Habari za mchana ihr alle zusammen!
(dies ist die Begruessung, die man fuer jederman, ob gross oder klein am Mittag verwenden kann. Uebersetzt heisst dies „Welche Neuigkeiten gibt es bei dir am Mittag?“)
Die Begruessungsfloskeln beherrsche ich mittlerweile sogar recht gut, denn es wird sich hier sehr viel und lang begruesst und es ist unhoeflich gleich mit der Tuer ins Haus zu fallen, wenn man etwas moechte. Es wird immer zunaechst gefragt, welche Neuigkeiten es gibt und wie es einem geht, bevor man sein Anliegen vortraegt. Und ist man zu Fuss oder mit dem Rad Richtung Stadt oder Arbeit unterwegs wird man vor allem als mzungu (Weisser) von jedem Zweiten begruesst. Soweit reichen meine Kiswahilikenntnisse, kommt es dann zu einer naeheren Unterhaltung wird es etwas kritischer. Ich kann sagen, woher ich komme, wie ich heisse und dass ich „kidogo“ (ein bisschen) swahili spreche. Oh je, dann wird man von den Leuten im schnellsten Kiswahili bequatscht und versteht kein Wort. Aber Martina ist mir stets eine super Dolmetscherin und eine gute Mwalimu (Lehrerin). Ja, ich habe schon so einiges von ihr gelernt und kann mittlerweile sogar ein bisserl handeln und Unterhaltungen fuehren. Es koennen doch sehr sehr wenige Menschen hier wirklich gut Englisch. Vor allem die Schwestern im Waisenhaus und im Chesire Home sprechen fast nur Kiswahili. Nun muss ich aber erst einmal von vorne anfangen.
Ja, wie ihr seht und wie viele von Euch schon wissen, bin ich heile in Dar es Salaam gelandet und wohlbehalten in Dodoma angekommen. Die acht Stunden am Flughafen in Kairo habe ich dank weiterer netter deutscher Reisenden, die fuer ihren Flug nach Ghana und Nairobi auch 5 und 7 Stunden warten mussten, gut ueberstanden. Es war nicht ganz so langweilig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Morgens in Dar wurde ich puenktlich vom Flughafen abgeholt, eher untypisch fuer tansanische Verhaeltnisse. Ich wurde herzlich in der Jesuitenkommunitaet von Dar es Salaam aufgenommen. Und ich hatte Glueck, dass Father Vitus erst seit ein paar Tagen in Dar lebt. So hatte er viel Zeit mir die Stadt zu zeigen, da seine Arbeit jetzt erst begonnen hat. Er ist der neue Priester der Gemeinde in Mabibo, ein Ort in Dar es Salaam. Er kommt aus Bayern und lebt seit 12 Jahren in Afrika. Zuletzt in Uganda. Ach es war wirklich herrlich mit ihm durch die Stadt zu flanieren, gemeinsam zu essen und einfach zu quatschen. Allein haette ich mich das doch nicht getraut. Dar es Salaam ist riesig gross und vollgestopft mit Autos und Menschen und die Armut sehr zu sehen. So richtig gefallen hat mir die Stadt nicht, einfach zu gross und zu laut. Deswegen war ich froh als ich dann Freitags nach Dodoma fahren konnte. Zwischen zwei afrikanischen Mamas habe ich die sechsstuendige Fahrt doch ueberlebt. Fuer mich war es doch recht abenteuerlich, so allein in einem wirklichen Schrottbus, in dem ich als einzige Weisse auf dem Dreiersitz in der Mitte Platz nehmen durfte. Ja, manche Busse haben naemlich nicht nur zwei Sitze links und zwei rechts, nein auf der einen Seite gibt es sogar drei Sitze. Hach war ich froh als wir in Dodoma ankamen, Martina mich in Empfang genommen hat und mein Gepaeck es auch bis Dodoma geschafft hat.
Dodoma: Dodoma ist herrlich. Es ist ein nettes kleines Staedtchen, gar nicht mit Dar es Salaam zu vergleichen und ich bin sehr froh hier mein Leben verbringen zu duerfen. Das Klima ist zudem auch sehr angenehm. Nachts zur Zeit sogar richtig kalt. Tagsueber nur manchmal ZU heiss. Unser Haus ist riesig und wir haben fuenf Zimmer. Mittlerweile leben wir hier nur noch zu dritt. Dies war nicht immer so. Zum einen ist Catherine am Dienstag schon abgereist und zum andern hatten wir noch weitere tausend Mitbewohner. Es war unglaublich. Wenn wir abends unterwegs waren und beim Heimkommen das Licht wieder angemacht haben, kreuchte und fleuchte es in unserer Kueche von Kakerlaken in allen erdenklichen Groessen.So was habe ich im Leben noch nicht gesehen. Wir entschieden uns zum Glueck dafuer, dagegen etwas zu unternehmen, spruehten ein fieses Mittel (zusammengemixt von den Jesuiten) in alle Ecken und verliessen das Haus fuer den Rest des Tages. Das Wiedersehen mit den Kakerlaken war recht erfreulich, denn es lagen tausende tot auf dem Ruecken auf dem Boden, in den Regalen und auf der Arbeitsflaeche. Nun ist es doch sehr ruhig in unserer Kueche geworden – fast schon langweilig, wie Martina sagt.
Kyra wird morgen abreisen. Sie beide haben seit Januar in der Primary school Englischunterricht gegeben und kommen aus England. Kyra ist wirklich toll und ich bin sehr traurig, dass heute schon unser letzter Tag ist. Aber ich bin mir sicher, dass ich sie mal wiedersehen werde. Wir haben uns wirklich gut verstanden und Nottingham liegt ja nicht so weit von London entfernt. Also werde ich von Teresa aus (meine Freundin Teresa lebt in London) mal einen Abstecher nach Nottingham machen, ne Teresa!?
Ab morgen werden also Martina und ich eine Zweier-Wg bilden. Ja, Martina ist wirklich nett. Ich bin sehr dankbar, dass sie mich in alle Gegebenheiten einfuehrt. Sei es das Waisenhaus, das Chesire Home, das Wg-Leben, der Umgang mit den Menschen, die Stadt oder einfach nette Gespraeche ueber Gott und die Welt. Trotz ihres bayrisch koennen wir uns doch recht gut verstaendigen
. Die Jesuiten und die Leute, die in der Pfarrei arbeiten (und das sind nicht wenige) sind auch alle toll. Ich fuehle mich bei ihnen sehr wohl. Die Pfarrei liegt ungefaehr 10 minuten Fussweg von uns entfernt. Jeden Montagabend sind wir Volunteers zu einem gemeinsamen Gottesdienst eingeladen, danach gibt es das leckerste Essen und es wird gesungen, gequatscht und UNO gespielt. Dort fuehlt man sich doch wirklich zu Hause und das Motto von Father Sossy lautet „feel free“ und so ist es auch gemeint.
Ich habe in den zwei Wochen schon so wahnsinnig viel erlebt, dass ich gar nicht weiss, wie das in den naechsten Wochen werden soll. Und leider kann ich euch auch nicht an allem teilhaben lassen, denn dann wuerde die E-mail zu lang werden und Ihr wuerdet womoeglich vor Euerm Computer einschlafen.
Zwei Sachen wuerde ich aber gerne noch schreiben. Seitdem ich hier bin, fehlt es mir wirklich nicht an Festen. Ich habe das 25ste Jubilaum des Bischofs mitbekommen, Fronleichnam, den „Watototo Afrika day“. Immer wird viel getanzt, gesungen, mehrere lange Reden gehalten und gegessen – das ist wirklich toll, nur die Reden auf Kiswahili sind dann doch oft zu lang. Vor allem die Predigt am Fronleichnamgottesdienst hat tatsaechlich eine Stunde gedauert, der gesamte Gottesdienst unter freiem Himmel drei Stunden – Wahnsinn. Zum Glueck hatten wir einen Platz im Schatten. Die Chorgesaenge sind wirklich einmalig und ich bekomme oft Gaensehaut in den Gottesdiensten.
Leider fehlt es mir aber ein bisschen an Arbeit. So einen wirklichen Arbeitsrythmus werde ich wohl erst in zwei Wochen haben und darauf freue ich mich schon sehr. Es ist naemlich so, dass zur Zeit Ferien sind und das insgesamt vier Wochen, also noch zwei Wochen. Zunaechst hatten Martina und ich die Hoffnung, dass ich in den Ferien schon im Waisenhaus mitarbeiten darf, denn es sind ja alle 50 Kinder dort. Doch habe ich nun Sister Modesta persoenlich kennengelernt und sie ist doch leider eine schwierige Person. Sie ist die Oberschwester des Waisenhauses, die ihre Macht (so scheint uns dies) gerne ausspielt. Ich habe schon aus Martinas Rundmails mitbekommen, dass es fuer sie nicht so einfach ist ihre Arbeit im Waisenhaus zu machen und dass Sister Modesta doch gerne mal ein paar Steine in den Weg legt. Nun habe ich es selbst erfahren. Ich darf hoechstens zwei Tage in der Woche im Waisenhaus arbeiten und das auch erst, wenn die Schule wieder beginnt. Dass ich nur zwei Tage dort arbeiten darf ist nicht ganz so schlimm, denn die anderen drei Tage in der Woche werde ich im Chesire Home arbeiten. Dies ist ein Heim fuer Kinder mit Behinderung. Die Kinder verbringen aber die Ferienzeit bei ihren Eltern und sind deshalb momentan nicht dort.
Die Mischung zwei Tage Waisenhaus (wahrscheinlich werde ich versuchen den Vorschulkindern ein wenig Englisch beizubringen) und drei Tage Chesire Home finde ich echt super und ich freue mich schon riesig, wenn es dann richtig losgeht. Es ist wirklich schade mit Sister Modesta, denn die anderen Schwestern sind alle sehr herzlich und heissen mich immer wieder willkommen. Jedes Mal werde ich mit Karibu Teresa begruesst und seit heute kennen mich doch viele Kinder mit Namen – das ist ein tolles Gefuehl. Aus all diesen Gruenden sah meine letzte Woche folgendermassen aus: Dienstags nach dem Gespraech durfte mir Martina im Waisenhaus doch noch alles zeigen und weil Sister Modesta noch in der Stadt war, sind wir am Nachmittag noch etwas geblieben und haben unter einem Baum gemalt und UNO gespielt (weil der Klassenraum verschlossen war und der Schluessel verschwunden). Ja und die folgenden Tage der Woche hatte ich einfach Glueck, dass ein paar Kinder des Chesire Homes zur Vorbereitung des „Watoto African Days“ wiedergekommen sind.Im Chesire Home sind die Schwestern einfach toll, trotz des Kiswahilis und der Sprachbarrieren lachen wir viel und ich fuehle mich wohl. Vor allem die neue Lehrerin ist einfach toll. Diese Woche habe ich dann wieder montags und Dienstags im Chesire Home verbracht. Nach der Arbeit bin ich immer noch zum Waisenhaus gefahren und habe Martina abgeholt und mit den Kindern noch eine Runde UNO gespielt. Heute ist Kyra zum Abschied zu Besuch mit ins Waisenhaus gekommen. Das war erneut die Chance fuer mich mitzukommen und zu arbeiten. Es war herrlich!!! Da gibt es zum Beispiel Baraka, der drei Jahre alt ist und wahnsinnigen Koerperkontakt sucht. Das groesste fuer ihn ist es, Kopfueber zu haengen. Dann jauchzt und lacht er. Aber auch die aelteren Kinder genossen die Aufmerksamkeit von drei weissen Frauen und es wurden die groessten Puzzle mit Freude fertiggestellt.
Das Waisenhaus und das Chesire Home liegen uebrigens in Myuji und mit dem Fahrrad sind wir eine halbe Stunde unterwegs. Das ist eine tolle Strecke. Zunaechst an einer befahrenen Strasse entlang, biegen wir irgendwann links ab und fahren durch trockenstes Gebiet querfeldein. Das ist Dodoma, ein tatsaechlich wuestenaehnliches Gebiet.
Nun habe ich zwei Wochen Ferien und darf dann hoffentlich fuenf Monate durcharbeiten. Hoechstwahrscheinlich fahren Martina und ich naechste Woche hoch nach Arusha und von dort aus weiter nach Moshi um den Kilimanjaro zu sehen und zu wandern. Vielleicht mache ich von Arusha aus eine Safari. Das waer toll, denn das wird vielleicht ja die einzige Gelegenheit sein, dass ich mal reisen werde.
So jetzt habe ich euch aber genug Informationen zukommen lassen, ich hoffe Ihr fuehlt euch von den vielen Informationen nicht erschlagen. Ich versuche mich naechstes Mal kuerzer zu fassen und einzelne Ereignisse rauszupicken. Nur ist gerade in der Anfangsphase so viel passiert und daran wollte ich euch gerne teilhaben lassen.
Fuehlt euch alle herzlich gegruesst aus dem schoenen, trockenen, heissen Dodoma,
Eure Teresa oder TeresIa oder Tedy (ja das sind die beiden Namen, die ich nun hier in Tansania erhalten habe, weil dies typisch tansanische Namen seien. Mit Teresia bin ich einverstanden, mit Tedy noch nicht so sehr)