Schlammresten spielen und ihnen somit ausgeliefert sind. So haben wir bereits 17 Kinder mitgenommen, die erstmal bei uns im Heim wohnen können. Dort bekommen sie sichere Versorgung mit Nahrung und Wasser und sind vor Schlagen und anderen Gefahren geschützt. Es ist schön zu sehen wie unsere Kinder im Heim sie willkommen heißen und so gut sie können unterstützen. Die Heimkinder besitzen in der Regel selbst nur zwei bis drei Kleidungsstücke und teilen ihre wenigen Besitztümer ohne zu zögern mit den betroffenen Kindern.

Ein weiteres Problem das sich ergibt ist die langfristige Versorgung mit Lebensmitteln. Die Reisfelder sind zerstört und es stellt sich die Frage: Wie sollen die Menschen, die sonst nur von den Erträgen der Landwirtschaft gelebt haben, ihren Lebensunterhalt verdienen?

Pannur2.Tag 338 kleinIch denke keiner von uns kann sich richtig vorstellen was die Menschen in diesen Tagen durchmachen müssen und wie sie sich fühlen. Auch ich habe so etwas zuvor noch nie so hautnah miterlebt. Da ich mir aber nun selbst ein Bild von der Notlage machen konnte, ist mir bewusst wie dringend unsere Hilfe benötigt wird.

Es ist schon herzzerreißend wenn man immer wieder Mütter mit ihren Kindern am Wegrand sieht, die nach Möglichkeiten suchen Nahrung für sich und die Babys zu beschaffen.

Was wir hier tun können, ist zu den Menschen in die zerstörten Dörfer zu gehen, für sie da zu sein, mit ihnen reden und ihnen das Gefühl zu geben dass jemand da ist, der ihnen jetzt beisteht. Wir haben unsere Schule mittlerweile geschlossen und ein Camp gebildet, von dem Lehrerteams in die verschiedenen Dörfer gehen um die Tage dort mit den Familien zu verbringen.

Wenn auch Du helfen willst, ist die einfachste Möglichkeit hierfür eine Geldspende. Die Nächte hier sind kalt wenn sie man im Freien ohne warme Kleidung und Decke und zudem mit leerem Magen verbringt.
Für umgerechnet 2 Euro können wir schon einen Sari, das Kleidungsstück das die indischen Frauen tragen, für 20 Cent Seife und für 30 Cent ein Essen einkaufen. Und ich kann versichern dass die Spendengelder ausschließlich für die Hilfe dieser Menschen verwendet werden.

Die regionalen Zeitungen berichten täglich aus dieser Region. Online kann man diese zum Beispiel im Deccan Herlad unter http://www.deccanherald.com/content/28755/lull-deluge-raichur.htm lesen.

Im Namen aller hier sage ich schon mal herzlichen Dank für Deine Hilfe.

Liebe Grüße, Linda Illner

Spendenkonto: Jesuitenmission Nürnberg
Bank: Liga Bank, BLZ 750 903 00
Kontonummer: 5115582
Verwendungszweck: 3359 Flut Pannur-Manvi

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